Korb

Nach erneuter Attacke in Korb: 27-Jähriger kann vorerst nicht abgeschoben werden, Helfer sind sehr besorgt

Flüchtlingsheim Korb
Die Anschlussunterbringung für Geflüchtete in Korb. © Gabriel Habermann

Es ist der zweite Angriff in Korb innerhalb von zwei Wochen, der von einem 27-Jährigen ausging. Nachdem der Mann, bei dem es sich um einen abgelehnten Asylbewerber handelt, am 24. Juni eine Mitarbeiterin im Korber Bürgerbüro mit einer Krücke angegriffen hatte, soll er laut Polizei am Montag einen 66-jährigen Mitarbeiter in der Korber Anschlussunterbringung für Flüchtlinge angegriffen haben.

Gemeinde-Mitarbeiter wehrte sich mit Tierabwehrspray

Wie die Polizei mitteilt, begab sich der 27-Jährige, der in der Unterkunft lebt, kurz vor 13 Uhr in das Büro des Integrationsmanagers und verhielt sich äußerst aggressiv. Der 66-Jährige setzte sich mit einem Tierabwehrspray zur Wehr und schloss sich anschließend in sein Büro ein. Gegen 15.15 Uhr begab sich der Mann erneut in das Büro und griff den Integrationsmanager mit seinen Krücken an und verletzte ihn leicht.

Der Mann, der bereits in der Vergangenheit für Aufregung gesorgt, einen Mitarbeiter vor Ort (ebenfalls einen Integrationsmanager) attackiert und damit gedroht hatte, die Unterkunft anzuzünden, wurde bereits im Januar wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu sechs Monaten Haft verurteilt. Doch er legte Berufung ein. „Das Berufungsverfahren wird vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt werden, aber es gibt noch keinen Termin“, teilt die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Warum keine Abschiebung?

Weshalb ist es so schwierig, diesen einzelnen Unruhestifter in den Griff zu bekommen? Und warum konnte er bislang nicht abgeschoben werden? Auf Anfrage heißt es dazu vom Regierungspräsidium Karlsruhe, welches in Baden-Württemberg für die Organisation von Abschiebungen zuständig ist, dass der Mann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht abgeschoben werden kann.

„Wenn keine Reisedokumente für den betreffenden Ausländer vorliegen, kommt eine Abschiebung zunächst nicht in Betracht. Der Ausländer wird daher geduldet, das heißt, die Abschiebung wird vorübergehend ausgesetzt, bis die erforderlichen Rückreisedokumente vorliegen“, heißt es. „Das Regierungspräsidium leitet in diesen Fällen, wie auch hier, Maßnahmen zur Beschaffung der für eine Rückführung erforderlichen Reisedokumente ein.“ Der Mann stammt bisherigen Informationen zufolge aus Gambia.

Bürgermeister Jochen Müller: Jetzt muss gehandelt werden

„Es ist einfach der Zeitpunkt gekommen, wo man schnellstmöglich diese Verfahren, die ja grundsätzlich am Laufen sind, weiterführt“, sagt der Korber Bürgermeister Jochen Müller. „Man muss etwas machen.“ Vor allem sei ihm wichtig, „dass jetzt die rechtlichen Möglichkeiten, die grundsätzlich da sind, so schnell wie möglich auch ergriffen und umgesetzt werden“. Dazu gehören ihm zufolge, die erforderlichen Dokumente zu bekommen und „die Verhandlung zu terminieren“. Der Bürgermeister sagt: „Wir versuchen unsere Mitarbeiter, insbesondere den Integrationsmanager, zu schützen, indem wir ihm weiteres Personal zur Seite stellen.“

Bei dem angegriffenen Integrationsmanager handelt es sich um einen neuen Mitarbeiter der Gemeinde, der erst seit Mitte Juni im Einsatz ist. Bereits bei seinem Dienstantritt haben sich die ehrenamtlichen Helfer des Vereins Freundeskreis Asyl mit ihm ausgetauscht – unter anderem über die Situation mit dem problematischen 27-Jährigen.

