Korb

Ortschaftsrätin plädiert für eine Frauenquote

1/3
Korb bleibt bei Schulbauplänen_0
Im Korber Gemeinderat, hier gut besucht bei der Diskussion über den Umbau der Urbanschule, sitzen lediglich drei Frauen. © Striebich / ZVW
2/3
_1
Die Kleinheppacherin Ulrike Boss engagiert sich in der Korber SPD – und wünscht sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik. Das weibliche Geschlecht ist krass unterrepräsentiert.
3/3
_2
Gemeinderätin Susanne Bloching. © privat

Korb. Am 19. Januar 1919 durften bei den Parlamentswahlen in Deutschland erstmals Frauen ihren Stimmzettel abgegeben und selbst kandidieren. 100 Jahre später regiert eine Bundeskanzlerin das Land, unter den 15 Bundesministern sind immerhin sechs Frauen. Doch auf kommunaler Ebene sind die Mandatsträgerinnen schwer unterrepräsentiert. 15 Männern stehen im Korber Gemeinderat nur drei Frauen entgegen. Ortschaftsrätin Ulrike Boss findet: Das muss sich ändern.

Etwas mehr als die Hälfte aller Menschen in Deutschland sind weiblich. Doch in den politischen Gremien ländlich geprägter Kommunen schlägt sich das nicht nieder. Im Korber Gemeinderat sitzen gerade einmal drei Frauen, rund 83 Prozent der Mandatsträger sind Männer. Und in den umliegenden Gemeinden sieht es nicht besser aus. Nur das beschauliche Schwaikheim, wo immerhin zwei Drittel der Räte Frauen sind, und die Kreisstadt Waiblingen schlagen aus der Reihe.


 

Woran liegt das? Ulrike Boss ist 37 Jahre alt, Pfarrerin, dreifache Mutter, Vorsitzende des kleinen Korber Ortsvereins der SPD und eine von zwei Ortschaftsrätinnen in Kleinheppach. Im Herbst rief sie die Korber Frauen öffentlich dazu auf, bei den Kommunalwahlen im Mai zu kandidieren. „Mir fällt auf, dass viele Korber Frauen ehrenamtlich in allen Bereichen sehr engagiert sind“, schrieb Ulrike Boss. Aber „um wirklich etwas zu bewegen, brauchen sie eine starke Stimme in den örtlichen Gremien.“

Die Struktur durchbrechen?

Die Parteien tun sich generell schwer, Freiwillige für ihre Wahllisten zu finden. Ulrike Boss sagt: „Noch schwieriger ist es, Frauen zu gewinnen.“ Die Scheu sei groß, sich in ein männerdominiertes Gremium wählen zu lassen. Viele Frauen hätten im Berufsleben die Erfahrung gemacht: „Diejenigen, die Entscheidungen treffen und sagen, wo’s langgeht, sind meistens Männer.“

In den Gemeinderäten spiegelt sich das wider. Ulrike Boss: „Die männlichen Strukturen sind vorgepflügt, einige sitzen seit Jahrzehnten im Gemeinderat.“ Wie lässt sich diese Struktur durchbrechen? „Das ist meiner Meinung nach nur möglich mit einer Quote“, sagt die Sozialdemokratin. Vielleicht würden sich ja mehr Frauen eine Kandidatur zutrauen, wenn sie sicher sein könnten, am Ende nicht einsam in einer großen Männerrunde zu sitzen.

In der Opferrolle zu verharren ist für Boss freilich keine Lösung: „Solange es keine Quote gibt, geht’s nur über den Mut.“ Denn Ulrike Boss glaubt, dass gerade junge Frauen trotz aller Widrigkeiten eine Chance haben, gewählt zu werden. „Es gibt rund 50 Prozent Frauen – deren Lebenserfahrung sollte in den Gremien vertreten sein. Sie schauen anders auf die Gemeinde, das bereichert das Gremium.“

Susanne Bloching wünscht sich mehr Solidarität unter Frauen

Eine weibliche Perspektive bringt neben Boss’ Genossin Regina Hauser und der Grünen Ulrike Ebke-Rieß bereits seit 15 Jahren die Lehrerin Susanne Bloching (62, CDU) in den Korber Gemeinderat ein. Sie wünscht sich mehr Solidarität unter Frauen. Ihre These: Männer wählen eher Männer, Frauen aber nicht eher Frauen.

Ganz unabhängig vom Geschlecht ist sie der Meinung: „Hier werden die Leute gewählt, die man schon kennt.“ Malermeister, Wengerter, Optiker und Radverkäufer, alles Männer, alle feste Größen im Ort. Und die Frauen? Bleiben eher im Hintergrund.

Ob sie sich im Gremium wohlfühle? „Ja“, betont Bloching, auch wenn es in der Politik durchaus so sei, dass Frauen manchmal kämpfen müssten, um gehört zu werden, und sie manchmal das Gefühl hat, ein und dieselbe Aussage wiege schwerer, wenn sie aus dem Mund eines Mannes komme.

Angenehm fände sie es schon, wenn etwas mehr Frauen im Gremium vertreten wären: „Das würde das Gesprächsklima sicher verändern. Frauen sehen viele Dinge ganz anders als Männer.“


Männerwelt

31 Gemeinden hat der Rems-Murr-Kreis, aber nur fünf Bürgermeisterinnen. In Burgstetten, Kaisersbach, Fellbach, Urbach und Aspach hat jeweils eine Frau das Sagen.

88 Mitglieder zählt der Rems-Murr-Kreistag – 70 Männer sind vertreten, nur 18 Frauen.