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Goldene Hochzeit: Ingrid und Josef Wittmann fuhren vor 50 Jahren nach England, um heiraten zu können

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Seit 50 Jahren verheiratet: Ingrid und Josef Wittmann feiern Goldene Hochzeit. © Gaby Schneider

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Heute feiern Ingrid und Josef Wittmann Goldene Hochzeit. Doch um heiraten zu können, mussten sie vor 50 Jahren erst mal nach England fahren. Das Problem: Sie galten im Alter von 19 Jahren damals in Deutschland nicht als volljährig und hätten deshalb das Einverständnis ihrer Eltern für die Ehe vorlegen müssen. Doch das bekamen sie nicht. „Mein Vater war dagegen, dass wir heiraten“, sagt Josef Wittmann. „Er war der Meinung, dass wir noch zu jung waren.“ Doch das junge Paar sah das anders. Schließlich kannten sich die beiden seit ihrem 15. Lebensjahr, waren seit zwei Jahren verlobt – und erwarteten ein Kind.

Sie haben sich auf einer Hochzeit in Korb kennengelernt

Kennengelernt haben sich die beiden auf der Hochzeit von Josef Wittmanns Onkel in Korb. Ursprünglich stammt Wittmann aus Hallbergmoos, eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Freising. Seine Frau ist in Stuttgart geboren und in Fellbach aufgewachsen. „Mein ältester Onkel kam wegen der Bundeswehr nach Ellwangen und lernte seine Frau kennen“, erzählt der heute 69-Jährige. Auf dessen Hochzeit lernte sein jüngerer Onkel seine Zukünftige kennen und heiratete sie in Korb, wo Josef und Ingrid Wittmann sich kennenlernten. Ingrid Wittmann sagt: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“

Während der Fernbeziehung schrieben sie sich Briefe, telefonierten miteinander und besuchten sich. Später lebte Ingrid Wittmann etwa ein Jahr bei ihrem Verlobten. Im Anschluss zog er zu seiner Zukünftigen nach Fellbach. Nach der Lehre als Technischer Zeichner in seiner Heimat fand er Arbeit in Stuttgart – zunächst bei der Straßenbahn und im Anschluss bei Daimler. Dort blieb er bis zu seiner Rente.

In der Zeitung gelesen, dass Heiraten mit 19 Jahren möglich ist

Als klar wurde, dass die Familie eine Hochzeit für zu früh hielt, suchte Josef Wittmann nach einer Lösung. „Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass man in Dover heiraten kann.“ So habe er das Konsulat in Köln angeschrieben und sich nach den Formalien erkundigt. Mit den erforderlichen Dokumenten in der Tasche machten sich die beiden auf den Weg. „Ihre Eltern wussten Bescheid, und meinen Eltern habe ich das einen Tag vor der Abreise gesagt“, erzählt Josef Wittmann. Zwar habe sein Vater dann doch noch seine Meinung geändert, aber das junge Paar wollte keinen Rückzieher machen.

Zuerst mit dem Zug, dann mit der Fähre

So fuhren die beiden mit dem Zug in die belgische Hafenstadt Ostende und im Anschluss mit der Fähre in die englische Küstenstadt Dover. Josef Wittmann kann sich noch genau an den Tag erinnern: „Am 11. Dezember 1970 haben wir mittags nach einer Unterkunft gesucht.“ Fündig wurden sie in einem Lokal mit Zimmern, ein typisches Bed and Breakfast, das hauptsächlich von Seeleuten in Anspruch genommen wurde.

Trauzeugen: Ein Holländer und eine Engländerin

Weil es dort auf die Dauer nicht günstig gewesen wäre, haben sie nach einer anderen Bleibe geschaut und kamen bei Privatleuten unter. „Er war Holländer und konnte Deutsch sprechen, und sie war Engländerin“, sagt Josef Wittmann. Seine Frau fügt hinzu: „Das waren später unsere Trauzeugen.“

Dokumente in Fellbach vergessen

Doch heiraten konnte das Paar aus Deutschland nicht sofort. Zum einen musste es 17 Tage nach seinem gestellten Antrag, heiraten zu wollen, vorstellig werden und versichern, dass sich nichts daran geändert hat. Zum anderen: „Damals musste man 19 Tage in England gemeldet sein, damit man dort heiraten kann“, fügt Ingrid Wittmann hinzu. In Dover stellte Josef Wittmann fest, dass er seine Dokumente bei den Schwiegereltern in Fellbach vergessen hatte. Das englische Standesamt forderte die Unterlagen in Deutschland an und erhielt sie glücklicherweise innerhalb kürzester Zeit. „Am 28. Dezember wurden wir im Rathaus vorstellig und haben einen Termin bekommen“, sagt der gelernte Technische Zeichner.

Die Trauung in England

Dann kam der große Tag: Mittwoch 30. Dezember 1970. Sie in einem blauen Umstandskleid und er in einem dunklen Anzug, gaben sie sich in der englischen Stadt das Jawort.

Nach einem Umtrunk mit den Trauzeugen ging es wieder nach Hause. Verspätet durch einen starken Sturm legte das Schiff ab. „Bei der Fahrt wurde ich seekrank“, sagt der 69-Jährige. Im Lazarettbett liegend verbrachte er die Fahrt. „Mich haben sie in einem Rollstuhl zum Zug gefahren.“ Angekommen in Fellbach, erwartete sie eine andere Überraschung: „Mein Schwiegervater hat nicht geglaubt, dass wir geheiratet haben“, sagt Josef Wittmann. Als Grund nannte dieser die für die Eheschließung erforderlichen Dokumente, die in Fellbach vergessen wurden. Als Beweisstück präsentierte das Brautpaar aber seine englische Heiratsurkunde.

Kirchliche Trauung in Fellbach

Auch in Deutschland wurde gefeiert. „Die kirchliche Trauung fand am 6. Februar 1971 in Fellbach in der Pauluskirche statt“, sagt Ingrid Wittmann. „Mein Vater war auch da“, ergänzt ihr Ehemann.

"Es gibt Höhen und Tiefen im Leben"

Auf das große Glück folgte aber schnell ein tiefer Schlag, das Kind kam nicht lebend zur Welt. „Es war eine Totgeburt“, erzählt Ingrid Wittmann. „Es gibt Höhen und Tiefen im Leben – man muss immer zusammenhalten.“ Zwei Jahre später kam der Sohn und im März 1977 die Tochter auf die Welt.

Seit Februar 1971 wohnen die Wittmanns in Kleinheppach und fühlen sich dort sehr wohl. Wenn ihre beiden Enkelkinder Lukas (12) und Mia (8) zu Besuch kommen, freuen sie sich sehr.

Coronabedingt keine große Feier

Im Gegensatz zu ihrer Silbernen Hochzeit, die sie mit 100 Leuten gefeiert haben, gibt es bei der Goldenen Hochzeit coronabedingt keine große Feier. Ingrid Wittmann sagt: „Wir hoffen, dass es nächstes Jahr besser wird, dass man wieder Bekannte in den Arm nehmen kann.“

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Heute feiern Ingrid und Josef Wittmann Goldene Hochzeit. Doch um heiraten zu können, mussten sie vor 50 Jahren erst mal nach England fahren. Das Problem: Sie galten im Alter von 19 Jahren damals in Deutschland nicht als volljährig und hätten deshalb das Einverständnis ihrer Eltern für die Ehe vorlegen müssen. Doch das bekamen sie nicht. „Mein Vater war dagegen, dass wir heiraten“, sagt Josef Wittmann. „Er war der Meinung, dass wir noch zu jung waren.“ Doch

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