Korb

Falsche Fuffziger in Korb

Falscher Fünfziger
Verschwörerische Blütenübergabe – mit gefälschten 50-Euro-Scheinen wollte ein Korber zwei Imbiss-Besitzer betrügen. Symbolfoto: Büttner © Benjamin Büttner

Erfolg, Schönheit, Reichtum – das soziale Foto-Netzwerk Instagram eignet sich bestens zur Selbstdarstellung. Dass die Realität oft anders aussieht, als auf den Bildern vorgegaukelt, dürfte sich aber mittlerweile herumgesprochen haben. Bei einem damals 21-Jährigen aus Korb endete eine Geschichte, die mit einem neidvollen Blick aufs Smartphone begann, jetzt mit einer Bewährungsstrafe wegen Geldfälschung und Betrug.

Weil ein 17-jähriger Bekannter des jungen Mannes sich vor zwei Jahren auf Instagram als besonders wohlhabend präsentierte, habe er ihn angeschrieben, gibt der heute 23-jährige Angeklagte zu Beginn der Verhandlung am Amtsgericht Waiblingen zu. „Er hat oft Geld in seinem Instagram-Account gepostet. Es hat mich interessiert, wo das ganze Geld herkommt“, sagt Korber. Die Antwort: Es war Falschgeld, besorgt in Amsterdam.

Der junge Mann steht bereits mit 10 000 Euro in der Kreide

Der Angeklagte ist für einen Mann seines Alters unverhältnismäßig hoch verschuldet. Mit rund 10 000 Euro stehe er in der Kreide, sagt er vor Gericht. Das Geld sei für Klamotten und den Handy-Vertrag draufgegangen. Im vergangenen Jahr habe er den Offenbarungseid leisten müssen, sei nun dabei, das Geld nach und nach abzubezahlen. Einen Job hatte er vor zwei Jahren, als er mit dem Falschgeld seines Bekannten in Berührung kam, noch nicht. Heute ist der frühere Hauptschüler als Gehilfe Geringverdiener. Kurz: Geld, beziehungsweise der Mangel an Geld, ist ein großes Thema für den Mann. Die Blüten aus Amsterdam übten einen großen Reiz auf den Korber aus.

Anders ist auch nicht zu erklären, warum er sich vor zwei Jahren auf den folgenden Deal einließ: Mit zwei falschen 50-Euro-Scheinen seines Bekannten kaufte er nacheinander in einem Dönerladen und bei einem Pizza-Service Softdrinks für ein paar Euro. Das (echte) Rückgeld durfte er nicht behalten, noch nicht einmal geteilt wurde es laut den beiden jungen Männern. Nein, der Angeklagte sollte es an seinen Bekannten weitergeben. Er trug also, das wird vor Gericht mehrfach ungläubig erwähnt, das ganze Risiko, ohne am Ende etwas davon zu haben, außer „vielleicht eine Dose Cola“, wie der Staatsanwalt lakonisch bemerkte.

Dass es zwischen den beiden Männern weitere Abmachungen gab, ist freilich sehr gut möglich, ist aber vor Gericht kein Thema. Doch wie kam es überhaupt zur Verhandlung?

Besonders hochwertig waren die falschen Fuffziger offenbar nicht. Kurz nach den Einkäufen bemerkten die Betrogenen den Schwindel. Ein Gast in der Pizza-Bude, der dem jungen Mann den Schein gewechselt hatte, weil der Verkäufer kein Wechselgeld parat hatte, verfolgte den Korber sogar noch ein Stück weit, ehe er ihn aus den Augen verlor. Da sich der damals 21-Jährige aber ausgerechnet seine Stamm-Dönerbude für den zweiten Betrug ausgesucht hatte, war er bald identifiziert.

Wenige Tage später standen Polizisten mit einem Durchsuchungsbefehl vor seiner Haustür. Die Beamten fanden weiteres Falschgeld. Der junge Mann bekam kalte Füße, beichtete der Polizei alles und führte sie gar in den Hinterhof, in dem sich er und sein Bekannter nach dem Betrug versteckt hatten. Auch den Namen des 17-jährigen Komplizen, der bereits rechtskräftig verurteilt ist, verriet er und sagte in der Verhandlung gegen ihn aus.

Der 59-jährige Kriminalhauptkommissar betont vor Gericht, dass der Angeklagte sich sehr kooperativ verhalten hat. Dessen Verteidiger erinnert daran, dass die Taten bereits zwei Jahre zurückliegen und der junge Mann sich seither nichts habe zuschulden kommen lassen, im Gegenteil sozial äußerst engagiert sei und eine Arbeitsstelle gefunden habe. Und selbst der Staatsanwalt sieht einen minderschweren Fall.

Das alles fließt ins Urteil des Schöffengerichts um Richter Steffen Kärcher ein. Um eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, ausgesetzt zu zwei Jahren auf Bewährung, kommt der 23 Jahre alte Korber allerdings nicht herum. Außerdem trägt er die Verfahrenskosten und wird einem Bewährungshelfer unterstellt.

Dieser könne ihn, sagt der Richter zum Angeklagten, auch bei der Schuldenregulierung unterstützen – ganz ohne falsche Fuffziger.

Erfolg, Schönheit, Reichtum – das soziale Foto-Netzwerk Instagram eignet sich bestens zur Selbstdarstellung. Dass die Realität oft anders aussieht, als auf den Bildern vorgegaukelt, dürfte sich aber mittlerweile herumgesprochen haben. Bei einem damals 21-Jährigen aus Korb endete eine Geschichte, die mit einem neidvollen Blick aufs Smartphone begann, jetzt mit einer Bewährungsstrafe wegen Geldfälschung und Betrug.

Weil ein 17-jähriger Bekannter des jungen Mannes sich vor zwei Jahren auf

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