Korb

Evangelische Gemeinden Beinstein, Korb und Kleinheppach sollen Pfarrer teilen

Kirchenverbund
Der evangelische Pfarrer Dieter Koch informierte über die neue Verbundkirchengemeinde, die 2023 starten soll. © ZVW/Gaby Schneider

Die evangelischen Kirchengemeinden Korb mit Kleinheppach und Waiblingen-Beinstein sollen künftig gemeinsame Sache machen. Pfarrer Dr. Dieter Koch informierte am Dienstagabend im Gemeindehaus Schaltenberg in der Gutenbergstraße über das Vorgehen. Ungefähr zwei Dutzend Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Korb sowie mehrere Gäste aus Beinstein waren der Einladung zu einer Gemeindeversammlung gefolgt.

Mit einer Verbundkirchengemeinde bestehend aus den Gemeinden Korb, Kleinheppach und Beinstein würde die Zukunftsfähigkeit in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und demografischer Veränderungen gestärkt werden – mit einer Verbindung, so Koch, die das Zusammenwachsen der Gemeinden fördern soll, die aber auch wieder aufgelöst werden könne, wenn sie partout nicht funktioniere.

Immer weniger Pfarrer

Die Evangelische Kirche in Württemberg schrumpft. Seit ihrer Hochzeit zu Beginn der siebziger Jahre habe sie rund 40 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Diese Entwicklung ziehe sich durch die gesamte Landeskirche und betreffe auch die Gemeinden des Waiblinger Dekanats, sowohl Korb, in dem die Zahl von fast 6000 auf 3700 zurückging, wie auch Beinstein, wo sie von 2000 auf 1300 abstürzte.

Gleichzeitig scheiden immer mehr Pfarrer aus dem Berufsleben aus, als neue in den Dienst der Kirche treten. Jetzt schon können hundert Pfarrstellen nicht besetzt werden. Darauf hat die Landessynode mit dem Erarbeiten des Pfarrplans 2024 reagiert. Mit ihm soll die Anzahl und Verteilung der Gemeindepfarrstellen an die sich abzeichnende weitere Entwicklung angepasst werden, mit dem Ziel, nachhaltige und verlässliche Strukturen zu schaffen.

Korb erhält wohl ab 2030 keine zwei Pfarrstellen mehr

Für Korb, das bereits vor zehn Jahren von zweieinhalb auf zwei Pfarrstellen zurückgestuft wurde, so erläuterte Pfarrer Dieter Koch, bedeute dies, dass es voraussichtlich 2030 keine zwei volle Pfarrstellen mehr zuerkannt bekomme. Für Beinstein wiederum gelte seit 2018, dass ihm nur eine halbe Pfarrstelle zustehe. Wenn Kochs Frau Anne, die zurzeit als Pfarrerin in Beinstein tätig ist, Ende 2023 in den Ruhestand geht, wird laut Koch auch ein Beschluss der Landessynode wirksam, nachdem die halbe Beinsteiner Pfarrstelle nicht mehr zur Führung ihrer Geschäfte befugt ist. Die Geschäftsführung für die Beinsteiner Kirchengemeinde müsste dann laut Anordnung des Oberkirchenrats das Pfarramt Korb II übernehmen, ebenso den Vorsitz im Beinsteiner Kirchengemeinderat.

Aus der Beinsteiner Gemeinde würden darüber hinaus 300 Gemeindemitglieder ausgegliedert und als zusätzlicher Seelsorgebezirk dem Pfarramt Korb II zugeschlagen. Es müsste also für diese neuen Gemeindemitglieder Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen und Geburtstagsbesuche übernehmen, ebenso erhielte es einen Predigtauftrag für Gottesdienste in Beinstein.

Für alle anderen pfarramtlichen Aufgaben in Beinstein müsste überprüft werden, welche im Rahmen einer 50-Prozent-Stelle bewältigt werden können, welche durch Ehrenamtliche oder Prädikanten übernommen werden können und welche wegfallen müssten. Für das Pfarramt Korb II würde dies zu einem deutlichen Mehraufwand führen, die Beinsteiner Kirchengemeinde würde auseinandergerissen.

