Korb

Neues Kinderhaus hat nicht genügend Plätze: Wohin mit den Kindern?

Kinderhaus Entwurf
So könnte das neue Kinderhaus nach ersten Entwürfen der Bankwitz-Architekten in etwa aussehen. © Bankwitz Architekten

Zu viele Kinder auf der Warteliste und ständig steigender Betreuungsbedarf: Die Gemeinde Korb bekommt die ansässigen Kinder in den bestehenden Einrichtungen nicht mehr unter. Was Hoffnung macht: Im Neubaugebiet Südrand Langenäcker ist ein neues viergruppiges Kinderhaus geplant. In der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag sind erste Entwürfe vorgestellt worden. Dabei wurde klar: Ein Allheilmittel ist das neue Kinderhaus nicht – so sehr sich das auch alle wünschen.

Im Mai 2020 hatte der Gemeinderat die Planung eines Kinderhauses für das Neubaugebiet beschlossen. Darin sollen vier Gruppen einziehen: zwei im Bereich Kinderkrippe für die unter Dreijährigen und zwei Kindergarten-Gruppen für die älteren Kinder. Im Oktober fand das Auftaktgespräch für die Planungsphase statt, das Architektenbüro Bankwitz aus Kirchheim unter Teck konnte den Wettbewerb für sich gewinnen. Diese Woche hat der Architekt Thomas Wagner dem Gemeinderat die ersten Skizzen seines Büros vorgelegt.

Am wichtigsten ist der Garten

Das Kinderhaus soll eine zentrale Lage im Wohngebiet Südrand Langenäcker bekommen: direkt neben dem neuen Quartiersplatz und einem öffentlichen Spielplatz, der ebenfalls noch gebaut werden muss. Das wichtigste Element ist aber tatsächlich nicht das Gebäude selbst, sondern die Außenanlage: Eine Kindertagesstätte braucht einen großen Garten, da der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) eine Freifläche von acht Quadratmetern pro Kind vorschreibt. Der Verband muss die neue Kita dann nach Fertigstellung für den Betrieb zulassen.

Bei einer normalen Gruppengröße von 20 bis 25 Kindern im Kindergartenbereich und zehn Kindern in der Krippe braucht die neue Kita also einen wirklich großen Spielbereich im Freien. Dieser soll nach aktuellem Entwurfsstand Richtung Quartiersplatz und Spielplatz hinausgehen, geschützt von der Straße, die die Kita auf den beiden anderen Seiten umgibt. Das unebene Grundstück habe sein Team vor einige Herausforderungen gestellt, so Architekt Wagner. Schließlich seien sie auf den Entwurf für ein zweistöckiges, grob L-förmiges Gebäude in Holzbauweise gekommen, in das man ebenerdig hineinkommt, bei dem der Garten für die Kindergartenkinder ein Geschoss höher, aber ebenfalls direkt anschließt. Für die Krippen-Kinder ist eine Dachterrasse geplant.

Jede Gruppe bekommt einen eigenen Bereich

Innen ist das Gebäude in vier Cluster aufgeteilt: Jede Gruppe hat also einen eigenen Bereich mit allen dazugehörigen Räumen. Die Flure sollen breit sein, damit darin gespielt werden kann. Auch Küche und Mensa sowie einige Werk- und Mehrzweckräume sind miteingeplant. Dem Korber Gemeinderat scheint dieser erste Entwurf durchaus zu gefallen. Doch etwas anderes beunruhigt die Ratsmitglieder ganz offensichtlich: Ist dieses Kinderhaus, in dem 60, maximal 70 Kinder gleichzeitig betreut werden können, im Hinblick auf den großen Bedarf an Betreuungsplätzen wirklich auch groß genug?

Obwohl sich der Gemeinderat im vergangenen Mai ja bereits auf diese bestimmte Größe festgelegt hatte, kommen bei dem ein oder anderen Zweifel auf. „Es wären 80 Kinder auf der Liste“, merkte Martin Zeller, Fraktionsvorsitzender von CDU und Freien Wählern, an. Wäre es denn nicht möglich, den Grund besser auszunutzen? 60 neue Plätze seien in Relation zum Bedarf in der Gemeinde kaum ausreichend. Viele seiner Ratskollegen nicken zustimmend.

Nur ein drittes Geschoss könnte 80 Kinder unterbringen

Thomas Wagner erklärt, dass es im Gebäude keinen Platz gibt, einen kompletten fünften Gruppenbereich unterzubringen – denn das wäre nötig, um auf mehr als 70 Kinder zu kommen. Die einzige Lösung wäre, noch mal ein komplettes Geschoss obendrauf zu bauen: Das hätte dann aber mit der derzeitigen Planung wenig zu tun und würde auch im Hinblick auf die benötigte Freifläche neue Fragen aufwerfen.

Trotzdem diskutiert der Gemeinderat eine ganze Weile sehr angeregt darüber, ob so ein zusätzliches Geschoss nicht sinnvoll wäre. Von den Gegenargumenten des Architekten und des Bürgermeisters, dass das Gebäude dann zu massig wirken würde und viel teurer wäre, lassen sie sich nicht beeindrucken.

Rohrwasser: "Wieso nicht größer bauen?"

Besonders Benjamin Rohrwasser von Bündnis 90/Die Grünen befürwortet die dreigeschossige Alternative ganz klar: Sicher, der Gemeinderat habe vergangenes Jahr für ein viergruppiges Kinderhaus gestimmt. „Aber wir müssen unsere Fehler auch zugeben können“, so Rohrwasser. Die Alternative zum dritten Geschoss sei es, später noch mal einen zusätzlichen Kindergarten woanders zu bauen. „Wieso dann nicht den hier größer bauen? Ich möchte ganz energisch darauf drängen, dass man diese 20 Kinder unterbringt.“

Doch es sprechen auch viele andere Argumente gegen die große Lösung. Es sei doch viel sinnvoller, mehrere kleine Einrichtungen über die Ortschaften verteilt zu haben, als eine große, wirft Nicola De Vitis von den Korber Freien Bürgern ein. Schon mal, um die Wege kurz zu halten.

Größer bedeutet auch eine höhere Belastung

Auch die Erläuterung von Bürgermeister Jochen Müller, dass der ganz neue Ansatz das Projekt um Monate zurückwerfen würde und die Eltern so noch länger auf neue Betreuungsplätze warten müssten, leuchtet ein. Nicht zuletzt bedeute eine große Einrichtung auch mehr Belastung für die Anwohner, die Erzieherinnen – und nicht zuletzt auch für die Kinder selbst.

Nach langer Beratung stimmt der Gemeinderat mit einer großen Mehrheit dem Planungskonzept der Bankwitz-Architekten zu – damit ist das dritte Geschoss vom Tisch. Des Weiteren werden die Tragwerksplanung, die Elektroplanung und die Planung für Heizung, Lüftung und Sanitär an drei Firmen aus Köngen, Weinstadt und Kirchheim unter Teck vergeben. Ein weiterer Schritt in Richtung Bau des Kinderhauses – doch das Thema Kinderbetreuung dürfte Korb noch eine Weile beschäftigen.

Zu viele Kinder auf der Warteliste und ständig steigender Betreuungsbedarf: Die Gemeinde Korb bekommt die ansässigen Kinder in den bestehenden Einrichtungen nicht mehr unter. Was Hoffnung macht: Im Neubaugebiet Südrand Langenäcker ist ein neues viergruppiges Kinderhaus geplant. In der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag sind erste Entwürfe vorgestellt worden. Dabei wurde klar: Ein Allheilmittel ist das neue Kinderhaus nicht – so sehr sich das auch alle wünschen.

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