Korb

Spielplätze in Korb zu langweilig? Jürgen Bohn wirft Gemeinde Untätigkeit vor

Desolate Spielplätze
Der öffentliche Spielplatz im Richard-Strauß-Weg: Eine Rutsche und eine Kletterleiter reichen nicht, findet Jürgen Bohn. © Benjamin Büttner

Auf manchen Spielplätzen stehen nur eine Rutsche aus Metall und eine Schaukel oder ein Bogen, über den man einmal drüberklettern kann – das ist zu wenig, findet der Korber Jürgen Bohn. Die Gemeinde kümmert sich seiner Meinung nach zu wenig darum, dass Spielplätze die Kinder zum kreativen Spielen anregen. Gemeinderat Benjamin Rohrwasser von den Korber Grünen unterstützt den Bürger in seinem Anliegen – Bürgermeister Jochen Müller verspricht: Moderne Spielgeräte sind schon geplant.

Jürgen Bohn erinnert sich gerne an seine eigene Kindheit: Damals sei vieles ganz anders gewesen, die Spielplätze auch nicht unbedingt gut ausgestattet – aber auch die Haltung der Erwachsenen zu den spielenden Kindern war eine ganz andere: „Wir hatten da einen Sandkasten, da haben wir uns manchmal mit den Metallschaufeln gegenseitig gehauen“, erinnert er sich. Wenn ein Kind sich beim Spielen verletzte, ging es halt zum Arzt – keiner wäre damals auf die Idee gekommen, die Eltern eines anderen Kindes oder gar die Gemeinde dafür verantwortlich zu machen, glaubt Jürgen Bohn.

Andere Kommunen machen es vor 

Vielleicht liegt es daran, dass jedes Spielgerät heutzutage vom Tüv abgenommen werden muss und die Gemeinde als Betreiber der öffentlichen Spielstätten das Risiko scheut, aufwendigere Spielgeräte anzuschaffen, etwa Kletterlandschaften, die mehr sind als nur eine Leiter und ein Netz auf der anderen Seite. „Zum Beispiel an der Turnhalle der Urbanschule: Da ist nur ein Klettergerüst, sonst nichts“, so Bohn.

Dass es auch anders geht, sehe man schnell, wenn man sich die Spielplätze in den Nachbarkommunen anschaut: Der Spielplatz Rinnenäcker in Waiblingen zum Beispiel gefällt ihm sehr gut mit seinen abwechslungsreichen Spielgeräten: unter anderem eine Kletterlandschaft auf dem Hügel, ein Spielhaus auf Stelzen und eine Reifen-Schaukel.

Er habe sich vor zwei Jahren bereits mit seinem Anliegen an die Gemeinde gewandt und auch den Bürgermeister direkt angesprochen. „Getan hat sich nichts“, findet Jürgen Bohn. Hier und dort sei höchstens ein halb verfaultes Stück Holz oder eine defekte Schaukel ausgetauscht worden.

Kinder haben Spielplätze bewertet

Das sieht Bürgermeister Jochen Müller etwas anders: Schon vor über zehn Jahren habe die Gemeinde Korb damit angefangen, sich gezielt mit dem Zustand der Spielplätze auseinanderzusetzen, so Müller auf Anfrage unserer Redaktion. Damals seien Kinder als Tester losgeschickt worden, die die Korber Spielplätze anschließend bewertet haben. Damals sei klar geworden: „So kann das nicht weitergehen.“

Damals sei von den Kindern vor allem beanstandet worden, dass manche Geräte, wie zum Beispiel eine Wasserpumpe, nicht funktioniert hätten. Das sei danach repariert worden. Ebenfalls schon vor zehn Jahren hätte der Gemeinderat einen Planer losgeschickt, der der Gemeinde dabei helfen sollte, die Spielplätze „sukzessive umzugestalten“, so der Bürgermeister.

Doch was ist seitdem geschehen? An alle Veränderungen kann sich der Bürgermeister nicht mehr erinnern, ein paar Beispiele fallen ihm aber noch ein. So sei auf dem Spielplatz „Im Klufert“ ein neues Gerät aufgestellt worden, auch auf dem Spielplatz „Hofstatt“ sei viel gemacht worden. „Dort gibt es ganz neuartige Spielmöglichkeiten“, so Jochen Müller.

