Korb

Hochzeiten statt Saufgelagen im Holzturm von Korb?

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Aktuell ist der Turm „Fernsehen in Korb“ noch abgesperrt. Wenn er wieder betreten werden darf, gilt eine neue Benutzerordnung. Diese untersagt unter anderem den Alkoholgenuss im Turm. © Sebastian Striebich

Der Aussichtsturm in den Weinbergen zwischen Korb und Kleinheppach ist zuletzt wegen Saufgelagen in die Diskussion geraten. Jetzt haben die Korber eine Benutzerordnung beschlossen. Hinweisschilder wie „Rauchen verboten“ und „Nicht die Füße baumeln lassen“ sollen aufgehängt werden. Doch es wird nicht nur über Verbote nachgedacht – sondern auch darüber, was in dem Holzturm künftig erlaubt sein soll. Heiraten zum Beispiel.

Für eine Hochzeit im Turm könnte die Gemeinde mehr Geld verlangen

Noch ist das nicht möglich. Bürgermeister Jochen Müller gefällt die Vorstellung von Hochzeiten im Holzturm jedoch richtig gut. Das Angebot für Brautpaare, denen das Rathaus zu langweilig ist und die beim Ja-Wort lieber den Blick über das Remstal schweifen lassen, könnte der Gemeinde ein paar Euro extra einbringen. Den Holzturm, den ein Münchner Architekt entworfen und ein Weinstädter Zimmermann zur Remstal-Gartenschau in Rekordzeit aufgestellt hat, gab es schließlich auch nicht umsonst – er kostete satte 170 000 Euro.

Zwar werden wegen des Coronavirus derzeit viele Hochzeiten abgesagt – der generelle Trend, im Freien oder an besonderen Orten zu heiraten, hat in den letzten Jahren aber Fahrt aufgenommen. Die Korber sind auch nicht die Ersten, die auf die Idee kommen, ihre Gartenschau-Station für Hochzeiten freizugeben. Der Plüderhäuser „Hochzeitsturm“ trägt seine Bestimmung sogar im Namen und diente bereits im vergangenen Sommer vielen Brautpaaren als Kulisse. Diese zahlten dafür 150 Euro zusätzlich. Bevor eine Turmhochzeit auch in Korb möglich ist, muss allerdings erst der Gemeinderat einen entsprechenden Beschluss fassen.

Ist das einmal geschehen, muss auch geklärt werden, wie viel Verkehr die Gemeinde in den Weinbergen zu diesen Anlässen erlaubt. Eigentlich ist die Fahrt zum Turm verboten und wird von Feldschütz und Ortsvorsteher Gerhard Liebhard streng kontrolliert. Als im vergangenen Sommer ein Brautpaar mit Entourage für Hochzeitsfotos zum Holzturm fuhr, wurden die frisch Vermählten prompt zur Kasse gebeten. Die insgesamt 90 Euro Bußgeld für drei Autos lösten beim Brautvater großen Ärger aus. Wie sich herausstellte, hätte sich das Brautpaar allerdings einfach eine Sondergenehmigung ausstellen lassen können.

Zu viel Trubel um den Turm herum ist nicht erwünscht

Diese pragmatische Handhabe schwebt Bürgermeister Jochen Müller auch in Zukunft vor, wenn es darum geht, die Logistik für Veranstaltungen beim Turm zu ermöglichen. Die Premiere für eine solche Feier hatte im vergangenen Spätherbst die Korber Skizunft gefeiert. Was die Gemeinde in Zukunft genehmigen will – neben Hochzeiten kommen zum Beispiel Weinproben infrage – darüber ist noch nicht entschieden. Bürgermeister Müller trat in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend allerdings sachte auf die Bremse. Hin und wieder ein Fest, gerne, aber „es soll dort jetzt nicht zweimal die Woche einen Sundowner geben“, so der Rathauschef.

Müllers Vorsicht überrascht nicht: Der Turm ist schon jetzt ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Radfahrer – zum Leidwesen mancher Wengerter. Und zu viel Betrieb um das Bauwerk herum würde die Gemeinde erneut der Kritik von Naturschützern aussetzen, die das Projekt im Vogelschutzgebiet von Anfang an völlig daneben fanden.

Außerdem würde der Turm als Veranstaltungsstätte, in der regelmäßig Sekt und Wein ausgeschenkt würden, der jetzt beschlossenen Benutzerordnung und den Hinweisschildern entgegenstehen. Anlass für das neue Regelwerk ist, dass sich schon im vergangenen Sommer immer wieder Gruppen junger Menschen im Turm getroffen, reichlich Alkohol getrunken, die Nachtruhe im Tal gestört und Müll und Scherben hinterlassen hatten. Einmal hatte die Gemeinde sogar Anzeige erstattet. Die Benutzerordnung, die jetzt im Turm ausgehängt wird, sowie Hinweisschilder mit Piktogrammen, die auf Rauch- und Alkoholverbot sowie Sicherheitsregeln hinweisen, sollen dem Feldschütz künftig als Argumentationshilfe dienen. Das hat der Gemeinderat jetzt einstimmig beschlossen. Die Entscheidung war zuletzt vertagt worden.

Der Aussichtsturm in den Weinbergen zwischen Korb und Kleinheppach ist zuletzt wegen Saufgelagen in die Diskussion geraten. Jetzt haben die Korber eine Benutzerordnung beschlossen. Hinweisschilder wie „Rauchen verboten“ und „Nicht die Füße baumeln lassen“ sollen aufgehängt werden. Doch es wird nicht nur über Verbote nachgedacht – sondern auch darüber, was in dem Holzturm künftig erlaubt sein soll. Heiraten zum Beispiel.

Für eine Hochzeit im Turm könnte die Gemeinde mehr Geld

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