Korb

Hallenbad in Korb wird vorerst nicht saniert

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Das Korber Hallenbad wird vom SC Korb vielfältig genutzt – wie hier beim Babyschwimmen. © ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Korb. Das Korber Hallenbad wird vorerst nicht saniert. Der entsprechende Sperrvermerk für die sechs Millionen Euro im Haushalt bleibt bestehen. Die Freien Bürger im Gemeinderat hatten beantragt, das Geld freizugeben und schnellstmöglich mit der Sanierung zu beginnen. Dafür fand sich keine Mehrheit – auch, weil die Sanierung der Urbanschule noch finanzielle Risiken birgt. Bei den Schwimmern des SC Korb macht sich Verzweiflung breit.

„Für uns stellt sich die Frage: Wie geht es weiter?“, sagte Antje von Kietzell, die neue Vorsitzende der Korber Schwimmer im SC, in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats am Dienstagabend. Der Zustand des Hallenbads sei schlimm: Schimmel in den Fugen, technische Probleme, fehlende Türen an Duschräumen. Der Sportclub tue sich schwer, Trainer zu gewinnen, die Mitgliederzahl habe stark abgenommen. Die Verantwortlichen zweifeln unter diesen Umständen an der Sinnhaftigkeit ihres ehrenamtlichen Einsatzes. „Sollte es keine Sanierung geben, befürchten wir, dass das Hallenbad geschlossen wird“, so Kitzel. Ihr dringlicher Appell: Sperrvermerk aufheben, Sanierung beginnen.

Der dringende Sanierungsbedarf besteht bereits seit vielen Jahren

Genau das hatte die Fraktion der Freien Bürger beantragt. Ihr Standpunkt: Je länger die Gemeinde die Sanierung vor sich herschiebt – als dringend notwendig erachtet wurden die Baumaßnahmen bereits im 2012 –, desto teurer wird sie. Trotz hoher Verschuldung in den kommenden Jahren verfüge die Gemeinde noch über ausreichend liquide Mittel, die Zinslage sei günstig, erklärte Fraktionssprecher Albrecht Ulrich. Auch verschlechtere sich der Zustand des Bades Monat für Monat: „Es ist höchste Zeit.“

Am Ende musste sich seine sechsköpfige Fraktion mit 6:8 Stimmen knapp geschlagen geben (vier Gemeinderäte anderer Fraktionen fehlten am Dienstagabend). Der Sperrvermerk bleibt also bestehen. Er verhindert den Zugriff auf die sechs Millionen Euro fürs Hallenbad. Der Gemeinderat hatte die Sperre bei der Haushaltsberatung im Herbst beschlossen. Das Gremium will nun abwarten, bis klar ist, wie viel die Sanierung der Urbanschule kosten wird. Hier sind 70 bis 80 Prozent der Gewerke vergeben. Was die restlichen 20 bis 30 Prozent kosten sollen, wird sich vermutlich im Juli herausstellen. Wenn die Preise nicht deutlich steigen und der neue Kämmerer Grünes Licht gibt, sollen die Arbeiten im Hallenbad ausgeschrieben werden. Die Vergabe würde im Herbst erfolgen, Baubeginn könnte im Frühjahr oder Sommer 2020 sein. Wäre der Sperrvermerk aufgehoben worden, hätte wahrscheinlich im Herbst dieses Jahres mit den Arbeiten begonnen werden können.

Emotionale Diskussion in der Alten Kelter

Das Thema wühlt auf, wie die emotionale Diskussion in der Alten Kelter zeigte. Vielfach betonten Mitglieder aller Fraktionen, wie sehr ihnen das Hallenbad am Herzen liege. Die Befürworter des Sperrvermerks argumentierten allerdings mit dem frisch eingetroffenen Haushaltserlass aus dem Landratsamt. Darin wird aufgezeigt, dass die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde bis Ende 2022 auf rund 2600 Euro pro Einwohner steigen wird. Das sei doppelt so hoch wie der aktuelle Landesdurchschnitt. Der Kreis genehmigt den Haushaltsplan, rät den Korbern aber, „die geplante Schuldenerhöhung zu hinterfragen und die verschiedenen anstehenden Projekte zu priorisieren bzw. die Umsetzung zu strecken“.

Unter Priorisierung verstehen die CDU/FW-Fraktion, aber auch Grüne und SPD: Zuerst die Schule. Bei der Erweiterung der Gemeinschaftsschule am Standort Urbanstraße handle es sich schließlich um eine Pflichtaufgabe der Kommune. Bevor sie nicht alle Zahlen des schätzungsweise 13 Millionen teuren Um- und Neubaus kennen, wollen die Räte nicht ins Risiko gehen: „Die Kosten für den Umbau sind absolut nicht kalkulierbar“, sagte Friedrich Zimmerle (CDU/FW). Korb sei kurz davor, vom Kreis zwangsverwaltet zu werden – „Man darf die Gemeinde nicht wissentlich ins Chaos führen!“ Regina Hauser (SPD) sprach von einem „untragbaren Zustand“ im Hallenbad. Allerdings habe sich die finanzielle Situation seit Beschluss des Sperrvermerks nicht durchschlagend verbessert. „Ich glaube, dass wir Sicherheit brauchen, wie die restlichen 30 Prozent (Vergaben für die Urbanschule, Anm. d. Red.) aussehen.“ Auf „drei Monate hin oder her“ komme es nicht mehr an.

„Wenn wir das Hallenbad gar nicht wollen, müssen wir es jetzt sagen“

Die Freien Bürger sehen das völlig anders. „Wir haben Millionen kaputtgemacht mit unserer Schieberei“, schimpfte Siegfried Äckerle. Der Sperrvermerk sei ursprünglich gesetzt worden für die Zeit, bis Gewissheit über den größten Teil der Arbeiten an der Urbanschule herrsche. Dieser sei sogar günstiger vergeben worden als gedacht. „Wir müssen zu dem stehen, was wir gesagt haben. Wenn wir das Hallenbad gar nicht wollen, müssen wir es jetzt ehrlich sagen!“, so Äckerle. Albrecht Ulrich schlug in dieselbe Kerbe: „Jedes halbe Jahr wird’s immer teurer. Ganz am Schluss steht dann, dass man’s gar nicht macht.“

Das wiederum stieß den Befürwortern des Sperrvermerks sauer auf: „Niemand will, dass das Bad geschlossen wird“, sagte Jürgen Klotz (SPD). Derlei Ängste zu schüren sei Populismus.

Bei den Schwimmern vom SC Korb jedenfalls ist die Angst ums Hallenbad längst tief verankert.