Korb

Upcycling: Neues aus alten Büchern

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Am liebsten bunt: Regina Münzenmaier verwendet gerne Kinder- oder Bilderbücher, um farbenfrohe Fächermappen zu basteln. © Habermann/ZVW
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Regine Münzenmaier
Auch Memoständer oder Umschläge gestaltet sie. © Habermann/ZVW
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Regine Münzenmaier
Oder Deko-Objekte. Hergestellt wurde dieses ... © Habermann/ZVW
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Regine Münzenmaier
... mit einer simplen Falttechnik, Cutter und Klebeband. Seite für Seite hat sie geduldig zurechtgefaltet. © Habermann/ZVW

Korb. Bücher sind nur zum Lesen da? Regina Münzenmaier sieht das anders. Bevor ausgelesene Wälzer im Regal verstauben oder in muffigen Kisten Schimmel ansetzen, können sie verschenkt werden – oder umfunktioniert. Im Kreativkurs „Neues aus alten Büchern: Nützliches und Dekoratives“ zeigt sie am Samstag, wie aus einstigem Lesestoff dekorative Fächermappen, Memoständer oder Briefumschläge werden.

Video: DIY - im Video zeigt Regina Münzenmaier, wie aus einem alten Buch eine Fächermappe wird.

„Upcyceln“ ist das Stichwort: Abgeleitet von „recyceln“ (engl. wiederverwerten) und dem Wort „up“ (engl. hinauf), sollen Dinge, die reif für die Mülltonne scheinen, zu etwas Neuem, Nützlichem aufgewertet werden. Upcycling nutzt vorhandene Ressourcen, schont den Geldbeutel – und liegt im Trend. Im Internet kursieren Bilder von wunderschönen Betten oder Couchtischen, die aus ausgemusterten Lagerpaletten gezimmert wurden; niedrigen Balkon- und Sitzmöbeln aus vernagelten und bespannten Autoreifen; oder Garderobenhaken aus kunstvoll verbogenem Essbesteck.

Auch Regina Münzenmaier legt Wert aufs Upcyceln, auf Nachhaltigkeit. Im Volkshochschulkurs „Neues aus alten Büchern“ zeigt sie, wie’s gehen kann – und gibt ausgelesenen Schmökern ein zweites Leben.

„Aussortieren ist das eine, aber Wegwerfen ist das andere“

Die Idee dazu ist vor Jahren aus der Not geboren: Damals hat Münzenmaier ihr Bücherregal ausgemistet. Alles, was sie nicht wieder lesen würde, zog sie damals von den Regalbrettern: Lieblingsbücher, die sie früher einmal nicht aus der Hand legen konnte, nun aber auswendig kennt; Klassiker, von denen sie zwei Ausgaben besaß; Werke, die sie nach der Hälfte enttäuscht zugeklappt hatte. Sie verschenkte Bücher an Bekannte, an eine Bücherei, tauschte andere Werke ein – und hatte immer noch viel zu viel ausgedienten Lesestoff übrig. In den Müll damit? Nein, das ging nicht. „Aussortieren ist das eine, aber Wegwerfen ist das andere“, sagt die 67-Jährige.

Das ist nicht nur eine Sache der Gefühle. „Ich kann nichts wegwerfen. Ich bin ein absoluter Resteverwerter.“ Knöpfe, Geschenkbänder, hübsches Zeitungspapier sammelt sie zum Basteln. Warum nicht auch Bücher?

"Der Friedhof von Prag" als Fächermappe

Dann wurde sie kreativ. Papier war sowieso schon immer ihre Leidenschaft, und ein Händchen für Deko hat sie auch. Wolf Durians Kinderroman „Kai aus der Kiste“ verwandelte sie in eine Fächermappe, ebenso Umberto Ecos Roman „Der Friedhof von Prag“. Ihre Lieblingsmappe hat sie aus Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ gefertigt: Zwischen rubinroten, stoffbespannten Buchdeckeln kann sie nun Notizen, Briefe, Fotos, Ansichtskarten verstauen. Die Seiten hat Münzenmaier sorgfältig zu Taschen verklebt. Ein anderes Buch wurde auf die gleiche Weise zum Adventskalender.

Aus Tapetenbüchern schnitt sie geschmackvolle Tischsets heraus. Auf diesen legt sie beim Pressegespräch weitere Buchobjekte aus.

Geschenkverpackungen und Umschläge

Einen Memoständer in der Form eines halbierten Zylinders zum Beispiel: Alle Seiten hat sie auf die Hälfte eingefaltet und so befestigt, dass Notizzettel dazwischengesteckt werden können. Oder eine Dekokugel aus Papierstreifen, die mit einem kleinen Geschenk befüllt und aufgehängt werden kann.

Daneben drapiert sie große und kleine Umschläge, die sie aus illustrierten Buchseiten gefaltet hat: jeder Umschlag ein Unikat. Später holt sie noch eine kleine Kiste mit Geschenkkarten: Tonpapier, das mit Textausschnitten in Frakturschrift beklebt ist; kunstvoll gefaltete Kalenderblätter, in denen Theaterkarten befestigt werden können; bunte Mini-Faltbücher.

Kein Hexenwerk: Fächermappen brauchen eineinhalb Stunden

Wie lang sie für die Bastelarbeiten braucht, hängt vom Projekt ab. Memoständer einzufalten ist relativ aufwendig, Umschläge gehen relativ schnell. Zwar muss genau gearbeitet werden – sonst wird’s krumm und schief –, doch für alles gilt: „Es ist kein Hexenwerk.“ Fächermappen beispielsweise seien in eineinhalb Stunden fertig, wenn sie eine konkrete Vorstellung hat.

Und was tut sie mit all ihren neu gestalteten Büchern? „Ich verschenke viel.“ An ihren Sohn, an Verwandte, an Freunde. Und einen Teil verwendet sie als Anschauungsmaterial für ihre vielen Kurse rund ums Papier. Seit etwa fünf Jahren unterrichtet die mittlerweile pensionierte Sportlehrerin an Volkshochschulen in Backnang, Winnenden, dem Unteren Remstal und Marbach: von Hefteinbänden über Klappmappen bis zu Schmuck. Upcycling pur. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt genug Sachen, die man machen kann.“

Neugierig geworden? Kurs am Samstag

Wer Lust hat, sich selbst einmal an der Buchbastelei zu versuchen, hat dazu am Samstag, 20. Januar, Gelegenheit. An diesem Tag gibt Regina Münzenmaier von 10 bis 13.30 Uhr in Korb ihren Kurs „Neues aus alten Büchern: Nützliches und Dekoratives“. Es sind noch Plätze frei.

Veranstaltungsort ist ein Werkraum der Gemeinschaftsschule am Standort Urbanstraße 5.

Bücher jeglicher Art können mitgebracht werden: Taschenbücher, gebundene Ausgaben, Reklamhefte, Bilderbücher, Comicbücher und so weiter.

Je älter und origineller, desto besser, heißt es in der Ankündigung – doch absolut jedes Buch habe seinen Reiz. Am einfachsten geht es für den Anfang mit großformartigen Kinderbüchern, die stabile Seiten und eine Fadenbindung haben.

Außerdem sollten Teilnehmer etwa 1,5 bis 2 Zentimeter breite Masking Tapes in verschiedenen Farben und Mustern, doppelseitiges Klebeband und Bändchen (beispielsweise Reste von Geschenkband) mitbringen; darüber hinaus Bleistift, Metalllineal, Falzbein, Schneidematte, eine kleine und eine normale Schere sowie nach Möglichkeit einen Cutter. Im Kurs zeigt Münzenmaier, wie Memoständer und Fächermappen gebastelt werden, hilft bei der Farbauswahl und bringt den Teilnehmern die nötigen Grundtechniken bei.

Die Kosten belaufen sich auf 16 Euro pro Person; für Bastelmaterialien werden vier Euro im Kurs abgerechnet.

Anmeldung zum Volkshochschulkurs (Nummer 17H22090) unter ) 0 71 51/95 88 00, info@vhs-unteres-remstal.de sowie www.vhs-unteres-remstal.de.