Korb

Ein 19-Jähriger aus Korb beschimpft Polizisten als "Lutscher": Warum er jetzt mit einem Bein im Gefängnis steht

Polizei
Der Angeklagte hat einen Polizisten als "Lutscher" bezeichnet (Symbolbild). © Gabriel Habermann

Ein inzwischen 20-Jähriger aus Korb hat sich vor dem Waiblinger Amtsgericht dafür verantworten müssen, dass er vergangenes Jahr einen Polizeibeamten beleidigt hat. Der junge Mann hat den Vorwurf vollumfänglich eingeräumt und sich bei dem Beamten entschuldigt. Was zuerst nach einem simplen Verfahren klingt, gestaltet sich dann aber doch komplizierter.

Es ist nämlich bei weitem nicht das erste Mal, dass sich der Korber vor dem Jugend-Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Martin Luippold verantworten muss. Der Heranwachsende ist aktuell schon auf Bewährung. Diese wurde schon zweimal aufgestockt, weil er erneut an Straftaten beteiligt war.

Ladendiebstahl, Beleidigung und Körperverletzung

Unter anderem hat er in den vergangenen vier Jahren Ladendiebstahl begangen und im Zug einer schlafenden Frau einen Rucksack geklaut. Außerdem hat er immer wieder Polizisten aufs Übelste beleidigt und ist auch mehrmals handgreiflich geworden. Fast immer sei er bei seinen Taten unter dem Einfluss von Alkohol und auch anderen Drogen gestanden, erinnert Richter Luippold. Zusätzlich ist bereits noch eine weitere Anklage gegen den Korber beim Amtsgericht eingegangen – wann diese zur Verhandlung kommen wird, ist aber noch unklar.

Die Beleidigung, um die es jetzt geht, passierte im vergangenen Juli in Korb. Infolge einer Ruhestörung wollte eine Streife den damals 19-Jährigen aufs Revier bringen und dort seine Identität überprüfen, weil er keinen Ausweis dabeihatte. Der Angeklagte gesteht, den einen Beamten als „Lutscher“ beschimpft zu haben.

Zurückhaltend und höflich nur im nüchternen Zustand

Vor Gericht tritt der heute 20-Jährige zurückhaltend und höflich auf. Sein Anwalt und die Jugendgerichtshelferin, die den Korber auch schon seit mehreren Jahren kennen, beschreiben ihn als „lieben Kerl“ – wenn er nüchtern sei und ihn niemand provoziere.

Der Angeklagte beteuert wiederholt, dass er sein Leben endlich in den Griff bekommen will. Seit einigen Monaten ist er von zu Hause ausgezogen, jetzt ist er auf Arbeitssuche. Er wolle eine Ausbildung beginnen, am liebsten noch diesen Monat.

Die Frage des Richters, ob er noch viel Alkohol trinke, verneint er. Nicht mehr viel, sagt er. Zuletzt am Samstag zwei Flaschen Wein.

Eigentlich ist das Maß voll

Die Suchtproblematik macht auch dem Staatsanwalt Sorge: Er habe zwar kein gutes Gefühl dabei, einen jungen Menschen wegen des Wortes „Lutscher“ ins Gefängnis zu schicken, aber eigentlich sei das Maß jetzt voll. Er stimmt aber dem Vorschlag der Jugendgerichtshilfe zu, die Bewährung noch ein letztes Mal aufzustocken und den 20-Jährigen zu einer Woche „Warnschussarrest“ zu verurteilen – obwohl er dafür, da sind sich die Beteiligten einig, eigentlich schon zu alt ist. Zum „Probesitzen“, wie es Richter Luippold flapsig ausdrückt.

Das Jugend-Schöffengericht spricht den jungen Mann schließlich der Beleidigung schuldig. Seine Bewährungsstrafe von aktuell einem Jahr und sieben Monaten wird um einen Monat verlängert. Verbunden ist dieses Urteil mit einer Vorbewährungszeit von sechs Monaten, in denen der 20-Jährige 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und fünfmal bei der Suchtberatung vorsprechen muss. Außerdem muss er für zwei Wochen Warnschussarrest in eine Jugendarrestanstalt - länger als vom Staatsanwalt gefordert. Die Vorbewährung und das noch ausstehende Verfahren entscheiden darüber, ob der junge Mann die knapp zwei Jahre absitzen muss oder nicht. Eine weitere letzte Chance sei jedenfalls nicht mehr drin, macht Richter Luippold deutlich. Der 20-Jährige verzichtet auf Rechtsmittel.

Ein inzwischen 20-Jähriger aus Korb hat sich vor dem Waiblinger Amtsgericht dafür verantworten müssen, dass er vergangenes Jahr einen Polizeibeamten beleidigt hat. Der junge Mann hat den Vorwurf vollumfänglich eingeräumt und sich bei dem Beamten entschuldigt. Was zuerst nach einem simplen Verfahren klingt, gestaltet sich dann aber doch komplizierter.

Es ist nämlich bei weitem nicht das erste Mal, dass sich der Korber vor dem Jugend-Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Martin

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