„Es ist tatsächlich so, dass er für uns erkennbar zunehmend aggressiver wird“, sagt Silke Gärtner-Janot, Vorsitzende des Freundeskreises und Grünen-Gemeinderätin. Der Asylbewerber habe seine Aggression bislang damit erklärt, dass ihm persönliche Gegenstände fehlten, oder mit seiner Fußverletzung, so Gärtner-Janot. Doch auch nachdem alles geregelt wurde, sei keine Besserung zu spüren gewesen. Er ist weiter aggressiv, sagt sie, und er werde „zunehmend auffälliger“.

Situation bereitet Ehrenamtlichen große Sorgen

Das bereitet auch den Ehrenamtlichen große Sorgen. Auch „vor dem Hintergrund, was in Würzburg passiert ist“, sagt Silke Gärtner-Janot. Dort steht ein Somalier unter Tatverdacht, mehrere Menschen niedergestochen zu haben. Eine gewisse Beunruhigung sei auch in Korb zu spüren gewesen, nachdem das Bürgeramt geschlossen wurde.

„Wir vom Freundeskreis sind der ganz strengen Auffassung, dass hier alle Beteiligten ganz, ganz konsequent handeln müssen“, sagt sie. „Das ist uns wirklich wichtig. Dass die Verurteilung, die er erhalten hat, vollzogen wird, dass er aus dem Camp wegkommt.“ Und es sei ein ganz großes Anliegen für sie, „dass es zügig passiert“. Der junge Mann solle dadurch auch merken, „dass sein Tun Konsequenzen hat, dass vor allen Dingen diese vielen Anzeigen, die seither aufgelaufen sind, auch Konsequenzen haben".

Darüber hinaus setzt sich der Freundeskreis weiterhin für die Arbeit des Integrationsmanagers ein, der direkt in der Unterkunft vor Ort ist, mit den Menschen arbeitet, Programme für sie erstellt, oder sie in Sprachkursen anmeldet. Dass die Arbeit des Integrationsmanagers im Camp durch diese Übergriffe nicht eingeschränkt oder gar eingestellt wird, sei dem Verein wichtig. „Diese Sorge haben wir gerade tatsächlich“, sagt Silke Gärtner-Janot.

Denn die Gemeinde habe natürlich eine Fürsorgepflicht den Mitarbeitern gegenüber. Silke Gärtner-Janot plädiert deshalb dafür, das Thema „Sicherheitsdienst in der Unterkunft“ erneut auf die Agenda zu setzen – möglichst vor der Sommerpause. Der Vorschlag der Gemeindeverwaltung, einen Sicherheitsdienst einzusetzen, wurde im November vom Gemeinderat abgelehnt.

Auch Ehrenamtliche wurden angegriffen

„Der neue Betreuer ist zwei Tage im Camp und an diesen zwei Tagen muss unbedingt jemand von einem Sicherheitsdienst da sein“, findet sie. Aktuell wird der Integrationsmanager wie bisher in der Regel von zwei Freundeskreis-Mitgliedern begleitet. Das könne aber nicht die Aufgabe von Ehrenamtlichen sein, findet Gärtner-Janot. Denn auch ein Mitglied des Freundeskreis wurde bereits von dem Mann angegriffen und mit Wein übergossen. Weshalb die Frau sich alleine nicht mehr in die Unterkunft traue, so die Gemeinderätin.

Darüber hinaus befürchtet Silke Gärtner-Janot, „wenn man dem nicht konsequent entgegensteht“, könnten andere Bewohner der Unterkunft „möglicherweise das Verhalten“ des Mannes übernehmen. Der Freundeskreis hat Gärtner-Janot zufolge bereits den Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek (CDU) angeschrieben. „Wir wollen vermeiden, dass sich dieser Konflikt verfestigt und falsche Botschaften an alle anderen Flüchtlinge schickt“, sagt sie. „Wir sind wirklich ganz streng der Auffassung, dass unser Rechtssystem mit aller Konsequenz einschreiten muss, weil wir auch große Sorge haben, dass sich der Mann immer mehr in irgendetwas reinsteigert und dann nicht mehr steuerbar ist.“

Es ist der zweite Angriff in Korb innerhalb von zwei Wochen, der von einem 27-Jährigen ausging. Nachdem der Mann, bei dem es sich um einen abgelehnten Asylbewerber handelt, am 24. Juni eine Mitarbeiterin im Korber Bürgerbüro mit einer Krücke angegriffen hatte, soll er laut Polizei am Montag einen 66-jährigen Mitarbeiter in der Korber Anschlussunterbringung für Flüchtlinge angegriffen haben.

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