Korb

Hausärztliches Corona-Impfzentrum in Korb: Termine nur für Patienten der Praxis Herbstreit

Korb: Korb bekommt Hausärztliches Impfzentrum (!) im evangelischen Gemeindehaus am Schaltenberg. Hausarzt Hans Herbstreit und sein Praxis-Team impfen dort seit dieser Woche zweimal wöchentlich. Reportage vor Ort am Donnerstagmorgen.
Dr. Hans Herbstreit (65) impft im Gemeindehaus Schaltenberg seine Patientin Ursula Focke (70). © Benjamin Büttner

Im evangelischen Kirchengemeindehaus Schaltenberg in Korb gibt es seit etwa zwei Wochen ein kleines „Hausärztliches Impfzentrum“. Initiiert haben es der Allgemeinmediziner Dr. Hans Bernd Herbstreit und Assistenzärztin Dr. Nadine Richter.

Ziel sei gewesen, einen Impfort zu finden, „an dem die Kriterien viel Platz, weite Abstände, Luftigkeit und viel Licht“ gegeben sind, sagt Herbstreit. Die Hausarztpraxis in der Lindenstraße, die er vor 30 Jahren von seinem Schwiegervater Dr. Wandersleb übernommen hat, wurde aus Platzgründen für die Corona-Impfungen in das Gemeindehaus in der Gutenbergstraße ausgelagert.

Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde

Die Ärzte seien mit ihrer Idee auf die Kirchengemeinde zugegangen, berichtet Herbstreit. „Dankenswerterweise wurde uns das durch die Fürsprache von Pfarrer Dieter Koch durch den Kirchengemeinderat genehmigt.“ Über die Zusammenarbeit ist er äußerst zufrieden.

Bürgermeister Jochen Müller begrüßt die Entscheidung der Ärzte und der Kirche. Die Entwicklung, dass auch Hausärzte gegen das Coronavirus impfen können, findet er „äußerst positiv und notwendig“. Er plädiert dafür, dass die Praxen mit ausreichend Impfstoff versorgt werden.

Geimpft werden allerdings derzeit nur die eigenen Patienten. Wenn die beiden Ärzte in den kommenden Wochen mehr Impfstoff geliefert bekommen, möchten sie das Angebot am Schaltenberg weiter ausbauen. Das System hat sich der Allgemeinmediziner im Kreisimpfzentrum abgeschaut, wie er selber erzählt. Patienten, die einen Termin haben, werden am Eingang des Kirchengemeindehauses empfangen, nehmen im Wartebereich Platz, werden vom Arzt aufgerufen, aufgeklärt und schließlich geimpft. Nach der Impfung geht es für eine Viertelstunde in einen Aufenthaltsraum.

Dr. Nadine Richter: „Wir könnten viel mehr impfen“

Zum Einsatz kam bislang der Impfstoff Biontech. „Letzte Woche haben wir 48 Leute geimpft“, sagt der 65-Jährige. In dieser Woche hingegen waren es 28 Impfungen, die im Fünf-Minuten-Takt durchgeführt wurden. „Wir kriegen zu wenig Dosen“, sagt der Mediziner. Auch Assistenzärztin Dr. Nadine Richter, die im Juli ihre Ausbildung abschließen und zum Jahresende die Praxis von Dr. Herbstreit übernehmen wird, findet das ärgerlich. „Wir könnten viel mehr impfen“, sagt die 35-Jährige. Der Auf- und Abbau im Kirchengemeindehaus sei mit Aufwand verbunden. Die Sprechstunden, die die Ärzte während des Impfangebots nicht anbieten können, müssen sie ohnehin nachholen.

Als bekannt wurde, dass auch Hausärzte ihre Patienten gegen Corona impfen dürfen, hat Richter Hausbesuche abgestattet und Menschen geimpft, die nicht mobil sind. In der Anfangsphase wurden Impfungen auch in der Praxis durchgeführt.

„Es geht erst jetzt vorwärts, seitdem die Hausärzte impfen dürfen“, sagt Hans Herbstreit. Für den 65-Jährigen, der sich vergangenes Jahr im April mit dem Coronavirus angesteckt hat, spielt die Impfung eine große Rolle. Zwar hatte er selbst einen leichten Krankheitsverlauf, doch ihm ist bewusst, dass es ihn härter hätte treffen können. „Ich habe keine Antikörper entwickelt“, sagt der Mediziner, der inzwischen gegen das Virus geimpft ist. Die Impfung durch die Ärzteschaft sieht er als Erfolg an. „Wir haben lange dafür gekämpft“, sagt er.

"Wir haben Schwierigkeiten, Astrazeneca zu verimpfen"

Wie viele Dosen und welchen Impfstoff die Ärzte schlussendlich geliefert bekommen, das wissen sie nicht. Bislang gab’s immer das Vakzin Biontech, nächstes Mal werde auch Astrazeneca dabei sein. Die Ärzte sehen das Problem schon kommen: „Wir haben Schwierigkeiten, Astrazeneca zu verimpfen“, sagt Herbstreit. „Die Leute sagen von vornherein: 'Ich lasse mich impfen – aber nicht mit Astrazeneca.'“ Ihm zufolge könne der Impfstoff von Biontech die gleichen Nebenwirkungen wie Astrazeneca hervorrufen, aber der Letztere genieße in der Öffentlichkeit einen schlechteren Ruf. Und wenn der Impfstoff von Johnson & Johnson in Deutschland eingesetzt wird, geht er davon aus, dass die Menschen auch diesem gegenüber Vorbehalte haben werden. „Es wird kein bisschen besser werden als mit Astrazeneca.“

Jüngere sind flexibler

Doch grundsätzlich sei die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, groß. Insbesondere bei jüngeren Patienten spiele es in der Regel keine wichtige Rolle, welcher Impfstoff eingesetzt wird. Diese Zielgruppe sei mit allen Vakzinen zufrieden. Auch wenn Dr. Hans Herbstreit froh darüber ist, dass es eine Impfpriorisierung gibt, sagt er: „Ich impfe nicht nur priorisierte Leute.“

Er betrachte die Lebensumstände und Gründe für eine Impfung seiner Patienten und entscheide selber, wer es aus seiner Sicht nötig hat. Als Beispiel nennt er einen jungen Studenten, der für ein Auslandssemester in die USA muss, allerdings ohne Impfung nicht in das Land hineindarf. „Der bekommt anderswo keine Impfchance“, sagt der Allgemeinmediziner. „Das sind so Feinheiten, da haben wir ein bisschen Luft.“

Ganz auf die Priorisierung verzichten würde er aber nicht: „Wenn wir kein Schema haben, dann wird’s schwierig.“

Im evangelischen Kirchengemeindehaus Schaltenberg in Korb gibt es seit etwa zwei Wochen ein kleines „Hausärztliches Impfzentrum“. Initiiert haben es der Allgemeinmediziner Dr. Hans Bernd Herbstreit und Assistenzärztin Dr. Nadine Richter.

Ziel sei gewesen, einen Impfort zu finden, „an dem die Kriterien viel Platz, weite Abstände, Luftigkeit und viel Licht“ gegeben sind, sagt Herbstreit. Die Hausarztpraxis in der Lindenstraße, die er vor 30 Jahren von seinem Schwiegervater Dr.

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper