Korb

Jochen Müller: „Der Seeplatz gelingt“

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Jochen Müller © Schechinger / ZVW

Korb. Amtsinhaber Jochen Müller bittet die Korber Bürger nach 24 Jahren an der Spitze des Rathauses um Vertrauen für eine weitere Amtszeit. Der Diplom-Verwaltungswirt zieht eine positive Bilanz der letzten Wahlperiode. Und er sieht Großprojekte wie Schulbau in der Urbanstraße, Hallenbadsanierung und Dorfgemeinschaftshaus auf gutem Wege. Eine Kommune sei nie fertig. Deshalb könne er auch mit der jetzt zeitweise hohen Verschuldung leben.

Video: Jochen Müller, amtierender Bürgermeister von Korb, stellt sich am 12.03. erneut zur Wahl. Im Video steht er Rede und Antwort.

Dass Korb bis Ende 2020 mit rund elf Millionen Euro in der Kreide stehen wird, verdankt sich auch dem aktuell teuersten Bauvorhaben, der Grundschule Urbanstraße. Die Ausgaben liegen hochgerechnet bei 8,6 Millionen. Manche malen schon 10 Millionen an die Wand. Jüngst hat der Gemeinderat die Firma PricewaterhouseCoopers mit der Überprüfung aller Pläne und der Erarbeitung von Maßnahmen zur Kostenreduzierung beauftragt. Wobei keine Garantie damit verbunden sei, dass man große Summen einspart, wie der Schultes betont.

Konsten deckeln? Das hat der Gemeinderat in der Hand

Dass die 8,6 Millionen Euro für Sanierung und Anbau nicht überschritten werden, käme für den Bürgermeister nicht überraschend, bedenkt er die Kostendisziplin, die der Gemeinderat beim Kinderhaus „Schau hinaus“ unter Beweis stellte. „Damals hat er bewiesen, dass er in der Lage ist, kommunale Bauvorhaben kritisch zu prüfen, und es ging. Es ist müßig zu spekulieren, dass es noch teurer wird“, sagt Müller. Kosten deckeln? „Das hat der Gemeinderat in der Hand. Beim Kinderhaus „Schau hinaus“ hat man das eingehalten.“ Erste Einsparungen seien beschlossen. Weitere würden geprüft. Verwaltung und Gemeinderat zögen hier nicht nur an einem Strang, Korb könne sich auch glücklich schätzen, dass es steigende Schülerzahlen hat.

Für barrierefreien Ausbau von Seeplatz und Bushaltestelle

Jochen Müller sieht die Neugestaltung des Korber Seeplatzes auf gutem Wege. So sei die Planung zur barrierefreien Bushaltestelle ebenso beschlossen, wie das Abbiege-Provisorium an der Ausfahrt zur Seestraße umgesetzt. Der große Entwurf von Planstatt Senner sei ja ins Landessanierungsprogramm aufgenommen worden, wenn auch nicht mit dem gewünschten Förderrahmen. So musste das 2,8 Millionen teure Leuchtturmprojekt der Remstal-Gartenschau abspecken. Das Planungsbüro Wolfgang Preuss legte vor Weihnachten einen Entwurf vor, der 20 bis 30 Prozent an Grünfläche opfert, aber dem Gemeinderat in den Grundzügen gefiel - und deutlich günstiger kommt als die Sennersche Totaloperation. Preuss sei beauftragt, diese Planung nun zu verfeinern, sagt der Bürgermeister.

Ausbau der Bushaltestelle und Neuinszenierung des Seeplatzes

Barrierefreier Ausbau und Umgestaltung der Bushaltestelle sowie die Neuinszenierung des Seeplatzes liegen Amtsinhaber Müller besonders am Herzen. „Ich bin da guter Hoffnung, dass wir die einmalige Situation einer grünen Lunge erhalten und gleichzeitig verschiedene Nutzungen wie Hüttenfest, Wochenmarkt, Café und Public Viewing unter einen Hut bringen. Das wird uns gelingen.“ Ein für ihn wichtiger Aspekt dabei sei, dass der geplante rollatorgängige Belag wie auch die barrierefreie Bushaltestelle Hindernisse für gehbehinderte Menschen aus dem Weg räumen.