Gottesdienste weiterhin vor Ort

Um dies zu vermeiden, haben beide Kirchengemeinden beschlossen, eine sogenannte Verbundkirchengemeinde zu gründen. Dies würde bedeuten, dass die Gottesdienste weiterhin in den jeweiligen Kirchen zu den gewohnten Zeiten gefeiert werden und das Gemeindeleben intakt bliebe.

Ein gemeinsamer Verbundkirchengemeinderat würde aus neun Mitgliedern aus Korb und vier aus Beinstein bestehen. Die Seelsorgebezirke würden nach den Gemeinden aufgeteilt erhalten bleiben, also Pfarramt Beinstein für Beinstein, Pfarramt Korb I für Steinreinach, Pfarramt Korb II für Schaltenberg und Kleinheppach.

Es würde ein gemeinsamer Haushaltsplan für eine gemeinsame Gebäude- und Finanzverwaltung geben, ebenso eine gemeinsame Kirchenpflege. Immobilien und zweckgebundene Rücklagen würden allerdings bei den jeweiligen Gemeinden bleiben. Hauptamtliches Personal wäre bei der Verbundkirchengemeinde angestellt.

Aufgaben müssen aufgeteilt werden

Darüber hinaus würde in einer Geschäftsordnung festgelegt, welche Aufgaben von welchem Pfarramt schwerpunktmäßig übernommen werden sollen. Die Pfarrstelle Korb I würde mit dem Vorsitz im Verbundkirchengemeinderat und mit der Geschäftsführung, den Bau- und Personalangelegenheiten sowie dem Gemeindebrief beauftragt, darüber hinaus mit der Erwachsenenbildung wie etwa Bibelabenden, der ökumenischen Bibelwoche und anderen Glaubensseminaren.

Im Konfirmandenunterricht würden sich die Pfarrer der Pfarrstellen Korb I und Korb II abwechseln, Korb II würde sich der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit widmen. Schwerpunkte für Beinstein wären die Seniorenarbeit, weiterhin der Konfirmandenunterricht in Beinstein und die pastorale Begleitung der Kindertagesstätten.

Start voraussichtlich 1. Januar 2023

Dieses Konzept wird in einer weiteren Gemeindeversammlung am 17. Februar im Gemeindehaus in Beinstein vorgestellt. Bis zum 30. Juni soll der Entwurf für eine Satzung dem Oberkirchenrat vorgelegt und bis Jahresende eine Geschäftsordnung für die drei Pfarrstellen erarbeitet werden, so dass die Verbundkirchengemeinde zum 1. Januar 2023 gegründet werden kann.

Das Zusammenwachsen Korbs und Kleinheppachs habe sich über die Jahre hinweg betrachtet als eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte erwiesen, als ein großartiger Schatz, aus der die Gemeinde und deren Bewohner ungeheuren Nutzen zögen, so Siegfried Beilharz, der stellvertretender Vorsitzender der Evangelischen Kirchengemeinde Korb ist. Und dabei sei es Kleinheppach sehr gut gelungen, seine ausgeprägte Identität und seinen eigenen Charakter zu bewahren. Wenn auch unter anderen Vorzeichen, so könnte sich ähnliches aus der Gründung einer Verbandskirchengemeinde zwischen Korb und Beinstein entwickeln. Notwendig seien dafür Takt- und Fingerspitzengefühl, Solidarität und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, betonte Siegfried Beilharz.

Die evangelischen Kirchengemeinden Korb mit Kleinheppach und Waiblingen-Beinstein sollen künftig gemeinsame Sache machen. Pfarrer Dr. Dieter Koch informierte am Dienstagabend im Gemeindehaus Schaltenberg in der Gutenbergstraße über das Vorgehen. Ungefähr zwei Dutzend Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Korb sowie mehrere Gäste aus Beinstein waren der Einladung zu einer Gemeindeversammlung gefolgt.

Mit einer Verbundkirchengemeinde bestehend aus den Gemeinden Korb, Kleinheppach

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