Korb

Ein Zeppelin über Korb und Panzer auf dem Seeplatz: Spuren suche zu einem Bild aus dem Gemeindearchiv

Zeppelin über Korb
Ein ungewöhnlicher Anblick, aber keine Bild-Manipulation: Panzer auf dem Seeplatz und ein Zeppelin am Himmel. © Korber Gemeindearchiv

Der Korber Verein für Münzkunde und Landesgeschichte „Der Remstaler“ sichtet zurzeit systematisch die Bestände des Korber Gemeindearchivs, mit dem Ziel, diese der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Im Rahmen dieses Projekts ist der Verein nun auf eine ganz besondere Fotografie gestoßen: Sie zeigt den Seeplatz, auf dem eine Reihe von Militärfahrzeugen in Reih und Glied abgestellt ist – und ein Luftschiff, das links des Korber Kopfs am Himmel zu sehen ist. Dem Verein stellt sich nun die große Frage: Wann wurde dieses Bild aufgenommen?

Kein Datum, aber versteckte Hinweise

Rückblickend ist schwer zu beurteilen, was für die Gemeinde Korb ungewöhnlicher war: die Militärpräsenz auf dem Seeplatz oder der Zeppelin am Himmel. Da das Papierbild kein Datum trägt, lässt sich die Frage nach dem „Wann“ nicht so einfach beantworten. Bei genauem Hinsehen findet man allerdings Hinweise, die den Zeitraum relativ konkret eingrenzen. Um den Militärtross zu identifizieren, hat "Der Remstaler" die Fahrzeuge, die im Bild vorne rechts mit Planen abgedeckt eingeparkt sind, mit historischen Fotos abgeglichen.

Es handelt sich um Spähpanzer, die mit Funkantennen ausgestattet sind. Diese Antennen sehen wie Geländer über den Fahrzeugdächern aus. Solche Funk-Spähpanzer vom Typ Sd.Kfz (kurz für Sonder-Kraftfahrzeug) 223 hat das deutsche Militär 1935 in Auftrag gegeben. Sie dürften demnach nicht vor 1936 zum Einsatz gekommen sein. Ihre militärische Aufgabe war, gegnerischen Funkverkehr zu orten und damit Aufschluss zu gewinnen, wo der Feind steht.

Korb liegt an einer alten Handelsstraße 

Die Vermutung liegt nahe, dass der Militärkonvoi von der sogenannten „Funkerkaserne“ in Stuttgart-Bad Cannstatt seinen Weg nach Korb genommen hat. Die Kaserne liegt an der Nürnberger Straße, einer historischen Handelsstraße, die als „alte B 14“ vorbei an der Waiblinger Kernstadt und an Korb nach Osten nach Nürnberg und bis zur tschechischen Grenze geführt hat.

Begleitet werden die Spähpanzer des in Korb fotografierten Konvois von Transport-Lkw mit Anhängern und einigen vermutlich geländegängigen kleineren Fahrzeugen, die hinter den Spähpanzern stehen. Insgesamt lassen sich auf dem Bild etwa 20 Militärfahrzeuge erkennen. Luftschiffe zu identifizieren, ist eine Spezialität der Experten vom Zeppelin-Archiv in Friedrichshafen. Ihre Auskunft: Es handelt sich hierbei um das Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“.

Das Schwesternschiff der "Hindenburg" überm Korber Kopf

Der „Graf Zeppelin“ war der am längsten eingesetzte deutsche Zeppelin, im Fahrdienst von September 1928 bis Juni 1937. Als am 6. Mai 1937 das Schwesternschiff LZ 129 „Hindenburg“ beim Unglück von Lakehurst in den USA ausbrannte, befand er sich gerade auf der Rückfahrt von Südamerika zurück nach Friedrichshafen. Es sollte seine letzte Fahrt gewesen sein, der Passagierverkehr mit Zeppelinen wurde nach der „Hindenburg“-Tragödie eingestellt. Der „Graf Zeppelin“ wurde am 18. Juni 1937 nach Frankfurt gefahren und dort stillgelegt.

Doch was lässt sich aufgrund dieser Hintergrundinformationen über die Aufnahme in Korb sagen? Der Korber Kopf liegt von der Ortsmitte aus gesehen ziemlich genau nördlich. Das Luftschiff fährt also in Richtung Nord oder Nordost. Es könnte auf diesem Kurs vom Flughafen Böblingen kommen, der bis 1939 der Verkehrsflughafen von Stuttgart war. Allerdings sind dort für den infrage kommenden Zeitraum keine Landungen von LZ 127 dokumentiert.

Laut Auskunft des Zeppelin-Archivs ist das Luftschiff auf der Südamerika-Linie einige Male zunächst von Friedrichshafen nach Frankfurt gefahren, um dort einen Zwischenhalt zu machen. Auch dieser Kurs könnte zum historischen Bild passen.

Was wollten die Soldaten in Korb?

Mit dem Datum Juni 1937 als letzte Fahrt von LZ 127 lässt sich das in Korb aufgenommene Bild auf die Jahre 1936 und 1937 eingrenzen. Und sogar noch etwas genauer, weil man ganz links im Bild Menschen sieht, die sommerlich gekleidet sind.

Infrage kommt also ein Zeitraum von etwa April 1936 bis September 1936 oder April 1937 bis Juni 1937. Nach dem Schattenwurf zu urteilen, muss das Bild zur Mittagszeit entstanden sein. Vielleicht haben die Soldaten der Nachrichtentruppe zu diesem Zeitpunkt Rast in einem der umliegenden Gasthäuser gemacht?

Wann genau die Fotografie aufgenommen worden ist, bleibt also mangels Datierung offen. Augenzeugen, die es noch genau wissen, werden sich nach 83 oder 84 Jahren nicht mehr finden. "Der Remstaler" hofft nun, dass dieses Zusammentreffen außergewöhnlicher Sehenswürdigkeiten vielleicht wenigstens mündlich noch überliefert ist und sich so dieses Rätsel der Lokalgeschichte doch noch lösen lässt.

Über diesen Artikel:

Dieser Artikel ist in seiner Originalform in der neusten Ausgabe des Remstaler-Magazins erschienen. Die dritte Ausgabe kann zum Preis von fünf Euro bestellt werden per E-Mail an remstaler@email.de oder unter der Telefonummer 0 71 51/1 73 38 16.