Korb

Korb: Frühlingsfest "Bienenflug" fällt auch 2021 Corona zum Opfer

Bienenflug
Der Bienenflug war bislang für Groß und Klein immer ein Höhepunkt in Korb. Dieses Foto ist im Mai 2018 entstanden. © Alexandra Palmizi

Zehn offene Geschäfte, 40 Beschicker, dazu ein frühlingshaft herausgeputzter Ortskern, ein Fest für die Sinne und drumherum ein Besuchergewusel, dass bisweilen schier kein Durchkommen war. Fast nostalgische Gefühle kommen auf, blickt man auf den Korber „Bienenflug“ zurück. Wegen Corona gibt es 2021 erneut keinen "Bienenflug".

Wie bereits im vergangenen Jahr fliegen auch heuer wieder in Korb die Honig- und Wildbienen aus, ohne dass sie von der Ortsbevölkerung mit einem fröhlichen Fest mit verkaufsoffenem Sonntag begrüßt werden.

Ehemaliger Wirt des Seeplatzgrills befürchtet Insolvenzen

Sentimentale Gefühle verbindet auch der ehemalige Wirt des Seeplatzgrills Fritz Goppelt mit dem „Bienenflug“. Den Grill gebe es ja nicht mehr, blickt er in die Vergangenheit zurück, aber gefälligkeitshalber und um den Kontakt mit lieben Freunden weiter zu pflegen, sei er nach wie vor Mitglied des Bundes der Selbstständigen und habe sich breitschlagen lassen, „bei der einen oder anderen Sache weiter mitzumachen“, wie zum Beispiel bei der Organisation des „Bienenflugs“.

Es sei ja nicht das einzige Fest, das dieses Jahr nicht gefeiert werde. Die Straßenfeste in Waiblingen und Backnang würden der Corona-Pandemie wohl ebenso zum Opfer fallen wie die Maibaumhocketsen und das Frühlingsfest in Stuttgart.

Davon betroffen sei nicht nur die Gastronomie, sondern auch der Kulturbereich, und es werde sich sicherlich nicht vermeiden lassen, dass es zu der einen oder anderen Insolvenz komme. „Wer nichts auf der hohen Kante hat und auf keine Rücklagen zurückgreifen kann, für den sind dies sehr bittere Zeiten“, so Fritz Goppelt.

Martina Dietrich war von vornherein klar, dass das Fest ausfallen wird

„Dass der Bienenflug nun zum zweiten Mal ausgefallen ist, tut richtig weh“, meint Martina Dietrich, die Zweite Vorsitzende des Korber Bundes der Selbstständigen, „nachdem die Kirbe, der Tanz in den Mai, die 750-Jahr-Feier im vergangenen Jahr ebenfalls nicht stattfanden.“ Der Bund der Selbstständigen habe als Verein in der Vergangenheit gut gewirtschaftet und könne auf ein Polster zurückgreifen. Für manche „der paar Lädle, die wir in Korb noch haben“ seien es allerdings schwere Zeiten.

Bei dem fantastischen Wetter am vergangenen Sonntag hätten die Menschen „uns die Bude eingerannt“, schließlich sei es für alle schwer zu ertragen und nicht förderlich, wenn alles stillstehe. Es sei von vornherein klar gewesen, dass das Fest in diesem Jahr ausfalle, deshalb habe man für dieses Jahr auch erst gar nichts vorbereitet, so Dietrich. Was die Stimmung im Bund der Selbstständigen anbelange, die sei „sehr verhalten“.

Benjamin Rohrwasser: Korber Feste waren Magnete, die Menschen zusammengeführt haben

Langsam mache sich so etwas wie ein Lagerkoller bemerkbar, beschreibt Grünen-Gemeinderat Benjamin Rohrwasser die Situation in Korb. Wenn man nicht raus und keine Geselligkeit pflegen könne, gehe nach und nach das Gemeinschaftsgefühl verloren. „Unsere Korber Feste waren stets Magnete, mit denen die Menschen zusammengeführt wurden. Aber in der gegenwärtigen Situation muss man sich eben darin hineinschicken, dass derartige Massenveranstaltungen nicht möglich sind.“

Gut dabei sei schon, wer einen eigenen Garten oder Balkon besitze, auf dem er sich entfalten könne. Die einzige wirkliche Alternative zum Eingesperrtsein bestehe allerdings darin, hinaus in die Natur zu gehen. „Wir leben hier in einer wunderschönen Gegend, können den Korber und den Kleinheppacher Kopf für uns entdecken, unseren Wald genießen. Dort kann man sich gut verteilen und neue Kraft tanken.“ Einmal mehr zeige sich in dieser Zeit, wie wichtig uns der Erhalt der Natur sein sollte, dass man gar nicht behutsam genug mit ihr umgehen könne.

Für Standbetreiber und Ladenbesitzer ist das Fest ein wichtiger wirtschaftlicher Termin

Für Rohrwassers Gemeinderatskollege Martin Zerrer (CDU/Freie Wähler) war der „Bienenflug“ stets „ein richtiges Highlight im Veranstaltungsjahr, ein Kommunikationstreff“. Für die Geschäfte und auch für die fliegenden Händler habe es sich um einen wichtigen geschäftlichen Termin gehandelt, eine Gelegenheit, nicht nur zum Verkaufen, sondern auch, um so manchen Kontakt zu pflegen und Geschäfte anzubahnen. Dem CDU-Gemeinderat wie auch der Ortsverwaltung sei es ein ständiges Anliegen, den Ortskern zu beleben, und es sei auch allen klar, dass es durch den Lockdown nicht nur der Gastronomie schlecht gehe, sondern auch manchen anderen Einzelhandelsunternehmen, „aber das ist höhere Gewalt, da sind auch uns die Hände gebunden.“

Der soziale Kontakt, miteinander draußen zu sitzen, zusammen ein Bier oder ein Viertele Wein zu trinken und sich dabei zu unterhalten, fehle einfach den Menschen. Eine aggressive Stimmung schaukle sich immer mehr auf, viele seien genervt und unzufrieden, bedingt nicht zuletzt durch die nicht immer nachvollziehbaren politischen Entscheidungen bei der Pandemiebekämpfung, bei denen oftmals keine klare Linie zu erkennen sei.

Bürgermeister Jochen Müller vermisst ebenfalls den Korber Bienenflug

Für Korb sei der „Bienenflug“ in normalen Zeiten eines der ersten großen Feste des Bundes der Selbstständigen, das die Bürger in den Frühling hinausziehe, nicht nur in die Ortsmitte, sondern auch in die Weinberge, so Bürgermeister Jochen Müller. Es fehle auch ihm schmerzlich, sowohl die guten Kontakte und Gespräche wie auch die Möglichkeit, gemütlich über den Seeplatz zu bummeln, einzukaufen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Er sei ein Mensch, der seinen Beruf so wahrnehme, dass er gern Kontakt mit Menschen habe und auf die Leute zugehe, bei den vielen Korber Kulturveranstaltungen, wie auch beim Bienenflug, für den man letztes Jahr zum Beispiel als besonderen Event geplant hatte, ein neues Feuerwehreinsatzfahrzeug vorzustellen.

Dem Bund der Selbstständigen sei er dankbar für seinen vorbildlichen und unermüdlichen Einsatz zum Wohle der Gemeinde. Umso mehr bedaure er, dass die Korber Unternehmen nun schon zum zweiten Mal auf diese Möglichkeit verzichten mussten, den Kontakt zu den Kunden zu pflegen und sich zu präsentieren. Dieser Verzicht habe sicherlich bisweilen sehr schmerzliche wirtschaftliche Auswirkungen, dies sei ihm klar. Aber es gebe nun einmal im Augenblick keine Alternative zu dem Gebot, Abstand zu halten und die Corona-Regeln zu befolgen.

Bienenflug gehört zu Korb und trägt zur heimeligen Wohlfühlatmosphäre bei

Für den 33-jährigen Korber Moritz Lapp war der „Bienenflug“ bisher stets „eine schöne Sache. Irgendwie gehört er zu Korb und trägt zu der heimeligen Wohlfühlatmosphäre des Orts bei.“ Dass er nun schon zum zweiten Mal nicht stattfindet, habe eine schmerzliche Lücke in den gewohnten Jahresablauf gerissen, schließlich stehe er in normalen Zeiten für den Start in den Frühling, der die Menschen zusammenbringe, Jung und Alt, aus allen Ortsteilen und aus der Nachbarschaft.

Dieses Fest habe besonders viel für Familien zu bieten und sei wohl auch für die Geschäfte im Ort ein wichtiger Termin, mit dem sie fest rechneten. Ein junges Paar aus Winnenden, das am vergangenen Sonntag mit dem Fahrrad einschließlich Babyanhänger über den Hanweiler Sattel herübergekommen war, „um den Frühlingstag und den Seeplatz zu genießen“, ist mit dem Bienenflug auf besondere Art und Weise verbunden. „Schließlich haben wir uns hier vor drei Jahren kennengelernt“, verraten sie.

Zehn offene Geschäfte, 40 Beschicker, dazu ein frühlingshaft herausgeputzter Ortskern, ein Fest für die Sinne und drumherum ein Besuchergewusel, dass bisweilen schier kein Durchkommen war. Fast nostalgische Gefühle kommen auf, blickt man auf den Korber „Bienenflug“ zurück. Wegen Corona gibt es 2021 erneut keinen "Bienenflug".

Wie bereits im vergangenen Jahr fliegen auch heuer wieder in Korb die Honig- und Wildbienen aus, ohne dass sie von der Ortsbevölkerung mit einem fröhlichen Fest

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