Korb

In Korb Marihuana an Polizisten verkauft: 24-Jähriger vor Gericht

Drogen dealen
Schauplatz der Übergabe ist die Brucknerstraße in Korb. © Alexandra Palmizi

Weil ein 24-jähriger Waiblinger in ein Drogengeschäft verwickelt war, musste er sich vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten. Der Angeklagte und sein 22-jähriger Freund sollen im April 2021 bei der Übergabe von Marihuana in Korb zugegen gewesen sein. Dass der Deal am Ende geplatzt ist, verdanken die jungen Männer den Käufern der illegalen Substanzen: Diese entpuppten sich nämlich als verdeckte Ermittler.

Vor Gericht wollte Richter Steffen Kärcher nun klären, welche Rolle der Angeklagte bei dem gescheiterten Drogendeal hatte. Hat der Angeklagte seinem Kumpel einen Freundschaftsdienst erwiesen oder ist er gar ein Drahtzieher in der Dealer-Szene?

Ein Profi-Dealer oder „blödes Geschwätz“?

Gegenüber den verdeckten Ermittlern machte der Angeklagte einen selbstbewussten Eindruck. Die beiden jungen Männer sollen in Anwesenheit der vermeintlichen Käufer behauptet haben, „jeden Polizisten an der Nasenspitze zu erkennen“, gibt der zuständige Kriminalhauptkommissar zu Protokoll. Sie prahlten laut den Ermittlern damit, auch größere Mengen beschaffen zu können, den Drogenhandel sogar professionell zu betreiben. Auf den verdeckten Ermittler habe es gewirkt, als ob der Angeklagte das Sagen hätte und etwas von dem Geschäft verstehen würde.

Von diesem „blöden Geschwätz“, wie der Anwalt des Angeklagten es nennt, ist im Gerichtssaal nicht mehr viel zu spüren. Neben seinem Verteidiger macht der Angeklagte einen recht verlorenen Eindruck. Dass er bei der Übergabe des Marihuanas vor Ort war, hat der 24-Jährige bereits gestanden. Wie sein Anwalt mitteilt, bereue sein Mandant die Tat: „Er hat Angst davor gehabt, in U-Haft zu müssen.“ Ein Freundschaftsdienst sei es gewesen: Der Angeklagte und sein 22-jähriger Freund kennen sich von „Kindesbeinen“ an. Unbestritten sei es, dass der 24-Jährige sich zu „großem Geschwätz“ wie in Gangsterfilmen mitreißen hat lassen.

Angeklagter sollte Schmiere stehen

Er habe ihn gebeten, Schmiere zu stehen, bestätigt auch der 22-jährige Freund des Angeklagten im Zeugenstand: „Weil ich nicht alleine sein wollte.“ Für den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ist der 22-Jährige bereits vom Landgericht Stuttgart zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Dass kein Geld zwischen den beiden Freunden geflossen ist, bestätigt auch der Angeklagte. „Wenn man pro Gramm acht Euro berechnet, wären nicht mehr als 120 Euro bei dem Deal hängengeblieben“, sagt der Anwalt des 24-Jährigen. Ein nicht besonders lukratives Geschäft.

Der Richter befragt den Angeklagten auch zu seinem persönlichen Hintergrund: Wie der 24-Jährige berichtet, habe er die zehnte Klasse mit der Mittleren Reife abgeschlossen, das anschließende Berufskolleg nach einem Jahr abgebrochen, „krankheitsbedingt“, so der Angeklagte. Ein weiterer Anlauf scheiterte ebenso. So auch eine Ausbildung, die er auch abgebrochen habe. Aktuell absolviere er eine Ausbildung zum Lagerlogistiker im ersten Ausbildungsjahr. Von den rund 800 Euro, die er verdient, müsse er nach eigenen Angaben die Hälfte an seine Eltern abgeben, bei denen er noch wohnt.

Er bestreitet vor Gericht, weder ein Drogenproblem noch Schulden zu haben. Ein Blick in die Vorstrafenregister offenbart, dass der 24-jährige Waiblinger bereits Eintragungen hat, unter anderem wegen unerlaubten Besitzes einer Schreckschusswaffe.

Ermittler kennen die beiden Männer schon

Die Begegnung in Korb ist übrigens nicht das erste Treffen zwischen den verdeckten Ermittlern und dem Angeklagten und seinem Freund gewesen: Der Kriminalhauptkommissar sagt aus, dass er den Angeklagten mehrmals im Kontext mit Drogengeschäften im Hintergrund gesehen habe. Dass sie aber ihre Geschäfte immer mit Polizisten abwickelten, kommt dem Angeklagten sogar zugute: da das Marihuana nie in den Umlauf gekommen sei, so der Richter. Die Staatsanwaltschaft plädiert für eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, die auf zwei Jahre Bewährung auszusetzen ist, und eine Geldstrafe von 800 Euro.

Richter Kärcher verurteilt den Angeklagten zu einer 120-tägigen Geldstrafe zu je 20 Euro. „Er war vor Ort, wusste von dem BTM-Geschäft und hat bei der Übergabe mitgewirkt“, begründet der Richter die Entscheidung des Gerichts. Da dem Angeklagten keine tragende Rolle nachgewiesen werden konnte, solle auch die berufliche Zukunft des 24-Jährigen nicht durch eine Bewährungsstrafe aufs Spiel gesetzt werden.

Weil ein 24-jähriger Waiblinger in ein Drogengeschäft verwickelt war, musste er sich vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten. Der Angeklagte und sein 22-jähriger Freund sollen im April 2021 bei der Übergabe von Marihuana in Korb zugegen gewesen sein. Dass der Deal am Ende geplatzt ist, verdanken die jungen Männer den Käufern der illegalen Substanzen: Diese entpuppten sich nämlich als verdeckte Ermittler.

Vor Gericht wollte Richter Steffen Kärcher nun klären, welche Rolle der

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