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Korb kritisiert den Nordostring

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Der geplante Nordostring. © Danny Galm

Korb. Den Antrag der Korber Grünen-Fraktion, der Gemeinderat möge eine ablehnende Stellungnahme in Sachen Nordostring an den Verband Region Stuttgart senden, hat das Gremium in dieser Form nicht verabschiedet. Trotzdem ist Ratsmitglied Gerhard Brenner zufrieden. Korb übt nämlich Kritik und äußert Informationsbedarf in Sachen Kleinklima, falls das Schmidener Feld mit der Trasse versiegelt würde.

Der totgeglaubte Nordostring sei wiedererwacht und reihenweise würden Remstalgemeinden wie Schwäbisch Gmünd und Aalen ablehnende Positionen vertreten, schreiben die zwei Vertreter der Korber Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in einem auch von Jürgen Klotz (SPD) und Nicola de Vitis (FB) unterzeichneten Antrag.

Höchste Dringlichkeitsstufe

Tenor der Botschaft an die Region, über die im Gremium beraten werden sollte: Korb lehnt die Maßnahmen Nr, 338 und Nr. 338 a sowie Nummer 321 ab und bittet darum, an weiteren Verfahren zum Regionalverkehrsplan für die Region Stuttgart beteiligt zu werden.

Im Entwurf des Regionalverkehrsplans vom Dezember 2016 stehen die Maßnahmen Nr. 338 (B 29-Verbindung Waiblingen/Fellbach nach Ludwigsburg/Kornwestheim dreispurig) und Nr. 338 a (B 29-Verbindung Waiblingen/Fellbach nach Ludwigsburg/Kornwestheim vierspurig) auf dem Niveau der höchsten Dringlichkeitsstufe. Als Maßnahme Nr. 321 firmiert die Neckarüberquerung südlich von Remseck-Aldingen.

Grüne: Remstalautobahn verhindern

Die Remstalautobahn gelte es zu verhindern, schreiben die Grünen in ihrem Papier. Ziel müsse es sein, den Fernlastverkehr auf der Autobahn zu belassen, denn die Bundesstraßen könnten ihn nicht aufnehmen. Diese Position ist nicht neu. Bei der Beratung im Korber Gemeinderat nahm die Diskussion indes eine scharfe Kurve weg von der Verkehrsproblematik hin zu Thema Kleinklima in Korb.

Die Versiegelung des Schmidener Feldes durch die Nordosttrasse werde bei den vorherrschenden Windrichtungen Auswirkungen auf das Korber Mikroklima haben, befürchtet FB-Fraktionschef Albrecht Ulrich: „Ja, das ist schon etwas, das brennt.

Wir kriegen mehr Verkehr, weil wir nicht in der Lage sind, den Schienenverkehr auszubauen.“ Doch die Verkehrslenkung durch Straßenbau und Ausbau des Schienennetzes sei Aufgabe der Bundes - und Landespolitik. „Mir geht es aber um das Schmidener Feld.“

Korber Kleinklima betroffen

Die Flächen zwischen Neckar und Waiblingen spielten für die Durchlüftung und die Kaltluft, die nach Korb fließt, eine wichtige Rolle. „Die große Umwälzung geht über das Schmidener Feld“, sagt Albrecht Ulrich. „Das bedeutet Abkühlung für Korb durch den Südwest- und Westwind. Mit dieser Begründung sollten wir gegen die Straße sein, weil genau das unser Korber Kleinklima beeinträchtigt.“

Für CDU/FW-Fraktionschef Friedrich Zimmerle ist das Projekt Nordostring ein „kommunalpolitisch heißes Eisen“, weil die betroffenen Gemeinden unterschiedliche Interessen vertreten. Es könne nicht so weitergehen, dass beispielsweise „jeder Lastwagen über Schwaikheim ins Neckartal runterfährt. Für mich ist das eine Aufgabe vom Planungsverband Unteres Remstal. Da sollten wir mal mit einer Stimme sprechen. Das sollte überkommunal beschlossen werden.“ Er, Zimmerle, sehe sich in der Sache zudem „total überfragt. Da sollten mal richtige Untersuchungen her.“

"Nein, nicht in unserem Remstal“

Bürgermeister Jochen Müller stellte noch einmal klar, für den Bau von Bundesstraßen sei der Bund mit entsprechenden Beteiligungsverfahren zuständig. In diesem Rahmen würden betroffene Kommunen angehört. „Der andere Punkt ist das Schmiedener Feld. Wir wissen: Der Stadt Waiblingen ist das Schmidener Feld nicht so heilig wie der Stadt Fellbach.

Und es gibt Regionalräte, die sagen: Wenn wir das Feinstaubproblem in Stuttgart lösen wollen, müssen wir den Nordostring bauen.“ Ob es genüge, nur zu sagen, Korb schließe sich Aalen an, wisse er nicht, so BM Müller.

Gemeinderat Gerhard Brenner bemühte sich, seine Ratskollegen für seine Resolution zu gewinnen. „Das bedeutet wahnsinnigen Lkw-Verkehr. Ich bin schon der Meinung, dass wir sagen müssen: Nein, nicht in unserem Remstal.“ Auch Jürgen Klotz forderte dazu auf „ein Signal auszusenden, dass wir das kritisch sehen.“ Jochen Müller war das etwas zu vage: „An wen? An den Planungsverband? An den Bund?“

Gerhard Brenner zufrieden

Konsens besteht im Korber Gemeinderat aber darüber, dass es noch mehr detaillierte Information über die klimatischen Auswirkungen des Nordostrings auf Korb braucht. Das impliziert, dass sich das Gremium in Lichte weiterer Erkenntnisse, sobald sie vorliegen, noch einmal mit dem heißen Eisen Nordostring wird befassen müssen.

Schultes Müller fasste die Forderungen des Gremiums in zwei Punkten zusammen. „Der Korber Gemeinderat fordert die Verantwortlichen im Planungsverband und im Land auf, Informationen zur Verfügung zu stellen. Und es bittet den Planungsverband, das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen.“

Gerhard Brenner bilanzierte gestern zufrieden: „Was ich erreichen wollte, wäre damit erfüllt. In die große Politik wollte der Gemeinderat nicht gehen. Jetzt reduziert er das Thema aufs Lokale, das ist mir auch recht.“ Gehe es doch darum, dass Korb weiterhin kritisch auf die Entwicklung in Sachen Nordostumfahrung schaue.