Korb

Mangelnder Datenschutz: Im Bürgerbüro von Korb hört jeder mit

Bürgerbüro Korb
Persönliches zu besprechen, ohne dass es bald der ganze Flecken weiß? Im Korber Bürgerbüro eher schwierig. Das soll sich ändern. Foto: Büttner © Benjamin Büttner

Wer in Korb die Hilfe der Gemeinde braucht, dessen Weg führt in den meisten Fällen in das Bürgerbüro in der Winnender Straße. Hier werden Hochzeiten und Beerdigungen besprochen, Probleme mit der Rente oder Sozialhilfe geklärt, hier werden Menschen, die noch nicht gut Deutsch sprechen, bei Anträgen aller Art unterstützt. Vieles ist klassischer Behördenkram, Anmeldung hier, Abmeldung da – oft gibt es aber auch wirklich Persönliches zu besprechen. Für diese Fälle ist das Bürgerbüro ungeeignet. Denn mit Diskretion und Datenschutz ist es nicht weit her in der ehemaligen Volksbankfiliale. Die provisorischen Trennwände zwischen den Schaltern, an denen die Beraterinnen sitzen, dienen zwar als Sicht-, keineswegs aber als Hörschutz.

„Da kriegt man wirklich jedes Wort mit, das gesprochen wird“

„Da kriegt man wirklich jedes Wort mit, das gesprochen wird, auch wirklich heikle Dinge“, sagte der Grünen-Gemeinderat Benjamin Rohrwasser vergangene Woche im Gemeinderat. In der öffentlichen Sitzung in der Mehrzweckhalle Kleinheppach stand das Thema zum wiederholten Mal auf der Tagesordnung. Jetzt haben die Korber konkrete Umbaumaßnahmen beschlossen.

Zur Erinnerung: Das Bürgerbüro war im Februar 2018 aus dem Rathaus in die Winnender Straße gezogen. Die Gemeinde wollte in der ehemaligen Bankfiliale einen besseren und vollständig barrierefrei erreichbaren Bürgerservice bieten und besonders publikumsintensive Dienstleistungsangebote zusammenfassen. Bald wurden allerdings erste Beschwerden über mangelnde Privatsphäre und das Fehlen öffentlicher Sanitäranlagen laut.

Nachdem mittlerweile ein behindertengerechtes Besucher-WC eingebaut worden sei, sagte Bürgermeister Jochen Müller in der jüngsten Gemeinderatssitzung, werde es jetzt Zeit für die nächste Maßnahme: „Wir müssen das Thema Datenschutz angehen.“ Darüber herrscht sowohl im Rathaus als auch bei den Bürgervertretern Konsens. Schon im November 2019 hatte der Gemeinderat beschlossen, 50 000 Euro für datenschutzbedingte Umbaumaßnahmen im Bürgerbüro in den Investitionsplan für das Jahr 2020 aufzunehmen. Jetzt hat der Gemeinderat den Plänen zugestimmt, die Hauptamtsleiterin Adalina Agejew gemeinsam mit den Büroplanern der Hess GmbH und den Mitarbeiterinnen im Bürgerbüro erstellt hat. „Mittels einer Kombination von Absorber- und Glaselementen sowie einer minimalen Neuanordnung wurde angestrebt, den Nutzer- und Datenschutzbedürfnissen gleichermaßen zu entsprechen“, heißt es in der entsprechenden Vorlage des Gemeinderats.

Gehen die Maßnahmen weit genug?

Der in die Planung eingebundene Datenschützer habe sich positiv zu dieser Lösung geäußert, die mehrere raumhohe, Geräusche absorbierende Glaswände und einen neuen Wartebereich vorsieht.

Ob diese Maßnahmen weit genug gehen? „Wir wollen keinen Hochsicherheitsbereich schaffen“, hat Bürgermeister Jochen Müller in der Kleinheppacher Mehrzweckhalle klargestellt. Die Mitarbeiterinnen im Bürgerbüro sowie die Besucher sollten sich ja nicht unwohl fühlen. Was aber in Zukunft definitiv verhindert werden soll: dass Dritte Kenntnis von „sensiblen Daten“ erlangten, die sie eigentlich nichts angehen.

Die Gemeinde geht derzeit davon aus, dass die vorgesehenen 50 000 Euro für die Maßnahme ausreichen werden. Wann die Umbaumaßnahmen starten, die jetzt ausgeschrieben werden, ist laut Bürgermeister Jochen Müller noch ungewiss. Das hängt in Zeiten der Corona-Krise auch davon ab, wann Handwerker überhaupt verfügbar sind. Momentan, so Müller, sei der Datenschutz ohnehin kein Problem. Die Menschen würden ja nur einzeln eingelassen.

Wer in Korb die Hilfe der Gemeinde braucht, dessen Weg führt in den meisten Fällen in das Bürgerbüro in der Winnender Straße. Hier werden Hochzeiten und Beerdigungen besprochen, Probleme mit der Rente oder Sozialhilfe geklärt, hier werden Menschen, die noch nicht gut Deutsch sprechen, bei Anträgen aller Art unterstützt. Vieles ist klassischer Behördenkram, Anmeldung hier, Abmeldung da – oft gibt es aber auch wirklich Persönliches zu besprechen. Für diese Fälle ist das Bürgerbüro ungeeignet.

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper