Korb

Wegen Corona: Ärger in den Weinbergen in Korb zwischen Winzern, Spaziergängern und Radfahrern

Weingut Schmalzried
Wengerter Benedikt Schmalzried in seinem Weinberg am Korber Kopf. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Gemeinde Korb hat erneut zur gegenseitigen Rücksichtnahme in den Weinbergen rund um Korb und Kleinheppach aufgerufen. Bereits vergangenes Jahr war ein solcher Text im Mitteilungsblatt erschienen, nachdem sich mehrere Wengerter bei der Gemeinde über den sehr hohen Freizeitdruck auf und neben den Weinbergwegen beschwert hatten.

Damals ging es vor allem um parkende Autos, die die Weinbauern bei ihrer Arbeit behinderten, Radfahrer, die bergab sehr schnell unterwegs waren, und auch um Müll, der achtlos zwischen die Reben geworfen wurde. „Bitte halten Sie sich an die ausgeschilderten Wanderwege“, fordert die Gemeinde Korb dieses Jahr wieder auf.

Abkürzungen durch die Reben sind gefährlich

Zwar sei es gut nachvollziehbar, dass die Korber Weinberge ein beliebtes Naherholungsziel sowohl für Ortsansässige als auch für Ausflügler seien, jedoch sei es in letzter Zeit auch öfter vorgekommen, dass Wanderer oder Radfahrer Abkürzungen durch die Reben genommen hätten. „Wir möchten Sie bitten, die Wanderwege einzuhalten“, schreibt die Gemeinde.

Durch die vermeintlich harmlosen Abkürzungen könne es zum einen zu kaputten Reben oder schlimmstenfalls auch zu Verletzungen kommen. „Insbesondere Radfahrer, die mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind, setzen sich dabei einer unnötig hohen Gefahr aus, denn neben seiner Erholungsfunktion dient das Wegenetz vor allem der Bewirtschaftung der Weinberge – und hierfür kommt schweres Gerät zum Einsatz.“

Weinbergwege sind Wirtschaftswege

Benedikt Schmalzried vom Öko-Weingut Schmalzried in Korb weiß, wovon die Gemeinde da spricht. Neu ist die Problematik seiner Meinung nach nicht, sie wird nur durch die Corona-Pandemie verstärkt. Die Weinberge mit ihrem schönen Ausblick über das Remstal locken bei gutem Wetter schon immer viele Menschen an, jetzt während Corona weichen die Leute, die früher vielleicht öfter verreist waren, gerade auf die Region aus.

Dagegen habe er ja auch ganz bestimmt nichts, betont der Weinbauer: „Für uns Winzer ist es nur leider etwas nervig, weil das eigentlich unser Arbeitsplatz ist.“ Denn die Weinbergwege sind an und für sich keine Spazierwege – zumindest nicht an erster Stelle. Sie sind Wirtschaftswege, die ursprünglich angelegt worden sind, damit die Wengerter zu ihren Weinbergen gelangen können, um dort ihre Reben zu pflegen und während der Lese die reifen Trauben ernten zu können.

"Darf der das?"

Wenn er zu seinem Weinberg fährt, hat er oft das Gefühl, dass den Spaziergängern und Radfahrern das nicht mehr klar ist: Sie gehen nur zögerlich aus dem Weg, wenn er mit dem Auto kommt, schauen ihn kritisch an, als würden sie sich fragen: Darf der das? Gleichzeitig müsse er extrem darauf achten, dass er niemandem über die Füße fährt, keinen Radfahrer erwischt, der mit 50 oder 60 Kilometern pro Stunde um die Ecke biegt, oder kein kleines Kind übersieht.

„Man kann beide Seiten verstehen“, sagt Benedikt Schmalzried. Trotzdem wünscht er sich, dass die Menschen in den Weinbergen etwas mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden. Er erinnert gerne daran, dass die Wirtschaftswege früher während der Lese für alle Nicht-Wengerter gesperrt waren. „Das war nicht ohne Grund so“, sagt der Winzer.

Während der Lese kann es gefährlich werden 

Wenn das Laub an den Reben dicht hängt und die Weinbauern mit schweren Maschinen arbeiten, kann es für Außenstehende ganz schön gefährlich werden. Erst im vergangenen Oktober ist es bei ihm am Weinberg zu einem Zwischenfall mit einer Radfahrerin gekommen. Ein schlimmer Unfall konnte wohl knapp noch verhindert werden – die Gerichtsverhandlung dazu läuft aber gerade noch.

Als ehrenamtlicher Feldschütz erlebt auch der Kleinheppacher Ortsvorsteher Gerhard Liebhard die angespannte Situation zwischen Freizeittreibenden und Weinbauern fast täglich am eigenen Leib. Wenn er mit seinem Auto in den Kleinheppacher Weinbergen nach dem Rechten sieht, seien die meisten Menschen zwar freundlich und würden schnell zur Seite gehen.

Manche haben Kopfhörer auf und hören nichts

„Aber es gibt schon einige, die meinen, sie seien alleine auf der Welt“, berichtet der Feldschütz. Oft sei es auch so, dass Jogger oder Fahrradfahrer Kopfhörer tragen und gar nicht hören, dass sich ein Auto nähert. „Irgendwann drehen sie sich dann um und erschrecken.“

Wenn man sich derartig taub vor den Reben bewegt, aus denen ja jederzeit ein Traktor herausfahren kann, sei das schon sehr gefährlich. Vor allem, weil die Reben den Traktorfahrern oft mit ihrem dichten Laub den Blick verdecken.

Zettel an den Weinbergen sollen auf den Weinbau hinweisen

Solche Situationen hat es auch vor Corona schon gegeben. „Aber jetzt sind wesentlich mehr Leute unterwegs“, sagt Liebhard. Dazu komme auch, dass Radfahrer in letzter Zeit immer schneller unterwegs seien. Auch er findet: Die Leute müssen damit anfangen, in den Weinbergen besser aufeinander zu achten.

Zettel mit aufklärenden Hinweisen, die die Gemeinde Korb in Kürze an die Wengerter verteilen will, sollen laut Gerhard Liebhard dabei helfen, den Spaziergängern und Radfahrern die Arbeit der Wengerter ins Gedächtnis zu rufen.

Die Gemeinde Korb hat erneut zur gegenseitigen Rücksichtnahme in den Weinbergen rund um Korb und Kleinheppach aufgerufen. Bereits vergangenes Jahr war ein solcher Text im Mitteilungsblatt erschienen, nachdem sich mehrere Wengerter bei der Gemeinde über den sehr hohen Freizeitdruck auf und neben den Weinbergwegen beschwert hatten.

Damals ging es vor allem um parkende Autos, die die Weinbauern bei ihrer Arbeit behinderten, Radfahrer, die bergab sehr schnell unterwegs waren, und auch um

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