Korb

Imker Berlin und sein preisgekrönter Honig

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Hier ist Imkern Familiensache: Eckard (links) und Moritz Berlin (rechts) begutachten ihre Bienenvölker. © Büttner / ZVW
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Die Wachswaben für die Wabenbretter stellen die Berlins selbst her. © Büttner / ZVW
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Angst vor Stichen darf man als Imker nicht haben. Die Spezialkleidung hält zwar einiges ab, aber eben auch nicht alles. © Büttner / ZVW
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Ein Befall mit der Varroa-Milbe (linkes Bild) gefährdet ganze Bienenvölker. © Büttner / ZVW
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Ein Befall mit der Varroa-Milbe (linkes Bild) gefährdet ganze Bienenvölker. © Büttner / ZVW
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Der preisgekrönte Honig der Berlins. © Büttner / ZVW
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Symbolfoto. © ZVW/Büttner

Korb. Jedes Frühjahr aufs Neue ist der Imker Eckard Berlin gespannt, wenn er nach dem Winter seine Bienenvölker kontrolliert: Wie haben sich die Jungvölker entwickelt? Sind alle Bienen gesund? Gibt es einen Befall mit der bei Imkern gefürchteten Varroa-Milbe?

Vorsichtig hebt Eckard Berlin den Deckel eines Bienenstocks an – er will nachsehen, wie es seinen kleinen, schwarz-gelb gestreiften Kumpanen geht. Der Imker hat eine ganz besondere Beziehung zu seinen Bienen: „Das ist schwer zu erklären. Ich fühle mich im Herzen mit ihnen verbunden“. Deshalb dränge es ihn in jedem Frühjahr, nach ihnen zu sehen, sagt der 74-Jährige.

Seine Hände stecken in dicken weißen Handschuhen, die Beine in festen Jeanshosen. Die Imkerjacke schließt mit Bündchen ab, den Kopf schützt eine Maske. Denn geistige Verbindung hin oder her – gestochen wird er trotzdem. Berlin hat dafür Verständnis: „Das ist klar, wir stören die Bienen ja auch in ihrem Zuhause.“

Um seine Bienen nicht zusätzlich zu belasten, verzichtet der Imker auf Mittel wie Rauch oder CO2, die oft eingesetzt werden, um die Bienen zu betäuben und so die Arbeit zu erleichtern. „Das ist nicht natürlich“, sagt er.

Natürlichkeit wird in dem Familienbetrieb großgeschrieben, in dem neben Eckard Berlin auch Ehefrau Gertrud und der gemeinsame 34-jährige Sohn Moritz arbeiten. Der Honig bleibt möglichst naturbelassen, Konservierungsstoffe sind tabu. Zwölf verschiedene Sorten stellt die Familie Berlin her, von Tannenhonig über Löwenzahn-, bis hin zu Kastanien- und Lindenhonig. Insgesamt vier Tonnen pro Jahr, das sind etwa 8 000 Gläser.

Um diese sortenrein zu halten, reist der Imker mit seinen Bienenvölkern schon mal quer durch Deutschland. „In Norddeutschland finden die Bienen genügend Linden, das gibt es hier nicht“, erklärt Berlin. Bienenvölker hat er schon seit 29 Jahren, seit zehn Jahren können er und seine Familie von der Imkerei leben.

Die Varroa-Milbe ist eine Gefahr für Bienen

Zu schaffen machen den Bienen laut Berlin neben dem knappen Nahrungsangebot vor allem Spritzmittel, die in der Landwirtschaft verwendet werden. „Vor 30 Jahren war die Windschutzscheibe nach einer Autobahnfahrt voller Insekten“, erinnert er sich. Dass die heutzutage fehlen, ist für ihn ein Indiz für den Rückgang der Spezies.

Entgegen diesem Trend haben sich die Jungvölker, die der Imker an diesem Tag kontrolliert, prächtig entwickelt. So gut, dass sie umziehen müssen, denn ihre Behausung ist zu eng geworden: „Wir überwintern oft zwei Jungvölker in einem Stock“, erklärt Berlin. Aus den ursprünglich jeweils etwa 1 000 Bienen sind inzwischen mehr als 10 000 geworden – Zeit für einen eigenen Stock.

Behutsam zieht Eckard Berlin ein Wabenbrett aus dem Stock. Er wiegt es in der Hand, betrachtet es eingehend. Dann zeigt er auf eine Biene, die größer und etwas heller ist als die anderen: „Das ist die Königin“, erläutert er. Zufrieden schiebt er das Brett in die neue Behausung. Zum Schluss kontrolliert er noch den Befall mit der sogenannten Varroa-Milbe, einem Schädling, der sich in der Brut eines Bienenstocks vermehrt und an die Larven heftet. Ein Befall schwächt die Bienen und kann im schlimmsten Fall sogar ein ganzes Volk ausrotten. „Das muss man dringend behandeln“, erläutert Berlin. „Normalerweise machen wir das im Winter, aber dieses Jahr war es zu warm.“ Daher will er gemeinsam mit seinem Sohn eine neue Methode ausprobieren, um der Varroa-Milbe Herr zu werden – ökologisch, versteht sich.

Imkern ist ein Vollzeitjob – besonders im Sommer. Dann arbeiten die Berlins oft bis in die späten Abendstunden an ihren Bienenstöcken. Einen anderen Beruf kann sich Eckard Berlin trotzdem nicht vorstellen.

Preisgekrönt

Der Honig von Eckard und Moritz Berlin ist mehrfach vom Landesverband Württembergischer Imker ausgezeichnet worden. In diesem Jahr haben Vater und Sohn jeweils zwei Honigsorten eingereicht – alle vier Produkte haben eine Goldprämie erhalten. Ein Honig – die „Sommerblüte aus Ludwigsburg“ – der Berlins wurde zudem als drittbester Honig von ganz Württemberg ausgezeichnet.


Korb/Waiblingen. „Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Honigbienen, Wildbienen und Hummeln“, erläutert Michael Käfer, der Pressewart des Bezirksimkervereins Waiblingen und Umgebung. Für alle drei können Gartenbesitzer ganz einfach etwas tun, wie der Bienenexperte erläutert.

1. „Zunächst sollte man im eigenen Garten auf Pestizide und Insektizide verzichten“, rät Käfer. Diese vernichten nicht nur Schädlinge, sondern fügen auch Nützlingen wie den Bienen Schaden zu. Besonders die sogenannten Neonikotinoide sind bereits in geringer Konzentration hochgiftig.

2. Derzeit finden Bienen genügend Nahrung, nach der Obstblüte allerdings wird das Angebot zunehmend knapper. Gartenbesitzer können helfen, indem sie Pflanzen wählen, die später im Jahr blühen. Das können Himbeeren, Brombeeren, Efeu, Kleearten, Zitronenmelisse oder Fette Henne sein. Abgeerntete Gemüsebeete lassen sich im Spätsommer mit der blau blühenden Phazelia hübsch bepflanzen.

3. Wer mag, kann Wildbienen mit einem Insektenhotel Unterschlupf bieten. „Das lässt sich ganz leicht selbst bauen“, sagt der Experte. In einen Hartholzklotz mehrere acht bis zehn Zentimeter Tiefe Löcher mit Durchmessern zwischen zwei und neun Millimietern bohren und ihn an einem möglichst warmen, vor Regen geschützten Ort aufstellen oder -hängen.

Wieso zeigt das Korber Wappen einen Bienenkorb?

Auf dem Korber Wappen ist neben blauen Trauben auch ein Bienenkorb zu sehen. Die Trauben stehen für das Weinbaugebiet – das erklärt sich quasi von selbst. Doch bedeutet der Bienenkorb, dass es hier in der Vergangenheit besonders viele Imker gab? Eine andere Deutung des Wappens ist die des Gemeinderates, der den Entwurf im Jahr 1953 absegnete: Der Bienenkorb, so meinte man, symbolisiere den Fleiß der Korber Wengerter. Den Schöpfer des Wappens hat eine andere Geschichte inspiriert – die des ersten Korber Kriegsdienstverweigerers. Der Überlieferung zufolge soll ein Korber Jüngling vor einem Bienenstock die Hosen heruntergelassen und sich absichtlich von den Bienen ins blanke Hinterteil habe stechen lassen, um dem Militärdienst zu entgehen. Der Plan ging auf: Die Ärzte stuften ihn der „Beulen“ wegen als untauglich ein. Nichts mit Bienen zu tun hat übrigens der Ortsname: Er geht auf das schwäbische Wort „G’horb“ zurück, das einen herben, schwer zu bearbeitenden Boden bezeichnet (in Korb als Kerf bekannt).