Spielplatz an der Brucknerstraße fällt 

Trotzdem fällt auch mindestens ein Spielplatz weg: Der Spielplatz Brucknerstraße bei der Ballspielhalle, mit etwa 800 Quadratmetern einer der größten in Korb, muss dem Neubau des Sport- und Vereinszentrums des SC Korb weichen.

Schon im vergangenen Herbst wurde deshalb im Gemeinderat über einen alternativen Standort diskutiert. Damals stand im Raum, neben dem Kinderhaus „Schau hinaus“ einen neuen großen Spielplatz für verschiedene Altersgruppen zu errichten und gleichzeitig die Spielplätze „Brahmsweg“ und „Richard-Strauß-Weg“ stillzulegen, weil diese als zu klein bewertet wurden und sich, so die Gemeinde damals, durch ihr Alter in einem schlechten Allgemeinzustand befänden. Dieses Vorhaben sei jedoch nicht mehr aktuell, informiert der Bürgermeister jetzt.

Immer wieder hört er den Vorwurf, dass Korb als einzige Gemeinde während der Gartenschau nicht die Spielplätze erneuert habe, sondern am Seeplatz sogar noch Spielgeräte abgebaut habe. Dagegen wehrt Müller sich entschieden. „Das wird immer nostalgisch erwähnt“, dabei seien das Spielhäuschen und die Sandgrube schon lange vor der Gartenschau verschwunden. Diese seien aus hygienischen Gründen nicht mehr haltbar gewesen.

Der Hangspielplatz soll eine Kletterlandschaft bekommen

Dafür seien oberhalb der Ballspielhalle Sportgeräte zur „Bewegung und Koordination“ dazugekommen, die frei zugänglich sind, sowie ein abschließbarer Container, der ebenfalls Spielsachen enthält. Gerade plant die Gemeinde den neuen Hangspielplatz in Kleinheppach, dort soll laut Müller eine moderne Kletterlandschaft entstehen, wie sie auf vielen neueren Spielplätzen zu finden ist. Auch auf dem Kleinheppacher Kopf soll etwas am Spielplatz gemacht werden. Insgesamt sei die Gemeinde durchaus dahinter her, die Korber Spielplätze attraktiv zu gestalten: „Es ist ja auch im Interesse des Gemeinderats, dass interessante Spielgeräte da sind.“

Ein Gemeinderat, auf den das definitiv zutrifft, ist Benjamin Rohrwasser von den Korber Grünen. Er hat selbst kleine Kinder und ist auch nicht so ganz mit dem Angebot auf den Korber Spielplätzen zufrieden: Es gebe zwar sehr viele, aber dafür auch viele langweilige, findet er. Deswegen hat er mit Jürgen Bohn Kontakt aufgenommen, sich die Ideen des Bürgers angehört, der sich auch auf der Internetplattform Facebook für kreativere Spielplätze ausspricht. „Ich bin erfreut über den Einsatz“, sagt Benjamin Rohrwasser.

Was er auf den Korber Spielplätzen vor allem vermisst, ist ein kreativerer Aufbau: „Viele schöne Spielplätze, zum Beispiel in Remshalden oder in Waiblingen, haben ein Motto.“

Ein schön gestalteter Spielplatz sei für die jeweilige Kommune eben auch ein wertvolles Aushängeschild – und regt die Kinder zur gesunden Bewegung an. Das sei gerade heutzutage sehr wichtig. Mit seinen Kindern geht er gerne nach Beinstein auf den Spielplatz. „Letztes Mal habe ich dort gleich drei Korber Familien getroffen“, berichtet er.

Auf manchen Spielplätzen stehen nur eine Rutsche aus Metall und eine Schaukel oder ein Bogen, über den man einmal drüberklettern kann – das ist zu wenig, findet der Korber Jürgen Bohn. Die Gemeinde kümmert sich seiner Meinung nach zu wenig darum, dass Spielplätze die Kinder zum kreativen Spielen anregen. Gemeinderat Benjamin Rohrwasser von den Korber Grünen unterstützt den Bürger in seinem Anliegen – Bürgermeister Jochen Müller verspricht: Moderne Spielgeräte sind schon

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