Korb

Tipps von Medienprofis beim Rems-Talk

Remstalk
Offensiv in die Medien: Volksbankvorstandsvorsitzender Hans Rudolf Zeisl (am Mikro) und der Korber Unternehmer Thilo Utz (Zweiter von links) im Gespräch mit den Medienprofis Michael Antwerpes (ganz links), Markus Gürne (Zweiter von rechts) und Frank Nipkau (ganz rechts). © Büttner / ZVW

Korb. Die Zeitung war wieder böse – sie hat die schlechten Nachrichten verbreitet. Der Ansatz ist verständlich, aber grundfalsch. Schlechte Nachrichten verbreiten sich immer, es fragt sich nur, wie. Wie Unternehmen die aufklärende Arbeit von Zeitung, Fernsehen und anderen Medien auch in Krisensituationen für sich nutzen können, erfuhren die Teilnehmer des Rems-Talks am Mittwoch in der Korber Remstalhalle.

Manchmal können Firmen überhaupt nichts dafür. Gemeint sind jetzt nicht VW und Bosch mit ihrer Dieselaffaire, die erst heruntergespielt, dann scheibchenweise zugegeben und am Ende als Riesenskandal die Gerichte, die Zeitungen und die Menschen umtreibt. Gemeint ist auch nicht die BMW-Pressemitteilung, die nach dem Zusammenbruch des BMW-Chefs Harald Krüger auf der IAA im vergangenen Jahr mitteilte: „Die Ärzte haben jetzt entschieden - und wir auch - dass er alle Termine abbrechen wird, nach Hause fahren wird und sich zu Hause erholen wird“ – und damit implizit verlauten ließ, dass Harald Krüger nicht Herr seiner eigenen Entscheidungen ist. Diese beiden großen Unternehmen haben, analysierte Markus Gürne, Medienprofi der ARD und bekannt von der „Börse vor acht“, trotz sicher bestens besetzter Pressestellen eklatante Fehler in der Kommunikation nach außen gemacht. Sie haben die Medien nicht oder nicht richtig bedient, haben dem Image des Unternehmens eher geschadet denn Gutes getan.

Schlechte Nachrichten kommen immer raus

Doch wie sollten Unternehmen mit der Presse, ganz gleich ob Zeitung, Fernsehen oder diverse Internetkanäle, umgehen? Beim Rems-Talk in der Korber Remstalhalle waren sie alle versammelt, die Vertreter der kleinen, größeren und für den Rems-Murr-Kreis schon großen Unternehmen. Fachleute, die sehr wohl wahrnehmen, was in den verschiedenen Nachrichten kommt, diese Nachrichten auch gerne für sich nutzen, sich selbst aber lieber wegducken. Das gibt auch Thilo Utz, Chef des gleichnamigen Korber Maschinenherstellers, zu: Früher dachte er, es könnt’ ja womöglich im eigenen Fall auch mal was nicht so Positives erklärt werden müssen. Heute geht er längst auf die Zeitung zu und sucht den Austausch.

Denn: Schlechte Nachrichten kommen immer raus. „Es stellt sich nur die Frage, wann“, sagte Frank Nipkau, Chefredakteur beim Zeitungsverlag Waiblingen und damit der zweite Medienprofi auf dem Podium. Das Stichwort „Beckenbauer“, lässig fallengelassen von Moderator Michael Antwerpes, ebenfalls und als Dritter fernseh- und medienbekannt, reicht, um zu zeigen, dass auch Jahre nicht vor schlechter Presse schützen.

Gerüchte verbreiten sich im Internet bestens

Was dann aber tun? Und da kommt die Volksbank ins Spiel: Die konnte nämlich eben gar nichts dafür, dass im März dieses Jahres die Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie in Kraft trat und damit vielen älteren Menschen kein Darlehen mehr genehmigt werden durfte, die doch so gern die niedrigen Zinsen für sich genutzt hätten. Der Ärger war groß, das Image nahm Schaden – die Zeitung erklärte. Nach einem Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Hans Rudolf Zeisl, waren die Fakten gedruckt auf dem Frühstückstisch. Das machte die Situation für die verhinderten Häuslesbauer nicht besser. Aber sie wussten jetzt wenigstens genau, an was sie waren, und um was es ging.

Freilich: Manchmal hat ein Unternehmen selbst für die schlechte Schlagzeile gesorgt: Entlassungen, unfaires Verhalten, verdummte Geschäfte, Umweltsünden ... es gibt viel, was für die Seite 1 taugt. Doch zu hoffen, dass keiner was merkt – das ist der falsche Weg. Und dann auf die Zeitung böse sein, weil die die Sache veröffentlicht? Ganz unklug. Wenn’s die Leute von der Zeitung wissen, ist ganz sicher, dass es mindestens einer, wenn nicht gar viele andere auch noch wissen. Dann doch lieber offen reden, als Gerüchte ins Kraut schießen lassen.

Gerüchte verbreiten sich seit den großen Zeiten des Internets nämlich bestens. Dort tummeln sich You Tuber und Twitterer, die sich wohl eine große Reichweite erarbeiten, die sicher auch höchst interessante Neuigkeiten erfahren und veröffentlichen, die aber nicht wissen, wie Neuigkeiten, Fakten, Informationen richtig eingeschätzt, aufbereitet, verständlich gemacht und in die große Nachrichtenlage einsortiert werden. Umgehen kann ein Unternehmen Schlagzeilen dieser Art kaum. Doch begegnen kann es diesen schon. Nicht durch Abtauchen, sondern durch offensive Öffentlichkeit mit Hilfe derer, die professionell mit Nachrichten umgehen.

Info

Rems-Talk ist eine Mittelstandsinitiative der Gemeinden Fellbach, Kernen, Korb, Waiblingen, Weinstadt, Winnenden, des Rems-Murr-Kreises und der Volksbank. Als gewerbliches Mittelstandsforum bietet es allen Unternehmen im Kreis Informationen zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Pressetipps

Unternehmen, Vereine, Initiativen – alle wollen oder müssen mal mit irgendwas in die Zeitung. Sei’s wegen der Aufmerksamkeit für ein Vorhaben, sei’s, damit Produkte bekannt werden, Missstände angeprangert werden, über das Tun informiert wird. In der Redaktion laufen täglich mehrere Hundert solcher Wünsche und Infos ein. Es gibt Möglichkeiten, sich selbst aus der Masse herauszuheben und erfolgreich auf den eigenen Anlass hinzuweisen.

Die wichtigste und erste Frage: Würde mich das, was ich jetzt hier an die Öffentlichkeit geben will, selbst und als Unbeteiligter interessieren? Für Presseberichte interessant sind immer: besondere Menschen, besondere Ereignisse, Modellprojekte, Ärgernisse, Erfolge. Der Rest ist nur noch Handwerk:

Der Kern der Nachricht oder des Problems gehört an den Anfang. Klären Sie die berühmten fünf Ws: Wer, Was, Wo, Wann und Wieso. Nennen Sie eindeutig den Absender und einen Ansprechpartner.

Mehr Infos unter: Pressetipps für Vereine.