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Prozess um tödlichen Unfall auf der B14 bei Waiblingen: Fahrer war von Handy abgelenkt

Amtsgericht Waiblingen Symbolfoto
Symbolfoto. © Joachim Mogck

Vor dem Amtsgericht Waiblingen ist ein Verkehrsunfall verhandelt worden, bei dem am 9. Februar 2020 auf der B 14 ein 56-jähriger Mann starb. Ein heute 20-jähriger Schwaikheimer musste sich wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Fahrer greift nach Handy, um Lied zu ändern

Was ist in der Nacht geschehen? Der Angeklagte, der damals 19 Jahre alt war, fährt mit seinem Golf von Schwaikheim nach Stetten. Als er sich auf der rechten Spur der B 14 in Fahrtrichtung Stuttgart befindet, greift er nach seinem Smartphone, das sich auf der Mittelkonsole des Autos befindet. Eigentlich möchte er nur das Lied ändern, das er gerade über den Audio-Streaming-Dienst „Spotify“ hört. Doch dabei gerät der junge Fahrer nach der Anschlussstelle Waiblingen-Nord zu weit nach rechts, kommt von der Fahrbahn ab und prallt gegen den Skoda einer heute 50-Jährigen.

Golf erwischt Skoda, der wegen einer Panne auf dem Standstreifen stand

Wegen einer Panne hatte die Frau auf dem Standstreifen angehalten. Ihr Lebensgefährte kam mit seinem Auto, um ihres abzuschleppen. Nun sitzt die Frau in ihrem Auto. Ihr Lebensgefährte, ein 56-Jähriger, hat sich zwischen den beiden Autos hingekniet, um die Abschleppstange, die sich kurz vor dem Losfahren gelöst hat, wieder einzuhaken. Durch den Aufprall des Golfs auf das hintere Auto wird der Mann mit voller Wucht gegen das Heck seines Wagens geschleudert.

„Die Airbags sind aufgegangen“, sagt die heute 50-Jährige im Zeugenstand. Sie wurde nur leicht verletzt. Der 56-Jährige hingegen musste mit schweren Verletzungen nach Ludwigsburg ins Krankenhaus eingeliefert werden. Trotz Notoperation überlebte er nicht. „Die Reanimationsversuche blieben erfolglos“, liest Amtsrichter Martin Luippold aus dem Krankenhausbericht vor. Der 56-Jährige verstarb an den Folgen seiner Verletzungen um 22.10 Uhr.

Angeklagter: "Ich habe ganz klar einen großen Fehler gemacht"

„Ich habe ganz klar einen großen Fehler gemacht“, sagt der heute 20-Jährige vor Gericht. „Ich habe auf mein Handy geschaut.“ Und eigentlich sei das auch gar nicht nötig gewesen, weil er das Lied auch über das Lenkrad hätte auswählen können. Der junge Mann sagt: „Ich hasse mich selber dafür. Jetzt im Nachhinein sage ich: ,Wie blöd bist du eigentlich?’“

Wie das alles passieren konnte, das kann er sich nicht erklären. „Es war dunkel, und es ging alles so schnell“, sagt er. Bei dem Unfall wurde sein rechtes Rad herausgerissen. Zwar habe er realisiert, dass er gegen ein anderes Auto gefahren ist, sei aber nach dem Unfall „perplex“ gewesen und in seinem Auto sitzen geblieben, bis ihn ein Augenzeuge aus dem Auto zog, ihm die Warnweste überzog und ihn hinter die Leitplanke stellte. Dann sei er zu den Geschädigten gegangen, um nach dem Rechten zu schauen und sich zu entschuldigen. Nachdem die Polizei sehr schnell eintraf, der verletzte Mann ins Krankenhaus gebracht wurde, habe er sich bei der Frau entschuldigt und Telefonnummern ausgetauscht.

Die Nachricht über den Tod des 56-Jährigen habe er in derselben Nacht gegen halb elf Uhr von der Frau erhalten. „Ich war hilflos“, sagt er. Als er das sagt, droht ihm die Stimme zu versagen, sein Gesicht läuft rot an. Er habe nicht gewusst, wie er auf die Nachricht reagieren soll, sagt er. In den Tagen nach dem Unfall habe er sich weiter mit der Frau ausgetauscht, bis sein Handy zur Auswertung von der Polizei beschlagnahmt wurde. Die Lebensgefährtin des Verstorbenen stellte keine Strafanzeige, die Staatsanwaltschaft aber schon. „Eine Kette von unglücklichen Zufällen“, sagt die Staatsanwältin. „Mit dieser Schuld muss der Angeklagte ein Leben lang leben.“ Er habe sich bemüht, habe Kontakt mit der Hinterbliebenen aufgenommen. „Er hat sich allem gestellt.“

Zwei Monate Fahrverbot und 60 gemeinnützige Arbeitsstunden

Richter Martin Luippold verkündet das Urteil: Bei dem Schwaikheimer, der bislang keineswegs strafrechtlich aufgefallen ist und als sozialer Mensch gilt, wendet das Gericht die Jugendstrafe an. Er muss innerhalb von drei Monaten 60 gemeinnützige Arbeitsstunden absolvieren. Zudem wird ein zweimonatiges Fahrverbot verhängt. „Ein tragischer Verkehrsunfall“, sagt der Richter. „In jeder anderen Konstellation wäre es nicht zu diesem Unfall gekommen.“ Wenn beispielsweise die Abschleppstange nicht heruntergefallen und der Mann in seinem Auto sitzen geblieben wäre. Oder wenn der Angeklagte seine Spur eingehalten hätte. Der Unfall führe vor Augen, so der Richter, wie schnell so etwas gehen und wie schnell das Leben vorbei sein kann.

Vor dem Amtsgericht Waiblingen ist ein Verkehrsunfall verhandelt worden, bei dem am 9. Februar 2020 auf der B 14 ein 56-jähriger Mann starb. Ein heute 20-jähriger Schwaikheimer musste sich wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Fahrer greift nach Handy, um Lied zu ändern

Was ist in der Nacht geschehen? Der Angeklagte, der damals 19 Jahre alt war, fährt mit seinem Golf von Schwaikheim nach Stetten. Als er

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