Korb

Leandersteig oder Neandertalerweg? Der unbekannte Weg auf den Kleinheppacher Kopf

Lenaderweg-aussicht
Der Blick zurück vom Kleinheppacher Kopf auf den Korber Kopf, den Sörenberg und hinaus nach Ludwigsburg. © Wagner

Für Nicht-Einheimische ist’s bisweilen ein wenig knifflig, die drei „Köpfe“ auseinanderzuhalten, die stolz herabblicken auf die Weinberg-Gemeinde Korb. Dabei haben der Kleinheppacher Kopf, Hörnleskopf und Korber Kopf durchaus ihren eigenen Charakter. Gemein indes ist ihnen der prächtige Ausblick, den der Wanderer und Spaziergänger von hier oben genießt.

Für die Kleinheppacher ist ihr Hausberg, den sie liebevoll „s’Köpfle“ nennen, natürlich der schönste des Trios. Der Heimatdichter Kurt Dobler schrieb Mitte des vergangenen Jahrhunderts in seinem Gedicht "Dr Kloiheppacher Kopf" unter anderem: "Doch ganz wenich wernt bestreite, daß zo älle Johreszeita, kaum a schöners Plätzle geit, ond wann d'fortreist no so weit."

Sein Alleinstellungsmerkmal unter den drei Erhebungen hat der Kleinheppacher Kopf noch nicht so lange: Von hier oben starten die Gleitschirmflieger, die „Köpfleshupfer“. Die schleppen ihren schweren Rucksack in der Regel über einen der vielen befestigten Weinbergwege auf die 456 Meter Abflughöhe.

Spaziergänger, die sich an heißen Tagen nicht der prallen Sonne aussetzen möchten, können auch durch den Wald ans Ziel gelangen. Beispielsweise über einen ziemlich alten, verwunschenen und versteckten Pfad, dessen Name ein paar Rätsel aufgibt. Heißt er Leanderweg? Oder Leandersteig? Das stark verwitterte, zu Beginn des Pfades an einen Baum geschraubte rote Blechschild hat zweifellos ein paar heiße Sommer und kalte Winter gesehen.

Hier oben, wo die Kinder zu Zeiten, als im Remstal noch Schnee fiel, mit dem Holzschlitten die steilen Wengertwege hinunterbrausten. Im Sommer vertrieben sie sich die Zeit an den Hängen zwischen Wald und Weinreben. Dort, wo unweit des Wanderpfades ein ehemaliges Forsthaus in eine Gastwirtschaft umfunktioniert wurde und mehr war als ein Geheimtipp.

Neandertalweg oder Neandertalerweg nannten die Kinder den Waldpfad. Eine Bezeichnung, die hervorragend passt. Sollten unsere Vorfahren hier oben einst Mammuts gejagt haben, waren sie auf diesem schmalen, dicht bewachsenen Weg sehr gut getarnt. Und weil die Neandertaler kaum größer waren als 1,60 Meter, konnten sie sich bequem fortbewegen. Der Wanderer dagegen muss sich hier und da ein bisschen klein machen, weil sich immer mal wieder ein umgestürzter Baum quer über den Hang gelegt hat.

Zunächst jedoch startet die Wanderung im aufrechten Gang, ein guter Ausgangspunkt ist dabei die Neue Kelter in den Korber Weinbergen. Rechts geht’s an der Kelter vorbei und etwa 800 Meter auf dem geteerten Sträßchen leicht bergan und stets geradeaus unterhalb des Hörnleskopfes. An der Wegkreuzung am Ende des Wengerts wählen wir nicht links bergan den Speidelweg (Wanderschild), sondern queren diesen und folgen kurz nach der Ruhebank links dem Pfad bergan, vorbei an einem hübsch ausgebauten Wochenendhäusle.

Hier beginnt der etwa 1200 Meter lange Pfad aufs „Köpfle“. Nach 200 Metern weisen in einer scharfen Rechtskehre das rote, verblichene Blechschild „Lea ... - ... ig“ und ein großes, aufgepinseltes „L“ an den Bäumen den Weg. Viele Markierungen gibt’s fortan nicht mehr. Die sind aber auch nicht nötig, denn Verlaufen ist kaum möglich. Viel zu früh endet dieser fabelhafte Weg am unteren Startpunkt der Gleitschirmflieger, auf den letzten Metern hat der Wanderer den Hohenstaufen im Blick.

Und er wird sich nicht entscheiden können, was schöner ist: der Neandertalerweg oder der Ausblick vom „Köpfle“, den Kurt Dobler einst zigmal genossen hat: "S'Remstal nuff, ond s'Remstal na, d'Schwäbisch Alb ond hentara über Stuagert bis ens Gäu, sieht mr dort bei Sonneschei."

Für Nicht-Einheimische ist’s bisweilen ein wenig knifflig, die drei „Köpfe“ auseinanderzuhalten, die stolz herabblicken auf die Weinberg-Gemeinde Korb. Dabei haben der Kleinheppacher Kopf, Hörnleskopf und Korber Kopf durchaus ihren eigenen Charakter. Gemein indes ist ihnen der prächtige Ausblick, den der Wanderer und Spaziergänger von hier oben genießt.

Für die Kleinheppacher ist ihr Hausberg, den sie liebevoll „s’Köpfle“ nennen, natürlich der schönste des Trios. Der Heimatdichter

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper