Korb

Der Secondhand-Brautladen "Goldbraut" in Korb öffnet mitten in Corona-Krise

Hochzeitsladen
„Goldbraut“-Inhaberin Lisa Braun (30) schenkt bereits getragenen Brautkleidern ein neues Leben. © Alexandra Palmizi

Lisa Braun ist 30 Jahre alt und vor knapp zwei Jahren der Liebe nach Korb gefolgt – passenderweise hat sie nun einen Laden für Brautmode aufgemacht. Seit dem 4. Mai gibt es ihre „Goldbraut“ in der Winnender Straße. Das Geschäft beerbt dort den Computerladen „CoHiko“ in den ehemaligen Räumlichkeiten von „Elektro Heinrich“. Hinter der neuen Boutique verbirgt sich allerdings ein besonderes Geschäftsmodell, dem die Corona-Krise offenbar nichts anhaben kann. Der Unterschied zur Konkurrenz: Was sie den künftigen Bräuten verkauft, haben davor schon andere getragen.

Ursprünglich kommt Lisa Braun aus Öhringen im Hohenlohekreis. Dort hat die 30-Jährige mehrere Jahre bei einer Firma im Einkauf gearbeitet und dabei viel mit Textilien zu tun gehabt – dabei habe sie ihre Liebe zur Mode entdeckt. „Ich wusste: Ich möchte irgendetwas mit Mode machen. Aber als Modedesigner hat man es heutzutage schwer. Und mich hat damals schon das Thema Nachhaltigkeit sehr beschäftigt“, erzählt die junge Frau.

Brautkleider nur einmal zu tragen, ist nicht sehr nachhaltig

Vor fünf oder sechs Jahren habe sie dann die zündende Idee gehabt: ein eigener Brautladen, spezialisiert auf Secondhand-Brautmode. Dass ein Brautkleid, in dem ja so viel Arbeit und Material steckt, nur ein einziges Mal getragen werden soll, findet sie nämlich alles andere als nachhaltig.

In ihrer Wahlheimat Korb ergab sich nun endlich die Gelegenheit, ihren Traum zu verwirklichen. „Ich hatte endlich den perfekten Standort dafür gefunden. Als dann Corona kam, war das auch vollends egal“, erzählt Lisa Braun und lacht. Zumindest der Umbau hat aber wegen Corona dann doch länger gedauert als eigentlich geplant. Ein Grund dafür: Einige der verwendeten Möbel sind ebenfalls secondhand. Es sei schwierig gewesen, diese trotz der Kontaktbeschränkungen abholen zu können. Aus dem ursprünglichen Plan, zum Korber Bienenflug am 22. März das neue Geschäft präsentieren zu können, wurde natürlich nichts. Auch nach Ostern durfte das Geschäft noch nicht öffnen.

Während sie darauf wartet, dass das Land ihrer Branche grünes Licht gibt, stellt die 30-Jährige schon mal ein paar Brautkleider im Schaufenster auf – und die Nachricht vom neuen Brautladen verbreitet sich prompt wie ein Lauffeuer. „Mein Telefon hat plötzlich nonstop geklingelt“, erzählt Lisa Braun. Überraschend viele hätten ihr daraufhin ihre ausgedienten Brautkleider vorbeigebracht. Den vielen weißen Wundern auf den Kleiderstangen sieht man ihre Vergangenheit jedoch nicht an: „Jedes Kleid wurde professionell gereinigt, bevor es zu mir in den Laden kam. Das ist mein einziger Grundsatz“, erklärt die Inhaberin.

Gebrauchte Hochzeitskleider sind ein echtes Schnäppchen

Für angehende Bräute lohnt es sich durchaus, ein Secondhand-Kleid in Betracht zu ziehen: „Insgesamt kann man sagen: Meine Kleider kosten etwa die Hälfte vom Neupreis, plus/minus 100 Euro“, erklärt Lisa Braun. Konkret könne man bei ihr schon für 150 Euro aufwärts ein kurzes Standesamtkleid finden, ihre teuersten Brautkleider lägen bei 1000 Euro, in Ausnahmefällen auch mal bei 1500 Euro. „Wir schauen auch immer, dass wir in jeder Größe etwas dahaben.“ Neben bereits getragenen Kleidern führt Braun auch vereinzelt Neuware, zum Beispiel Kleider aus Kollektionen vom Vorjahr sind dabei. Andere Exemplare sind klassische Fehlkäufe: teuer bezahlt, nie getragen.

