Korb

Starkregen-Ereignisse: So können sich alle vorbereiten

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Wetter
Symbolfoto. © ZVW/Gabriel Habermann
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Starkregen
V. l.: Bürgermeister Jochen Müller mit Karl-Josef Fassnacht und Julius Fassnacht. © Gabriel Habermann

Korb und Weinstadt betreiben nicht nur gemeinsam ihr Klärwerk, sie sind unter den Kommunen in Baden-Württemberg in der ersten Reihe, was das sogenannte „Starkregenrisikomanagement“ anbelangt.

Korb und Weinstadt beauftragten siebzigprozentige Förderung

Kaum dass die Landesregierung ihren Leitfaden „Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg“ vorstellte, beantragten sie auch schon die siebzigprozentige Förderung und beauftragten das Ingenieurbüro Fassnacht aus Bad Wurzach mit der Simulation und thematischen Aufarbeitung von Starkregenszenarien.

Die Ergebnisse für Korb stellten Diplom-Ingenieur Karl-Josef Fassnacht und Sohn Julius Fassnacht gemeinsam mit Bürgermeister Jochen Müller und Bauamtsleiter Dietmar Kümmerlen am vergangenen Donnerstag in einer Bürgerversammlung in der Remstalhalle vor.

„Extremes Niederschlagsereignis"

Bei „Starkregen“, erfuhren die circa drei Dutzend Korberinnen und Korber, die der Einladung gefolgt waren, handle es sich um ein „extremes Niederschlagsereignis“, das nahezu jederzeit und überall auftreten könne und bei dem die Niederschlagsmenge, die normalerweise im Bereich mehrerer Monate liegt, in kürzester Zeit vom Himmel fällt.

Mit diesem Phänomen muss im Zuge des Klimawandels verstärkt gerechnet werden, und im Unterschied zu Flusshochwasser sind Starkregen nicht vorhersehbar.

Sowohl Gemeinde als auch Bürger müssen Vorsorgemaßnahmen treffen

Rechtlich gesehen handelt es sich bei Starkregen in der Regel um sogenannte „Höhere Gewalt“; dies bedeutet, dass die betroffene Gemeinde nicht für die Schäden haftet. Allerdings legt § 5.2 des Wasserhaushaltsgesetzes fest, dass jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet ist, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen.

„Wir liefern die Grundlagen, was Sie daraus machen, ist Ihre Verantwortung!“

Die Gemeinden wiederum sind im Rahmen ihrer kommunalen Daseinsvorsorge dazu verpflichtet, sich auf Starkregen vorzubereiten. Dazu dient das Starkregenmanagement, das gemäß dem Leitfaden der Landesregierung drei Schritte vorsieht: die Analyse möglicher Gefahren, die Analyse möglicher Risiken und die daraus abzuleitenden Handlungskonzepte. „Wir berechnen Starkregenszenarien und bereiten sie thematisch auf. Dann sensibilisieren und informieren wir die betroffenen Bürger und kommunalen Akteure und zeigen ihnen Lösungswege auf“, übersetzte dies Dipl.-Ing. Karl-Josef Fassnacht für die Zuhörerschaft. „Wir liefern die Grundlagen, was Sie daraus machen, ist Ihre Verantwortung!“

Korb investierte in den Ausbau und in die Erneuerung des Kanalisationsnetzes

Korb sei gut aufgestellt, versicherten die Referenten. Seit 2004 und besonders nach der Hagelkatastrophe 2008 habe man in den Ausbau und in die Erneuerung des Kanalisationsnetzes investiert, in Rückhaltebecken und Dämme. Mit Workshops zur Analyse von Gebäuden mit öffentlicher Funktion wie Schulen, Kindergärten, Rathaus und Hallen sowie bestimmter Unternehmen bereite sich die Ortsverwaltung gemeinsam mit den Rettungskräften auf sogenannte „Worst-Case-Szenarien“ vor, und bei Baumaßnahmen im öffentlichen Raum sowie bei der Ausweisung von Baugebieten würden mögliche Starkregen und die Fließrichtung von Wassermassen mitberücksichtigt.

Jeder Bürger und jede Bürgerin könne darüber hinaus ihren Teil dazu beitragen, indem man sich auf der Gemeindehomepage in den dort demnächst zugänglichen Starkregengefahrenkarten über den Standort des eigenen Gebäudes informiert und sich entsprechend schützt.

Einbau von Rückstauklappen

Dabei kann es sich um den Einbau von Rückstauklappen bei Neubauten und die Ausführung des Kellers als wasserdichte Wanne handeln, um die nachträgliche Ausrüstung mit wasserdichten Fenster- und Türklappen oder Schutztoren, die Erhöhung von Türen durch Stufen oder Rampen und die Absicherung von Lichtschächten. Empfehlenswert sei außerdem, Elementarschaden- und Hausratsversicherung zu überprüfen, ob sie sich auf dem aktuellen Stand befinden und finanzielle Rücklagen für den Fall der Fälle zu bilden.

„Es wurde viel getan in Korb. Aber es gibt noch viel zu tun für alle“, lautete das Fazit von Julius Fassnacht, „aber es kann immer noch schlimmer kommen, denn man kann sich nicht auf alles vorbereiten.“ Es handle sich um ein ständiges Schauen und Abarbeiten, bei dem alle gefordert seien, ergänzte Bauamtsleiter Dietmar Kümmerlen. Bürgermeister Müller ermunterte jeden, der mögliche Gefahrenstellen wie zugewachsene Kanäle, verstopfte Rechen oder Sinkkästen entdecke, sich telefonisch oder per E-Mail bei der Ortsverwaltung zu melden.

Korb und Weinstadt betreiben nicht nur gemeinsam ihr Klärwerk, sie sind unter den Kommunen in Baden-Württemberg in der ersten Reihe, was das sogenannte „Starkregenrisikomanagement“ anbelangt.

Korb und Weinstadt beauftragten siebzigprozentige Förderung

Kaum dass die Landesregierung ihren Leitfaden „Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg“ vorstellte, beantragten sie auch schon die siebzigprozentige Förderung und beauftragten das Ingenieurbüro Fassnacht aus

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