Korb

Miet-Koch macht Privatküchen zum Restaurant

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Seit 25 Jahren bieten die ausgebildeten Gastronomen Haiko Schlüter und Annette Kohler Catering auf hohem Niveau an. © Büttner/ZVW
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Auf Bestellung verwandelt sich das eigene Zuhause in ein Restaurant.
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Ein Dessert der Profi-Köche.

Korb. Events von SWR und Motorpresse, Abibälle und Hochzeiten, Geburtstage und Candelight-Dinner: Haiko Schlüter und Annette Kohler sind gefragt. Die beiden zaubern für jeden Anlass Buffetspeisen und Menüs auf den Tisch. Vor 25 Jahren haben die Gastronomen ihren Partyservice „Blanc et noir“ mit einem unkonventionellen Angebot gegründet: Sie verwandelten das heimische Esszimmer zum Restaurant.

Eine schöne Vorstellung: Ein frisch zubereitetes Hummer-Menü wartet in der heimischen Küche. Das Licht von Kerzen erhellt den Esstisch, verleiht Wein und Wasser ein geheimnisvolles Leuchten. Voller Vorfreude setzt sich die Gesellschaft an den Tisch – in gemütlicher Kleidung, ohne Zwang. Der erste Gang wird aufgetragen. Und im Wissen, nicht einmal spülen zu müssen, beginnt das große Schmausen.

„Homecooking“ nennt sich dieses Angebot, englisch für „Zuhause kochen“. Ein schlichter Name für ein aufwendiges Konzept: Der ausgebildete Koch Haiko Schlüter und seine Partnerin Annette Kohler, ebenfalls gelernte Gastronomin, verwandeln das Zuhause ihrer Kunden in ein Restaurant. Im Gepäck haben sie Töpfe, Zutaten, Tischdekoration, bei Bedarf auch einen Herd und Geschirr. So bereiten sie ein Menü nach Wahl zu, aufgetragen auf dem eingedeckten Esstisch des Gastgebers.

Die beiden Caterer bringen alles Notwendige mit – sogar einen Herd

Als sie vor 25 Jahren damit begonnen haben, hatte dieses Angebot noch gar keinen Namen. Geradezu exotisch war es damals, erinnert sich Kohler: „Man kannte halt die Wurstplatte vom Metzger.“

Auf die Idee zum Heimrestaurant ist das Paar 1992 gekommen. An Silvester servierten sie auf einer Privatfeier von Schlüters Küchenchefin ein Sieben-Gänge-Menü. Salat mit Wachtelpralinen, Käse, Hummer, Lamm gab es zum Beispiel. Ihr Einfall ließ sie nicht mehr los; und schon wenige Monate später eröffneten sie nebenberuflich ihren Partyservice. „Blanc et noir“ nannten sie ihn, angelehnt an den französischen Küchenjargon: „blanc“ (weiß) für Köche, „noir“ (schwarz) für Servicekräfte.

Mund-zu-Mund-Propaganda gab Starthilfe

Es brauchte eine ganze Weile, bis die Nachfrage wuchs. Sie machten Werbung mit Flyern und Anzeigen, verkauften Essige und Öle auf Weihnachtsmärkten. Doch den Ausschlag gab die Mund-zu-Mund-Propaganda, erinnert sich Köhler.

Nach drei Jahren erhielten sie ihren ersten großen Auftrag, eine Hochzeit mit hundert Gästen. Mangels Betriebsfahrzeug karrten sie ihre Küchenutensilien und Zutaten mit einem VW Golf, Honda Civic und VW Passat aufs Festgelände. „Das wissen Kunden noch heute“, berichtet Kohler amüsiert. Noch heute bewirteten sie die Familie zu jeder Feier.

Doch zurück ins Jahr 1996: Noch im selben Jahr ihres ersten großen Auftrages begann Schlüter, hauptberuflich als Caterer zu arbeiten. Gemeinsam mit Kohler kaufte er ein Haus in Korb, nur wenige Meter von der bisherigen Wohnung des Paares entfernt. Im ersten Stock richteten die beiden eine professionelle Küche ein, im Gewölbekeller ein Weinlager. 1999 machte auch Kohler den Partyservice zum Hauptberuf.

Vom Candle-Light-Dinner bis zur Hochzeit

Mittlerweile ist das Paar voll ausgebucht und hat etwa zwanzig Servierkräfte an der Hand. Sie bieten Candle-Light-Dinner für Zwei, kochen aber auch für Veranstaltungen vom Firmenevent bis zur Hochzeit. Für solche Großveranstaltungen sollten Kunden möglichst ein Jahr vorher Terminanfragen schicken, sagt Kohler. Manchmal sei spontan – also eine Woche vorher, vor dem Montagseinkauf – noch ein Plätzchen für eine kleinere Gesellschaft frei. Doch wer sicher gehen wolle, müsse sich deutlich früher melden. Oder es machen wie einzelne Kunden: Die ließen sich manchmal Extra-Portionen vom aktuellen Auftragsmenü der Caterer mitkochen.

Erfahrung in der Sterneküche

Der Erfolg des Paares beruht nicht zuletzt auf ihrem Qualitätsbewusstsein. Da beide in Sterne-Betrieben gearbeitet haben, wissen sie, wie gute Küche und guter Service aussehen. Ihre Lieferanten wählen sie sorgfältig aus; Farbstoffe und Fertigmischungen kommen ihnen nicht in die Küche. Aus ihren Urlauben rund um die Welt bringen sie stattdessen Rezepte und Zutaten mit: vietnamesische, ägyptische, zypriotische. Auch wenn sie nicht besonders oft frei haben. Gerade einmal drei Wochen im Jahr gönnen sie sich. Was sie vor Ort kaufen – einen kompletten Tag pro Woche nehme das in Anspruch –, sollte hochwertig und frisch sein. Regional und saisonal nach Möglichkeit auch. Da sind allerdings Grenzen gesetzt: Papaya oder Wildlachs gibt’s eben nicht aus der Gegend. „Aber bei Erdbeeren zu Weihnachten: Da sag ich nö“, sagt Kohler bestimmt. Die Kunden scheinen’s zu verzeihen.

Liebevoll angerichtet und frisch zubereitet: ein Beeren-Dessert aus Schlüters Küche.

Sterne-Erfahrung

In ausgezeichneten Betrieben haben Haiko Schlüter und Annette Kohler gearbeitet.

Haiko Schlüter, Jahrgang 1969, stammt aus der Nähe von Darmstadt und ist im Forsthotel Carnier im Odenwald zum Koch ausgebildet worden. Dessen Küche ist vom Restaurantführer „Gault-Millau“ mit 14 Punkten ausgezeichnet worden. Schlüter schloss als Innungsbester ab. Danach arbeitete er unter anderem in französischen und deutschen Lokalen mit ein bis drei Michelin-Sternen.

Ulmerin Annette Kohler, geboren 1960, hat im elterlichen Betrieb eine Ausbildung zur Bäckerin gemacht. Anschließend ließ sie sich zur Service-Kraft ausbilden und arbeitete sich in verschiedenen Lokalen und Hotels zur Ausbilderin, Restaurantleiterin, stellvertretenden Geschäftsführerin und Hoteldirektorin hoch. Wie Schlüter arbeitete sie zeitweise in Betrieben mit einem Michelin-Stern. Kennengelernt haben sie ihn im Forsthotel Carnier.