Korb

Schutz vor Stechmücken

Reuß
Auch beim Mückenschutz kommt es aufs rechte Maß an, sagt Melanie Reuß, die Inhaberin der Korber Brunnen-Apotheke. © Büttner/ZVW

Korb. Kaum ist es warm, schon kommen die Stechmücken in Scharen. Die Versuchung ist groß, sich von Kopf bis Fuß mit Schutzmitteln einzusprühen. Doch Apothekerin Melanie Reuß rät, Maß zu halten: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig.“ Hier im Remstal könne es für manche sogar reichen, ätherische Öle aufzutragen. Ein Patentrezept gibt es allerdings nicht: Was beim einen wirkt, ist beim anderen zu schwach. Da hilft nur eins: probieren.

Abzuwägen ist das A und O beim Mückenschutz. Das ist das Credo von Melanie Reuß, der Inhaberin der Korber Brunnen-Apotheke. Wie oft jemand erfahrungsgemäß gestochen wird, ob die Stiche häufig stark anschwellen oder sich entzünden, ob Stechmücken am jeweiligen Aufenthaltsort Krankheiten verbreiten: Das alles spielt mit hinein in die Entscheidung, welcher Schutz angemessen ist.

Maß halten

Das Wichtigste dabei ist, Maß zu halten, sagt Reuß: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig.“ Denn die Wirkstoffe von Schutzpräparaten dringen über die Haut in den Blutkreislauf mit ein. Gerade starke Mittel können – zwar nur in seltenen Fällen, aber eben doch – im Übermaß als Nervengift wirken, erklärt Reuß. Besonders bei Kindern sei Vorsicht angebracht: Deren Hautbarriere sei noch durchlässiger als die von Erwachsenen. Wenn also ein Produkt als nicht kindgerecht ausgezeichnet ist, sollte das unbedingt beachtet werden. Bei Erwachsenen wiederum gilt der sprichwörtliche Grundsatz: Weniger ist mehr.

Stechmücken aus dem Remstal sind lästig, aber harmlos

Das gilt erstens für die Wirkstoffmenge. Wer selten gestochen wird, kann sich den Schutz eventuell ganz sparen. Zumindest hier im Remstal: Stechmücken sind in dieser Gegend vergleichsweise harmlos. Sie übertragen mit ihren Stichen keine Infektionen, wie es beispielsweise Fiebermücken in den Tropen und Subtropen tun. Deswegen kann hier in aller Ruhe getestet werden, ob ätherische Öle oder Tigerbalsam ausreichen oder ob es stärkere Mittel wie Anti-Brumm oder Autan sein müssen. Eine Beratung im Fachgeschäft – einer Drogerie oder einer Apotheke zum Beispiel – kann bei der Entscheidung helfen.

Mehr Stoff - weniger Schutzmittel

Der Grundsatz gilt zweitens auch fürs Auftragen. Je mehr Stoff die Haut bereits bedeckt, desto weniger Schutzmittel muss auf den verbliebenen Körperteilen angewandt werden. Vor allem für die Dämmerung, wenn es wieder kühler wird und besonders viele Stechmücken schwirren, empfiehlt Reuß deshalb lange Kleidung.

Sonnencreme und Mückenspray

Wer sich der Bräune zuliebe doch für das knappe Outfit entscheidet, sollte beachten: Sonnenschutz und Mückenschutz können sich gegenseitig abschwächen, wenn sie zu schnell nacheinander aufgetragen werden. Wer kein Kombinationspräparat hat, sollte erst eine halbe Stunde nach der Sonnencreme das Mückenspray aufsprühen. Und natürlich regelmäßig nachlegen.

„Sinnvoll investieren“

Drittens ist weniger auch bei Flakons oft mehr: Eine geringe Füllmenge mag im Vergleich zu anderen Produkten abschrecken, aber großflächig sollten die Präparate sowieso nicht aufgetragen werden. „Lieber einmal sinnvoll investieren, denke ich“, sagt Reuß. „Für plus, minus zehn Euro kriegt man sehr vernünftige Mittel.“

Zecken sind gefährlicher

Die Mittel wirken auch bei Zecken, die als Überträger in den hiesigen Breiten weitaus bedenklicher sind als Stechmücken – allerdings wirken sie Reuß zufolge deutlich kürzer. Vor ihnen sollten sich Menschen, die viel draußen sind, in Acht nehmen. Das Landesministerium für Soziales und Integration warnt insbesondere vor der Übertragung von Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose. Den FSME-Virus trägt im Risikogebiet Baden-Württemberg jede 20. bis 50. Zecke in sich. Außer der vorbeugenden Impfung gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Die Lyme-Borreliose wiederum wird von mindestens zehn Prozent der Zecken übertragen.

Hitze hilft

Wer einen Stich sofort bemerkt, kann einen Wärmestift benutzen: Die Spitze wird 50 Grad heiß und auf die betroffene Stelle gedrückt. Das zerstört die Stoffe in der Wunde, die die unangenehmen Reaktionen wie das Jucken auslösen. „Wir kriegen da extrem gute Rückmeldungen“, sagt Reuß. Gerade für Wanderer sei der Stift ein praktischer Begleiter.

Hausmittelchen: Zwiebeln, Spitzwegerichblätter und Co.

Die meisten Schnakenopfer dürften jedoch unvorbereitet getroffen werden. Ihnen können Hausmittelchen helfen: Spitzwegerichblätter, Zwiebel, Weißkohlblätter oder frischer Meerrettich zum Beispiel. Sie alle sollten ein bisschen gequetscht, geraspelt oder eventuell zerkaut werden, damit ihre Flüssigkeit auf den Stich gelangen kann. „Zerkauen nur, wenn man sicher weiß, was man im Mund hat“, mahnt Reuß – schließlich sind nicht alle Pflanzen verträglich.

Mit kaltem Wasser, Eiswürfeln oder Quark können Stiche zusätzlich gekühlt werden.

Effektiver als Hausmittel sind Reuß’ Ansicht nach aber spezielle Stichcremes und -gels. Dann gilt für alle Stiche, egal ob von Mücke, Zecke oder auch Biene und Wespe: kühlen, ein Wunddesinfektionsmittel und ein Stichgel auftragen, nicht kratzen. Schließlich soll die Haut nicht aufreißen und sich entzünden. Für diejenigen, die besonders heftig auf Stiche reagieren, gibt es auch Gels mit einem Antiallergikum als Zusatz. Und wenn sich ein Stich dann doch entzündet: Heilende Salben gibt’s ja zum Glück auch noch.


Fünf Urlaubstipps

Fünf Tipps, um sich im Urlaub angemessenen vor Mücken zu schützen, hat Apothekerin Melanie Reuß parat.

Erstens: Tragen Sie in der Dämmerung grundsätzlich lange, helle Kleidung! Dann können sich Mücken nicht überall direkt auf der Haut absetzen und sind besser sichtbar.

Zweitens: Duschen Sie oft und tragen Sie möglichst wenig Parfüm! Sowohl Schweiß als auch starke Düfte können Stechmücken anlocken.

Drittens: Verwenden Sie Schutzmittel! In Fachgeschäften können Sie sich beraten lassen, welches Präparat für Ihr Reiseziel geeignet ist. Vor allem beim Tropenurlaub: „Da darf man nicht damit spaßen“, mahnt Reuß.

Viertens: Meiden Sie stehende Gewässer oder halten Sie zumindest Abstand! Dort schlüpfen und leben viele Stechmücken. Das gilt übrigens auch für halb volle Gießkannen im Garten.

Und fünftens, für den Fall, dass Sie doch gestochen werden: Nehmen Sie immer Behandlungsmittel in Ihrer Reise-Apotheke mit! Ein Wunddesinfektionsmittel sowie Mückengel, -stift oder -creme sollte jeder dabei haben. Das gilt umso mehr für Reisende, die besonders stark auf Stiche reagieren: Diese sollten ein passendes Behandlungsmittel mitnehmen.