Korb

Kein Führerschein und 1,24 Promille: Waiblinger fuhr trotzdem Auto

Autofahrer und Alkohol
Symbolbild. © Gaby Schneider

Beim Straßenfest im Juli vor einem Jahr sei ihm der Angeklagte zum ersten Mal aufgefallen, berichtet ein Mitarbeiter des Korber Ordnungsamts im Zeugenstand. „Er fuhr immer im Kreis, um den Seeplatz herum“, erinnert sich der Zeuge. In der Zeit danach seien ihm der Mini Cooper und sein Fahrer immer wieder aufgefallen: „Er hatte dann schon mehrere Strafzettel, die er nicht bezahlt hat und ich habe ihn immer wieder im Café sitzen sehen.“ Im Oktober 2019 traf er den Mann dann endlich bei seinem Wagen an und sprach ihn an. Er fragte ihn, ob er einen Führerschein habe. Nein, habe der Angeklagte ihm geantwortet.

Der Alkoholgeruch verrät ihn 

Doch das ist längst nicht alles: Eine Polizeistreife hatte den heutigen 66-Jährigen schon im September 2019 in Korb zufällig einer Verkehrskontrolle unterzogen. Dabei gab der Mann zunächst an, seinen Führerschein nicht dabeizuhaben. Die Polizisten fanden aber schnell heraus, dass dem Fahrer der Führerschein 2018 entzogen worden war – wegen Trunkenheit im Verkehr. Außerdem fiel ihnen auf, dass der Mann nach Alkohol roch. Eine Blutentnahme im Krankenhaus ergab einen Wert von 1,24 Promille. Auch nach dieser Kontrolle war der Waiblinger noch mindestens einmal mit dem Auto unterwegs. Das Ordnungsamt Korb erkannte den Fahrer, griff ein und ließ den Wagen schließlich abschleppen.

Nun ist der heute 66-Jährige angeklagt wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr, vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Fahrens ohne Fahrerlaubnis in drei Fällen. Die Fahrten fanden alle zwischen Juli und Oktober 2019 statt – und alle in Korb.

Der 66-Jährige betritt den Gerichtssaal in Begleitung seines Verteidigers und seiner Betreuerin. Gleich fällt auf, dass der ehemalige Polizist etwas desorientiert zu sein scheint: Er kann dem Richter nicht ohne weiteres sagen, wo er wohnt oder seit wann er von seiner Frau geschieden ist: „Seit etwa drei Jahren. Aber das ist eine Schätzung, das könnte auch länger sein.“ Außerdem gibt der Mann an, zwei Kinder im Teenageralter zu haben. Zu denen habe er keinen Kontakt, die seien weit weg. Wie es dazu kam, kann er dem Gericht nicht sagen.

Nicht alle Angaben stimmen

Auf die Frage, ob er ein Alkohol- oder Drogenproblem habe, verneint er entschieden: „Ich trinke hin und wieder mal ein Bier. Das ist meiner Meinung nach kein Problem.“ An dieser Stelle unterbricht sein Verteidiger: „Also, bei diesem Punkt müssen Sie aber ehrlich sein: Sie haben schon ein Alkoholproblem!“

Die Betreuerin kann dazu genauere Angaben machen: Der 66-Jährige sei Alkoholiker und das bereits seit vier Jahrzehnten. „Er trinkt durchaus regelmäßig – und er braucht das auch. Sonst bekommt er Entzugserscheinungen.“ Außerdem korrigiert sie eine weitere Angabe: Der Angeklagte habe nämlich keine Kinder im Teenageralter mehr: „Das stimmt nicht. Sie sind beide jenseits der 30.“

Der Waiblinger liefert ein Geständnis ab

Auch wenn es dem Angeklagten schwerfällt, sich an Details seines Privatlebens zu erinnern: Was seine Fahrten durch Korb angeht, ist er vollumfänglich geständig: „Ich stehe dazu“, sagt der 66-Jährige. „Ich kann Ihnen nicht mehr sagen, als dass es mir leidtut.“ Sein Mini und sein Motorrad haben bereits den Besitzer gewechselt. Das zweite Auto wird im Moment noch verkauft – auf die Schlüssel passt die Betreuerin auf.

Die Staatsanwältin fordert für alle drei Anklagepunkte im Gesamten eine Freiheitsstrafe von einem Jahr sowie zwei Monatseinkommen Strafe: „Diese Strafe kann zur Bewährung ausgesetzt werden. Eine Geldstrafe ist nicht ausreichend.“ Dazu sei der Waiblinger zu einschlägig vorbestraft, auch wenn sein Geständnis für ihn spricht. Außerdem solle er wegen seines Alkoholproblems drei Jahre lang keinen neuen Führerschein machen dürfen und die Gerichtskosten tragen.

Richter Johannes Weigel kommt dem Antrag weitestgehend nach: Er verurteilt den Waiblinger zu einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung. Der 66-Jährige bekommt einen Bewährungshelfer, darf während der Bewährungszeit keinen Führerschein machen und muss die Gerichtskosten bezahlen. Außerdem muss der Mann das verbliebene Auto so schnell wie möglich verkaufen.

Beim Straßenfest im Juli vor einem Jahr sei ihm der Angeklagte zum ersten Mal aufgefallen, berichtet ein Mitarbeiter des Korber Ordnungsamts im Zeugenstand. „Er fuhr immer im Kreis, um den Seeplatz herum“, erinnert sich der Zeuge. In der Zeit danach seien ihm der Mini Cooper und sein Fahrer immer wieder aufgefallen: „Er hatte dann schon mehrere Strafzettel, die er nicht bezahlt hat und ich habe ihn immer wieder im Café sitzen sehen.“ Im Oktober 2019 traf er den Mann dann endlich bei seinem

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