Korb

Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl

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Kandidatenvorstellung
Manfred Heinrich, Frank Riegler und Jochen Müller stellten sich in der Remstalhalle den Fragen der Korber Bürgerinnen und Bürger. Es ging auch um ÖPNV und Bürgerbeteiligung. © Büttner / ZVW
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Kandidatenvorstellung
Neugierige Zuhörer, die etliche Fragen mitbrachten. © Büttner / ZVW

Korb. Die Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl am 12. März stand im Zeichen der Schulentwicklung. Zahlen schwirrten durch die Remstalhalle, von denen die meisten nicht belegt sind. Zwei Alternativen zur geplanten Sanierung mit An- und Umbau der Grundschule Urbanstraße stehen im Raum: Schulcampus und zweizügiger Schulneubau in der Brucknerstraße plus Erhalt der Urbanschule für Unterricht und Vereinsnutzung. Die Gretchenfrage dabei: Wo steht der Gemeinderat?

Eine fast voll besetzte Halle, Zuhörer in Fragelaune und drei Kandidaten, unter denen die zwei Herausforderer von Amtsinhaber Jochen Müller schon deshalb Respekt verdienen, weil sie kommunalpolitische Amateure sind. Bei der offiziellen Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl mit Bürgerfragerunde ging es munter quer durch alle Politikfelder. Ganz oben stand das Thema Schulentwicklung. „Das würde ich noch einmal in den Gemeinderat einbringen, wenn ich Bürgermeister wäre“, versprach Frank Riegler. Der mit 52 Jahren Jüngste unter den Bewerbern hält schon die 14 in der Urbanstraße geplanten Klassenräume bei aktuell 14 Grundschulklassen für riskant. „Auf Kante genäht“, sagt er.

Riegler kritisiert: Eine Fehlentscheidung

Ein Projekt also, das aus Rieglers Warte unter Kosten/Nutzen-Gesichtspunkten nur Nachteile bringt, aber acht bis zehn Millionen Euro kostet, während der Gemeinderat den Schulcampus wegen kalkulierten Baukosten von zwölf Millionen einst abgelehnt hatte. Im Nachhinein eine Fehlentscheidung, kritisiert der Beisitzer der „Schulfreunde Korb“. „In der Brucknerstraße hätten wir die Schulverwaltung an einem Ort, dazu eine Mensa. Bei Unterrichtsausfall wie bei einer Grippewelle könnte man im Campus Lehrer der Primar- und Sekundarstufe austauschen.“ Auch die Verkehrssicherheit der Schulkinder hält Frank Riegler an der Urbanstraße für schlecht. Ergo: „Man muss nach A nicht B sagen, wenn man erkennt, dass B falsch ist“, sagt er. Zumal der Verkauf des für Wohnungsbau umgewidmeten Schulgrundstücks Geld zur Finanzierung des Schulcampus einbrächte.

Baulärm ist Zumutung für Schulkinder

Vor zwei Jahren zählte der damalige CDU/FW-Gemeinderat Manfred Heinrich noch als glühender Vorkämpfer zur Schulcampus-Fraktion. Nach wie vor nennt er die Sanierungs- und Anbauvariante für den Standort Urbanstraße eine „große Fehlinvestition“. Aber jetzt plädiert er bei aus seiner Sicht drohenden Baukosten zwischen acht und zwölf Millionen Euro – vom Bauamt kalkuliert sind 8,6 Millionen – für einen Kompromiss, der im Gemeinderat aus seiner Sicht mehrheitsfähig wäre: „Zwei Grundschul-Züge in einem neuen Gebäude in der Brucknerstraße, die Urbanschule belassen und die dort frei werdenden Räume den Vereinen geben.“ Es sei eine Zumutung für Schulkinder, wenn sie den Baulärm in der Urbanstraße vier Jahre ertragen müssten. „Das ist nicht praktikabel.“

Zehn Millionen Euro reichen nicht

„Der Bürgermeister setzte den Blinker, der Gemeinderat ist falsch abgebogen“, kritisierte Heinrich Amtsinhaber Jochen Müller. Die ursprüngliche Alternative – vier Millionen für die Urbanschulsanierung, 14 Millionen für den Neubau – habe damals die Entscheidung leicht gemacht. Doch dann seien die vom Planer errechneten 11 Millionen Euro für den Standort Urbanstraße gekommen. Später wurden sie auf 8,6 Millionen reduziert. Gerade diese Planzahl hält Heinrich für unrealistisch. „Beim Buddeln kommen noch neue Kosten dazu. Auch die Turnhalle muss gerichtet werden. Da reichen auch zehn Millionen Euro nicht.“

Ließe sich der Gemeinderat umstimmen?

Würde einer der Herausforderer am 12. März zum Bürgermeister gewählt, könnte der Gemeinderat, falls er es wollte, das Rad zurückdrehen. Das Geld für Planungsleistungen müsste er dann in den Wind schreiben, aber die Gemeinde binden aktuell keinerlei vertragliche Verpflichtungen. Weder die Gewerke sind für die Urbanstraße ausgeschrieben, noch wurden Fachplaner beauftragt. Die sehr theoretische Gretchenfrage an der Stelle lautet: Ließe sich der Gemeinderat umstimmen?

Müller erinnert an langwierige Entscheidungsfindung

Bürgermeister Jochen Müller erinnerte an die langwierige Entscheidungsfindung im Einvernehmen mit Schulleitung, Lehrern und Eltern und unter Einbeziehung der Bürgerschaft. „Das war keine Hoppla-Hopp-Entscheidung.“ Für den Erweiterungsbau mit Klassenräumen und Mensa, die später auch für andere Nutzungen zur Verfügung stehe, würden jetzt 6,3 Millionen Euro, für die Sanierungsmaßnahmen im Altbau 2,15 Millionen Euro ausgegeben. Dies die aktuellen Planzahlen. „Zeitgemäße Schulräume zu errichten, Räume für kommende Generationen zu schaffen, war für die Gemeinde schon immer eine wichtige, schwierige und kostenintensive Aufgabe“, so Müller. „Aber hier wird in unsere Jugend und damit in unsere Zukunft investiert.“

Mehr Bürgerbeteiligung kann man nicht machen

Der Gemeinderat zusammen mit der Verwaltung sei es gewesen, der nach dem Wettbewerb die Planungskosten von 11,4 Millionen deutlich reduziert habe. Schultes Müller erinnerte an die Kostenexplosion für den Winnender Gemeinschaftsschul-Campus, der bei elf Millionen Baukosten gestartet war, am Ende aber auf über 20 Millionen gekommen wäre. „Auch bei uns würde ein Neubau nicht mehr das kosten, was damals gesagt wurde“, warnt Müller. „Mehr Bürgerbeteiligung, als wir es getan haben, kann man, glaube ich, nicht machen.“

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Wir laden ein:

  • Der ZVW lädt für Donnerstag, 9. März, um 20 Uhr zu einer Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten in die Remstalhalle ein. Jeweils im Anschluss an die Themenrunden haben die Korber das Wort.