Korb

Geburt während der Pandemie: Hebamme Manuela Hellerich spricht über ihren Alltag

Hebamme Hellerich
Manuela Hellerich aus Korb ist Hebamme. © Gabriel Habermann

Seit 25 Jahren arbeitet Manuela Hellerich als Hebamme. In ihrer Praxis in Korb erzählt sie, wie Corona ihren Alltag verändert hat und wie sie einst zu dem Beruf kam. Verhältnismäßig spät startete sie in dem Bereich.

"Es fehlt an Zwischenmenschlichem"

Es ist angenehm warm in der Praxis von Manuela Hellerich. Die Jalousien sind zu, für Helligkeit sorgen viele kleine Lichter. Hier drinnen ist Manuela Hellerich am liebsten barfuß unterwegs. Die Frauen und auch sie selbst sollen sich hier wohlfühlen, auch wenn sie wegen der Pandemie große Abstände zueinander lassen müssen. Eigentlich lernen sich hier auch die werdenden Mütter gegenseitig kennen, manche freunden sich sogar an. Das ist derzeit allerdings schwierig. „Es fehlt an Zwischenmenschlichem“, findet Hellerich. Auch weil die Maske für eine zusätzliche Distanz sorgt.

Bei den schwangeren Frauen zu Hause werden viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen, wenn Hellerich kommt. Sie lässt sich Türen öffnen, um keine Griffe anzufassen, bekommt ein eigenes Handtuch und lehnt Getränke strikt ab.

Mehr Frauen entscheiden sich für eine ambulante Entbindung

Sie erzählt, dass sich derzeit besonders viele Frauen für eine ambulante Entbindung entscheiden. Das heißt, sie bekommen ihr Baby zwar im Krankenhaus, dürfen es aber bereits nach sechs Stunden mit nach Hause nehmen. Normalerweise bleiben Frauen, die entbunden haben, drei Tage lang im Krankenhaus, etwa um die Blutung zu kontrollieren. In Zeiten von Corona scheinen aber wohl viele möglichst schnell wieder aus dem Krankenhaus zu wollen. Dort gelten strenge Besucherregeln.

Wenn die Geburt tatsächlich losgeht, nur dann dürfen die werdenden Väter mit in den Kreißsaal

Die werdenden Väter dürfen zwar mit in den Kreißsaal, aber erst wenn die Geburt tatsächlich losgeht und wenn ein negativer Schnelltest vorliegt.

Bei einer ambulanten Entbindung sind allerdings auch die Kinderärzte stärker gefragt, denn die zweite U-Untersuchung müssen dann sie vornehmen. Wichtig ist aus Hellerichs Sicht außerdem, dass die Frauen sehr viel Vertrauen in die Zeit nach der Geburt haben, sie müssen im Wochenbett bleiben. Die Geburstverletzungen müssten heilen. Da sei im Haushalt dann wirklich die Unterstützung der Familie gefragt.

Die heute 57-Jährige hat ihre Ausbildung zur Hebamme erst spät begonnen. In jungen Jahren hat sie eine Ausbildung zur Arzthelferin gemacht, später drei Kinder bekommen und sich auch in der Auseinandersetzung mit ihren eigenen Geburten mehr für die Thematik interessiert. Als ihr jüngster Sohn in die Schule kam, hat sie die zusätzliche Ausbildung zur Hebamme begonnen. „Das war eine harte Zeit“, erzählt sie. Die doppelte Belastung sei enorm gewesen.

Ihre Aufgabe im Kreißsaal sehe sie vor allem darin, die Frauen darin zu bestärken, dass sie es schon schaffen werden. Dabei sei für sie als Hebamme wichtig, gleichzeitig die professionelle Distanz zu wahren und bei den Frauen Vertrauen zu schaffen.

Coronakrise: Es gibt auch Vorteile

Bei allen Schwierigkeiten, die sich für schwangere Frauen mit dem Coronavirus ergeben, gebe es auch Vorteile. „Es gibt mehr Ruhe“, sagt Manuela Hellerich. Vor der Pandemie seien ab und zu ganze Besucherströme ins Krankenhaus gekommen, um das Neugeborene zu sehen. „Das bringt Unruhe rein“, sagt die 57-Jährige. Dass Mutter und Kind nun in den ersten Stunden nach der Geburt ihre Ruhe haben, das sei gut.

Als Hebamme hat Manuela Hellerich schöne, rührende, aber auch traurige Geschichten zu erzählen. Viele Geburten sind ihr in Erinnerung geblieben. An Weihnachten war sie beispielsweise einmal bei der Geburt von Zwillingen mit dabei. Das erste Kind kam in der Nacht des 24. Dezember zur Welt, das zweite schließlich kurz danach am 25. Dezember. Solche Geschichten sind es, die ihre Arbeit besonders machten.

Hellerich arbeitet auch in einer Frauenklinik in Stuttgart

Geburtsvorbereitungskurse, die Begleitung der Schwangeren und die Rückbildungsgymnastik bietet Hellerich als Freiberuflerin an. Nebenher arbeitet sie aber auch als angestellte Hebamme in der Frauenklinik in Stuttgart. Letzteres sei ihr sehr wichtig, weil sie nach wie vor den Alltag in der Klinik erleben will, um die Frauen darauf vorbereiten zu können.

"Bei einer Geburt gibt man viel von der eigenen Kraft"

Die Standards und Abläufe veränderten sich schnell. Die Arbeit in der Klinik sei enorm anstrengend, es werde viel gefordert. „Bei einer Geburt gibt man viel von der eigenen Kraft“, sagt sie. Viele Hebammen gingen deshalb schnell wieder aus dem Beruf raus. Das habe auch mit den Schichten zu tun, Freundschaften zu halten, oder beispielsweise regelmäßig einen Sportkurs zu besuchen, sei schwierig. In den Schichten im Krankenhaus sei man normalerweise für fünf Frauen gleichzeitig zuständig. Früher sei das noch anders gewesen. Es sei keine Seltenheit, dass sie in einer Zehn-Stunden-Schicht überhaupt keine Pause mache. Außerdem sei die Arbeit zu schlecht bezahlt, auch wenn es zuletzt eine kleine Erhöhung der Tarife gab, meint Hellerich. Doch der Lohn für die Arbeit sei neben dem Gehalt eben auch der „Zauber einer Niederkunft“, wie Hellerich sagt.

Seit 25 Jahren arbeitet Manuela Hellerich als Hebamme. In ihrer Praxis in Korb erzählt sie, wie Corona ihren Alltag verändert hat und wie sie einst zu dem Beruf kam. Verhältnismäßig spät startete sie in dem Bereich.

"Es fehlt an Zwischenmenschlichem"

Es ist angenehm warm in der Praxis von Manuela Hellerich. Die Jalousien sind zu, für Helligkeit sorgen viele kleine Lichter. Hier drinnen ist Manuela Hellerich am liebsten barfuß unterwegs. Die Frauen und auch sie selbst sollen

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