Korb

Kiloweise Marihuana verkauft

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Symbolbild. © ZVW

Waiblingen/Korb. Ein 26-Jähriger aus Korb musste sich am Montag vor dem Amtsgericht verantworten. Obwohl er kiloweise Marihuana verkauft haben soll, wurde er am Ende nur zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der Grund: Die sogenannte „kleine Kronzeugenregelung“ greift – der Drogenhändler hatte kooperiert und die Namen seiner Lieferanten preisgegeben.

Die Verlesung der Anklageschrift dauerte. Denn die Liste der Vergehen, für die sich ein Korber am Montag vor einem Schöffengericht verantworten musste, ist lang. Von mindestens drei verschiedenen Dealern, unter anderem in Weinstadt und Weiler zum Stein, soll der 26-Jährige zwischen September 2015 und März 2016 Marihuana gekauft haben, um es danach „gewinnbringend weiterzuverkaufen“. Insgesamt einige Kilo Marihuana und mehrere Tausend Euro müssen dabei den Besitzer gewechselt haben. Verkauft hat der junge Mann aus Korb nach eigenen Angaben an zehn bis 15 Stammkunden, darunter einen Minderjährigen.

Dieser Minderjährige war es auch, der die Ermittler überhaupt erst auf die Spur des Angeklagten gebracht hatte. Er war mit Marihuana erwischt worden und hatte in seiner Vernehmung die Identität des Drogenhändlers enthüllt. Dieser wiederum, so eine Polizeihauptmeisterin, die bei der Verhandlung am Montag als Zeugin aussagte, sei bei der Wohnungsdurchsuchung „sofort kooperativ“ gewesen, habe den Beamten alle Beweise selbst gezeigt sowie ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Geständnis wirkt strafmindernd

In diesem hat der arbeitslose Einzelhandelskaufmann nicht nur seinen eigenen Drogenhandel eingeräumt – er habe damit seinen eigenen Konsum finanzieren wollen –, sondern auch die Namen seiner Lieferanten offengelegt. Zwei weitere Dealer konnten so bereits ermittelt und Verfahren gegen sie eingeleitet werden, die Identität eines Dritten wird derzeit noch geklärt. Sein Geständnis gereicht dem Korber nun zum Vorteil: Nach der sogenannten „kleinen Kronzeugenregelung“ wirkt es strafmindernd. Ebenfalls strafmindernd wirken die gute Sozialprognose sowie die familiären Umstände des Angeklagten: Zum ersten Mal „Gras“ geraucht habe er mit 13 Jahren, sagte dieser aus. Dann sei er aber davon weg gewesen, habe verschiedene Praktika gemacht, eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen und später auch in diesem Beruf gearbeitet.

„Mit dem Kiffen angefangen habe ich erst wieder, als mein Vater an Krebs erkrankt ist, das habe ich psychisch einfach nicht gepackt“, so der Angeklagte. Er habe deshalb auch seinen Job aufgeben müssen. Nun will er aber eine Therapie beginnen und eine Umschulung in die Metallindustrie machen. Dann wolle er auch wieder Kontakt zu seiner sechsjährigen Tochter aufnehmen, die bei ihrer Mutter in Würzburg lebt. Von der ist der Angeklagte seit einigen Jahren geschieden.

Mit seinem Geständnis, so der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer, habe der Angeklagte sozusagen eine „Lebensbeichte“ abgelegt und es der Strafverfolgung leicht gemacht. Angesichts dessen sei hier eine Bewährungsstrafe auszusetzen, obwohl „bei diesem Tatbestand eigentlich eine Freiheitsstrafe von vier Jahren angemessen wäre“.

„Schwunghafter Rauschgifthandel“

Am Ende verurteilten Richter Kärcher und seine Schöffen den Angeklagten zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Obwohl er von seiner Korber Wohnung aus über Monate hinweg einen „schwunghaften Rauschgifthandel“ betrieben habe, sah das Gericht eine positive Sozialprognose. Der Angeklagte müsse lediglich seine Drogenprobleme in den Griff bekommen und hierzu sei mit der Therapie der Grundstein gelegt, sagte der Richter zur Begründung.