Attraktivität des Einkaufsstandorts sichern

Das Sanierungsgebiet in der Korber Ortsmitte soll auch dazu beitragen, die Attraktivität des Einkaufsstandorts zu sichern. Stichwort: Kaufkraftbindung an den örtlichen Einzelhandel. „Kaufkraft kann nur gebunden werden, wenn entsprechende Angebote da sind“, weiß Müller, „aber wir müssen realistisch sein: Es wird uns nicht gelingen, ein Mode- oder Schuhgeschäft nach Korb zu bringen.“

Keine Discounter in Gewerbegebieten

Als Rathauschef habe er, wie auch der Gemeinderat, dafür erfolgreich gekämpft, das Ortszentrum mit dem Rewe-Markt aufzuwerten. Mittlerweile zähle der Vollsortimenter zu den bestfunktionierenden Rewe-Märkten der Region Stuttgart überhaupt. „Und wir lassen keine Discounter in Gewerbegebieten zu.“ Darauf legt Müller den allergrößten Wert. „Da war der Gemeinderat sehr konsequent, obwohl man sich damit auch Kritik einhandelt.“ Klar sei für ihn auch: Den von den Korbern gewünschten Drogeriemarkt im Ort anzusiedeln, wäre eine schöne Sache. Die Stadtentwicklung GmbH (Steg) sei damit beauftragt worden, einen Standort zu suchen.

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„Fakt ist aber, dass sich das Einkaufsverhalten geändert hat“, sagt Müller. „Rossmann und DM-Drogeriemarkt brauchen mindestens eine Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern.“ Drogerie Müller liege beim Flächenbedarf wahrscheinlich noch höher. Nur ein Neubau, wie ihn Herausforderer Manfred Heinrich für die Lindenstraße beim Rewe-Parkplatz vorschlug, könnte diesen Bedarf decken. „Die Frage ist“, sagt Müller, „gelingt es uns, eine Fläche im Zentrum zu erhalten? Und: Wenn man Grundstücke in der Ortsmitte will, muss man mit den Leuten reden!“

Gespräche erfolglos abgebrochen

Genau da liegt der Hund begraben. Für die Privatgrundstücke zwischen Rewe-Parkplatz und Lindenstraße, auf denen sich der Gemeinderat einen Drogeriemarkt mit Wohnbebauung vorstellen kann, wurden die Gespräche der Steg mit den Eigentümern erfolglos abgebrochen. Jochen Müller will nicht aufgeben. „Das bedarf intensiver Gespräche und Überzeugungsarbeit. Das Thema ist an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Das wird irgendwann wieder ins Aufgabenfeld der Gemeinde zurückfallen.“

Windkraft: „Ohne Akzeptanz beim Bürger nicht machbar“

Nicht direkt zum Aufgabenfeld der Gemeinde zählen die von Waiblingen geplanten Windkraftanlagen auf der Buocher Höhe. Das Landratsamt ist zuständig in Sachen Aufhebung des Landschaftsschutzgebiets, der Verband Region Stuttgart schreibt den Regionalplan fort, der das strittige Vorranggebiet für Windräder freihalten soll. 2000 Bürgereinwände gegen den Standort gingen in Stuttgart ein, und Müller bekennt sich zum Widerstand der Ratsmehrheit gegen die Waiblinger Windräder. „Man hat ja überlegt: Können wir da oben nicht selber Flächen ausweisen? Solche Projekte sind aber nur machbar, wenn sie vom Bürger akzeptiert werden. Das werden sie nicht. Bei der nicht vorhandenen Akzeptanz können Sie das nicht machen.“

Fotovoltaik auf der Keplerschule gefördert

Wenn also Korb keine eigenen Windräder baut, welchen Beitrag leistet es dann eigentlich zur Energiewende? Der Schultes verweist auf Erfolge beim European Energie Award, wo Korb als eine von drei Kommunen im Landkreis die erste Stufe erfolgreich abschloss. „Es war Korb, das vor vielen Jahren Fotovoltaik auf der Keplerschule finanziell gefördert hat. Wir haben auf dem Rathaus eine PV-Anlage errichtet. Das Kinderhaus „Schau hinaus“ hat Null-Energie-Standard, das ist nicht selbstverständlich. Das sind alles habhafte Sachen.“

Theorie muss Praxistest noch bestehen

Korber Bauland ist sehr teuer. Geringverdiener sind fast chancenlos. Wie kann die Gemeinde für bezahlbaren Wohnraum sorgen? „Der Städteplaner schafft die Möglichkeit, solche Gebäude zu errichten“, sagt Müller. „Da haben wir grundsätzlich im Baugebiet Westrand Hofäcker II ein Gebäude. Sozialer Wohnungsbau muss im Geschosswohnungsbau erfolgen. Das ist dort möglich. Das schließt nicht aus, dass es in so einem Gebäude qualitativ unterschiedliche Wohnungen gibt.“ Der Schultes verweist auch auf die zehn Prozent der Wohneinheiten, die der Gemeinderat im Neubaugebiet Langenäcker Süd für sozialen Wohnungsbau vorhalten will. „Auch hier haben wir die baulichen Voraussetzungen geschaffen“, lobt er die Theorie, die den Praxistest erst noch bestehen muss.

Private Geldgeber für den sozialen Wohnungsbau mobilisieren

Denn die Frage sei: Wer finanziert das? „Es kann doch nicht sein, dass die Kommunen als die hingestellt werden, die hier verantwortlich sind. Wir als unterste Ebene müssen das erledigen. Aber ohne steuerliche Möglichkeiten können wir keine privaten Mittel in diesen Bereich hineinbringen.“ Zuständigkeiten und rechtlicher Rahmen stimmten nicht, darin sind sich Schultes und Gemeinderat einig. „Wir müssen private Geldgeber für den sozialen Wohnungsbau mobilisieren. Und wir brauchen eine Veränderung im Mietrecht.“

„Es gibt immer Phasen, in denen die Verschuldung nach oben geht“

Ende 2020 wird Korb mit rund elf Millionen in der Kreide stehen. Den Schultes beunruhigt das nicht. „Bisher hat die Gemeinde die Haushalte immer genehmigt bekommen. Es gibt immer Phasen, wo große Projekte anstehen. Das ist jetzt auch wieder der Fall. Eine Gemeinde ist ja auch nie fertig. Da ist es erträglich, wenn die Verschuldung zeitweise nach oben geht. Wichtig ist, dass wir die Belastung auch bezahlen können.“

ZVW-Wahlveranstaltung am 9. März

In der kommenden Woche finden auf der Zielgeraden des Korber Wahlkampfs zwei Veranstaltungen statt, bei denen sich die Bürger hautnah ein Bild der drei Bewerber machen können. Für Montagabend, 6. März, lädt der Wahlausschuss der Gemeinde zur offiziellen Kandidatenvorstellung ab 19 Uhr in die Remstalhalle ein. Am Donnerstag, 9. März, beginnt um 20 Uhr eine Podiumsdiskussion mit den drei Bewerbern Jochen Müller, Manfred Heinrich und Frank Riegler, zu der der Zeitungsverlag Waiblingen die Korber ebenfalls in die Remstalhalle einlädt.

Am Wahlabend des 12. März zeigen wir im Livestream auf zvw.de die Ergebnisse aus der Alten Kelter. Chefredakteur Frank Nipkau wird den Wahlsieger vorstellen.

Alles über die drei Kandidaten lesen Sie in unserem Wahlportal unter wahlen.zvw.de