Korb

Diskriminierender Name: Wann wird der „Zigeunerbrunnen“ bei Korb umbenannt?

Zigeunerbrunnen
Der „Zigeunerbrunnen“ beim Hanweiler Sattel. © Alexandra Palmizi

Warum bekommt der „Zigeunerbrunnen“ auf dem Hanweiler Sattel keinen neuen Namen? Weinstadt hat ja auch jüngst die Quelle, die nach dem Schnaiter Nazi-Bürgermeister und Antisemiten Georg Amann benannt war, umbenannt. Das hatte der Weinstädter Gemeinderat Ende November 2020 entschieden. Seither trägt die Quelle offiziell wieder den Namen „Fallenhauquelle“, so wie sie bis Mitte der 1960er Jahre schon mal hieß.

Leser Armin Weckert aus Waiblingen regte jüngst in einem Leserbrief an unsere Zeitung an, einen neuen Namen für den „Zigeunerbrunnen“ zu finden. Die große Frage war: Welche Kommune ist eigentlich für den Brunnen zuständig? Waiblingen, Winnenden oder Korb?

Kritik durch die Sinti und Roma

Armin Weckert weiß das selbst nicht so genau. Er hat den Brunnen nie gesehen, nur auf Wanderkarten ist er darauf gestoßen. Er vermutete jedoch, dass er im Waiblinger Stadtwald liegt. Bei seiner Begründung für die Umbenennung bezieht er sich auf die Kritik an dem Begriff „Zigeuner“ durch die Sinti und Roma.

Von Klischees überlagertes Wort

Auf der Internetseite des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma wird ausführlich erläutert, warum das Wort heutzutage nicht mehr verwendet werden sollte: „Zigeuner“, heißt es dort, sei eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt werde. „So haben sich die Sinti und Roma nämlich niemals selbst genannt. Die Durchsetzung der Eigenbezeichnung Sinti und Roma im öffentlichen Diskurs war von Anfang an ein zentrales Anliegen der Bürgerrechtsbewegung, die sich vor allem seit Ende der Siebzigerjahre in der Bundesrepublik formierte.“

Da Leser Armin Weckert den Brunnen im Waiblinger Stadtwald verortete, wandten wir uns zunächst an die Waiblinger Stadtverwaltung. Antwort: „Die Recherche hat ergeben, dass besagter Brunnen sich nicht im Waiblinger Stadtwald befindet. Eher im Winnender oder Korber Bereich.“

Brunnen liegt auf der Gemarkung von Korb, nicht von Waiblingen

Zuständig ist tatsächlich die Gemeinde Korb. Christine Humeniuk, die bei der Gemeinde für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, teilte mit, dass das „Brünnele“, wie es schon seit langer Zeit im Volksmund genannt werde, im Zuge der Rebflurbereinigung Roßberg zu einem Brunnen ausgebaut worden sei. „Davor handelte es sich nur um ein kleines Rinnsal, das aus einem Röhrchen kam.“ Am Brunnen sei kein Namensschild angebracht worden. Auch in den Wanderwegsbeschreibungen für die Remstal-Gartenschau 2019 sei die Bezeichnung „Zigeunerbrünnele“ nicht verwendet worden.

Kaum historische Unterlagen

Weitere historische Unterlagen hat die Gemeinde nicht. „Wir haben leider keinerlei Unterlagen bezüglich der Namensgebung und des Zeitpunkts ausfindig machen können.“ Wie es zu der Namensgebung kam, könne daher nicht nachvollzogen werden.

Wann berät der Gemeinderat?

Hat die Gemeinde Korb vor, die Umbenennung des Brunnens auf die Tagesordnung des Gemeinderats zu setzen? Christine Humeniuk teilt dazu Folgendes mit: „Die Verwaltung wird sich abhängig von Corona zu gegebener Zeit Gedanken zu diesem Thema machen und den Gemeinderat darüber informieren.“ Ideen, welche alternativen Namen der Brunnen auf dem Hanweiler Sattel künftig haben könnte, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Warum bekommt der „Zigeunerbrunnen“ auf dem Hanweiler Sattel keinen neuen Namen? Weinstadt hat ja auch jüngst die Quelle, die nach dem Schnaiter Nazi-Bürgermeister und Antisemiten Georg Amann benannt war, umbenannt. Das hatte der Weinstädter Gemeinderat Ende November 2020 entschieden. Seither trägt die Quelle offiziell wieder den Namen „Fallenhauquelle“, so wie sie bis Mitte der 1960er Jahre schon mal hieß.

Leser Armin Weckert aus Waiblingen regte jüngst in einem Leserbrief an unsere

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