Am 4. Mai hat die „Goldbraut“ nun endlich offiziell eröffnen dürfen. Anproben sind nur unter strengen Hygieneauflagen und mit maximal zwei Begleitpersonen erlaubt, aber Lisa Braun hofft, dass sich die Kundinnen trotzdem bei ihr wohlfühlen. Sie habe bereits genügend Anfragen, mit den etwas vermummten Anproben hat sie bis jetzt sehr gute Erfahrungen gemacht: „Klar, die Anproben laufen anders als ohne Corona. Aber das Virus schafft es nicht, die Freudentränen zu unterdrücken, wenn eine Braut endlich ihr Kleid gefunden hat. So starke Emotionen kommen auch durch die Maske durch.“

Vielleicht stehen die Sterne sogar recht günstig für Brauns spezielles Geschäftsmodell: Wer in nächster Zeit heiraten will, greift wegen Kurzarbeit und Co. vielleicht eher zu einem günstigen, gebrauchten Kleid als noch vor der Krise. Außerdem hat die Ladeninhaberin das Gefühl, dass viele Frauen sich jetzt ganz bewusst von ihrem alten Hochzeitskleid trennen – in der Hoffnung, dass sie einer Braut, die gerade nicht so gut bei Kasse ist, damit vielleicht etwas Gutes tun.

Eigene Änderungsschneiderei näht auch manchmal neue Kleider

Lisa Braun hat als Erstes eine Schneiderin eingestellt – ihre eigene Mutter, Vera Braun. Die habe schon immer die Familie und ihren ganzen Bekanntenkreis mit Maßgeschneidertem versorgt. „Wenn eine ihrer Freundinnen geheiratet hat, war es ganz selbstverständlich, dass meine Mutter das Brautkleid für sie angepasst hat“, erzählt Braun.

Die Schneiderei ist in vielerlei Hinsicht wichtig: Nicht jedes gebrauchte, gereinigte Kleid kann direkt wiederverkauft werden. „Wenn ein Kleid zu uns kommt, das einen Riss oder ein Loch hat, können wir das in unserer kleinen Schneiderei ausbessern. Manchmal ist auch nur noch der Rock gut oder das Oberteil brauchbar. Dann schneidern wir daraus ein ganz neues Kleid“, erzählt die 30-Jährige. Auch auf ganz genaue Vorstellungen kann der Brautladen so reagieren: „Für eine Kundin nähen wir jetzt tatsächlich ein komplettes Brautkleid.“ Zusätzlich zu den Brautkleidern finden sich in der „Goldbraut“ auch allerhand Accessoires: Seien es Brautschuhe, Schmuck – oder, aktuell sehr im Trend, besonders feierliche Mund- und Nasen-Masken für Braut und Bräutigam.

Lisa Braun hofft, dass ihr kleiner Laden schnell wachsen kann und sie vielleicht schon bald noch zwei weitere Kräfte einstellen kann. Auch eine Kooperation mit anderen Hochzeitsläden, denen sie die Ausstellungsstücke vom Vorjahr abkaufen könnte, kann sie sich in Zukunft gut vorstellen. Im Moment ist die junge Geschäftsführerin aber einfach nur froh, wie gut alles trotz Corona angelaufen ist und freut sich über die gute Resonanz: „Wir sind so nett aufgenommen worden, ich fühle mich so wohl hier – die Korber sind schon toll“, sagt Lisa Braun.

Lisa Braun ist 30 Jahre alt und vor knapp zwei Jahren der Liebe nach Korb gefolgt – passenderweise hat sie nun einen Laden für Brautmode aufgemacht. Seit dem 4. Mai gibt es ihre „Goldbraut“ in der Winnender Straße. Das Geschäft beerbt dort den Computerladen „CoHiko“ in den ehemaligen Räumlichkeiten von „Elektro Heinrich“. Hinter der neuen Boutique verbirgt sich allerdings ein besonderes Geschäftsmodell, dem die Corona-Krise offenbar nichts anhaben kann. Der Unterschied zur Konkurrenz: Was

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper