Korb

Wie geht es dem Korber Wald?

WaldumgangKorb
Förster Andreas Münz spricht über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald. © Gaby Schneider

Der Wald leidet, einzelne Baumarten werden im Laufe der Zeit verschwinden, aber insgesamt ist der Zustand nicht hoffnungslos. So lautete die Diagnose von Förster Andreas Münz am Ende der gemeinsamen Waldumgehung des Korber Gemeinderats und der Jagdpächter am Freitag.

Dass der Zustand der 160 Hektar Wald, die sich im Eigentum der Gemeinde befinden, zwar als besorgniserregend, aber nicht als katastrophal zu bewerten sei, dies sei der intensiven und weitsichtigen Pflege über die Generationen hinweg zu verdanken, so Münz. Seit 2018, dem Jahr der extremen Trockenheit, befinde sich der Wald in Not. Da es nicht genug Wasser gab, waren vor allem die Fichten nicht in der Lage, dem Borkenkäfer – genau gesagt dem „Buchdrucker“ – ausreichend Widerstand entgegenzusetzen. Dies führte dazu, dass im folgenden Jahr 2019 nicht wie üblich zwei, sondern drei Buchdruckergenerationen ausschwärmten, über die eh schon geschwächten Bäume herfielen und deren Agonie noch beschleunigten.

Wird es ein, zwei Grad wärmer, gibt es keine Fichten mehr

Dann sei in diesem Frühjahr auch noch der Sturm „Sabine“ dazugekommen und habe seinen Teil an Verwüstung mit beigetragen. „Wenn es noch ein, zwei Grad wärmer wird, dann gibt es in unserer Gegend keine Fichten mehr, auch wenn ihnen die Bodenbeschaffenheit eigentlich optimale Bedingungen bietet“, so Münz.

Dass der Klimawandel nicht zum vollständigen Verschwinden des Waldes führt, liegt laut Münz daran, dass die Korber Bestände am Korber Kopf, auf dem Hanweiler Sattel, im Hölzles- und Kleinheppacher Wald zu zwei Dritteln aus Laubbäumen und zu einem Drittel aus Nadelbäumen bestehen. Die besonders anfällige Fichte macht 18 Prozent des Bestandes aus, die resistentere Kiefer zehn Prozent. Zu einem Drittel trage die Buche zum Gesamtbestand bei, zu einem Fünftel die Eiche, deren Holz nicht nur zu besonders hohen Preisen gehandelt werde, sondern die sich auch als recht klimafest erweise.


Große Hoffnung macht ein Baum aus Nordamerika

Die Korber Eichen seien im Durchschnitt 160 Jahre alt, das ideale „Erntealter“ liege bei 200, gegenüber 150 Jahren bei der Buche und 100 bei der Fichte. Besonders große Hoffnung setze man auf die tief wurzelnde und damit sturm- und trockenheitsresistente Douglasie. Diese Baumart sei mittlerweile seit vierzig Jahren in Korb heimisch, und auf dem Hörnleskopf könne man besonders stattliche Exemplare mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern bewundern. Mit dem ursprünglich aus Nordamerika stammenden Baum habe man vor allem im Freiburger Raum bereits seit einem Jahrhundert beste Erfahrungen gesammelt. Er biete sich als Ersatz für die Fichte an, gegenüber der er zudem den Vorteil aufweise, dass sein Dickenwachstum doppelt so schnell sei.

Auf dem Vormarsch sei ebenfalls der Ahorn, der unter dem Schutz des Altbestands selbst aussäe und so die Naturverjüngung vorantreibe. Denn, betonte Münz, gezielt pflanzen würde man nur, was unbedingt nötig sei, und nur Bäume, „die noch ein paar Grad Erderwärmung aushalten“.

Kein Gift im Korber Wald, um das Insektensterben zu stoppen

Die Gemeinde Korb beschäftige keine eigenen Waldarbeiter, was bedeute, dass sowohl für das Anpflanzen wie auch für das Durchforsten der Bestände und das Ernten Drittfirmen beauftragt würden, ein Kostenfaktor, mit dem zu rechnen sei. Als besonders effizient hätten sich bei der Ernte die sogenannten „Harvester“ erwiesen, Vollernter, die den Baum mechanisch fällen, entasten, entrinden und ablängen. Das Entrinden habe sich zudem als hervorragendes Mittel zur Bekämpfung des „Buchdruckers“ erwiesen, denn wenn der Stamm einmal entrindet sei, würden auch die Käferlarven sterben.

„Bei uns im Wald kommen weder Herbizide noch Insektizide zum Einsatz“, versicherte Münz, „es kann schließlich nicht sein, dass wir einerseits über das Insektensterben klagen, es andererseits mit der chemischen Keule noch beschleunigen.“

Der Wald als Disney-Vergnügungspark?

Von Stefan Obenland und Denise Treinat, die auf dem Rathaus für die Verwaltung des Gemeindesäckels verantwortlich sind, war zu erfahren, dass der Wald wirtschaftlich eine eher untergeordnete Rolle spiele. Während er in Kommunen in den Alpen, aber durchaus auch im Schwäbischen Wald, die über entsprechenden Waldbesitz verfügen, nach wie vor eine traditionelle Rolle als „Sparkasse“ habe – und die aus diesem Grund besonders schmerzlich unter dem Verfall des Holzpreises fast bis ins Bodenlose litten –, komme ihm in Korb vor allem eine Bedeutung als Naherholungsgebiet zu.

Dass dies allerdings auch eine Kehrseite hat, darauf wies Jagdpächter Martin Mehrer hin: „Der Wald kann nicht die Rolle eines Disney-Vergnügungsparks übernehmen.“ Es handle sich bei ihm in erster Linie um einen empfindlichen und diversifizierten Lebensraum, den Spaziergänger, Hundebesitzer, Jogger und Mountainbiker zunehmend seinen Bewohnern streitig machten. Er habe sehr viel Verständnis dafür, so Bürgermeister Jochen Müller, dass es gerade in den Wochen des Lockdowns die Menschen aus ihren engen Wohnungen in die freie Natur hinausgetrieben habe. Zudem müsse anerkannt werden, dass sich Mountainbiking zu einem Massen-Freizeitsport entwickelt habe. Aber um allen Interessen gerecht zu werden, müssten Sportvereine, Forstverwaltungen und Gemeinden gemeinsam nach Lösungen suchen, so Müller. Der vom SC betriebene Parcours zwischen Hanweiler Sattel und Hanweiler sei der richtige Ansatz, allerdings helfe er nichts bei unvernünftigen Bikern, die sich an keine gesetzlichen Vorgaben hielten und wild überall dort „brettern, wo ihr Lenker zwischen zwei Baumstämmen hindurchpasst“.

Der Wald leidet, einzelne Baumarten werden im Laufe der Zeit verschwinden, aber insgesamt ist der Zustand nicht hoffnungslos. So lautete die Diagnose von Förster Andreas Münz am Ende der gemeinsamen Waldumgehung des Korber Gemeinderats und der Jagdpächter am Freitag.

Dass der Zustand der 160 Hektar Wald, die sich im Eigentum der Gemeinde befinden, zwar als besorgniserregend, aber nicht als katastrophal zu bewerten sei, dies sei der intensiven und weitsichtigen Pflege über die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper