Korb

"Nachtwanderer": Im Einsatz gegen Lärm und Müll

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Treffen nach Sonnenuntergang in Korb: Bürgermeister Jochen Müller und die „Nachtwanderer“ (von links) Walter Schwarz, Manfred Leichnitz, Dieter Nickel und Heidi Gröger. © ZVW/Gabriel Habermann

Korb.
Es hat in Korb eine Zeit gegeben, da galt der Seeplatz in der Ortsmitte als „Brennpunkt“. Ende der 00er Jahre war das, Anfang der 10er Jahre. Ständig musste die Polizei kommen, um randalierenden, grölenden und betrunkenen jungen Menschen Platzverweise zu erteilen. Es wurden Drogen verkauft, Rennen gefahren und Massenschlägereien ausgetragen. Am Start war nicht nur der Korber Nachwuchs. Aus der ganzen Umgebung kamen Gäste nach Korb, auf die viele Anwohner rund um den Seeplatz gerne verzichtet hätten. Bürgermeister Jochen Müller erinnert sich heute, knapp zehn Jahre später: „Damals sind Leute aus Murrhardt und von sonst wo her abends nach Korb gefahren. Die haben gesagt: Da ist was los, da gehen wir hin.“

Die Folge: Müll, Lärm, Zoff. Die Gemeinde hatte ein echtes Problem. Zumal die Nerven auf Seiten der Anwohner irgendwann derart blank lagen, dass jedes noch so harmlose Beisammensein auf dem Seeplatz als Lärmbelästigung bei der Polizei angezeigt wurde. Korb ließ nichts unversucht: Alkoholverbote, Patrouillen einer privaten Sicherheitsfirma, organisierte Aussprachen zwischen Jugendlichen und Anwohnern in der Alten Kelter. Und schließlich, im September 2012, nahmen die ehrenamtlichen „Nachtwanderer“ ihren Dienst auf.

Das Projekt hatte Erfolg – und besteht bis heute

Eine Studie von Studenten zum Seeplatz hatte die Korber auf die Idee gebracht, ehrenamtliche Bürger einzusetzen, um die Situation zu entschärfen. Vorbild waren die Nachtwanderer in Öhringen. Ihr Ziel: Ansprechpartner für Jugendliche sein, Vertrauen aufbauen und für ein respektvolles Miteinander einstehen. Nachtwächter oder gar eine Bürgerwehr sollten die Ehrenamtlichen ausdrücklich nicht sein.

Das Projekt hatte Erfolg. Bereits kurz nach Amtsantritt der Ehrenamtlichen war der Brennpunkt Seeplatz abgekühlt. Und spätestens seit die Ortsmitte zur Remstal-Gartenschau umgebaut wurde, gibt es hier kaum noch Vermüllung und Vandalismus, mal abgesehen von Einzelfällen wie der zerstörten Werbefigur eines Imbisses am vergangenen Wochenende.

Das heißt aber nicht, dass es die Nachtwanderer nicht mehr gibt. Noch immer ist eine Gruppe um Walter Schwarz (72) und Manfred Leichnitz (58), die schon bei der Gründung dabei waren, in Korb unterwegs. Kürzlich wurden die Ehrenamtlichen mit neuen roten Jacken und Mützen eingedeckt. Schließlich sind sie das ganze Jahr über im Einsatz, wenn auch derzeit mangels Personal nur noch einmal im Monat. Als einzige Frau ist die 87-jährige Heidi Gröger im Einsatz – sie wünscht sich weibliche Verstärkung. Weitere Mitglieder würden auch den vierten Nachtwanderer Dieter Nickel (64) freuen – wer Interesse hat, Teil der Gruppe zu werden, für den stellt Hauptamtsleiterin Adalina Agejew (Tel. 0 71 51/93 34 11) den Kontakt her.

"Die Jugendlichen merken: Mensch, die kümmern sich"

Derzeit können die Nachtwanderer in Korb keine Brennpunkte ausmachen. Natürlich gibt es aber öffentliche Orte, an denen sich junge Leute gerne treffen, zum Beispiel hinterm Rathaus. Wenn die Musik zu laut ist, bitten die Nachtwanderer höflich darum, sie doch etwas leiser zu stellen, außerdem gibt’s den Hinweis, dass Flaschen und Chipstüten nicht einfach liegen bleiben sollten. Die Gespräche verlaufen so gut wie immer höflich, ganz anders als früher auf dem Seeplatz, als sich Alte und Junge teilweise wüst beschimpften. Das dürfte auch daran liegen, dass die Ehrenamtlichen nicht mit erhobenem Zeigefinger umherspazieren. Manfred Leichnitz hat das Gefühl, viele der Angesprochenen freuten sich eher über die Kontaktaufnahme: „Die Jugendlichen merken: Mensch, die kümmern sich.“

Manchmal schaut Nachtwanderer Dieter Nickel am nächsten Tag an den Orten vorbei, an denen er und seine Mitstreiter eine Gruppe angesprochen und für ihren Müll sensibilisiert haben. Wenn alles aufgeräumt ist, sagt er, dann sei das schon „ein kleines Erfolgserlebnis“.

Korb.
Es hat in Korb eine Zeit gegeben, da galt der Seeplatz in der Ortsmitte als „Brennpunkt“. Ende der 00er Jahre war das, Anfang der 10er Jahre. Ständig musste die Polizei kommen, um randalierenden, grölenden und betrunkenen jungen Menschen Platzverweise zu erteilen. Es wurden Drogen verkauft, Rennen gefahren und Massenschlägereien ausgetragen. Am Start war nicht nur der Korber Nachwuchs. Aus der ganzen Umgebung kamen Gäste nach Korb, auf die

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