Korb

Wie listige Korber in Nazi-Deutschland ihr Freibad bauen durften

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Das Freibad war schon 1940 sehr beliebt in Korb: Auch wenn es offiziell als Löschwasserbecken deklariert war. © Archiv Gotthold Schwarz

Fast hätte das Hitler-Regime den Bau des Korber Freibads verhindert: Nachdem in Schwaikheim 1929 das erste Bädle im Kreis eröffnet hatte, wollten die Korber 1937 auch gerne eines haben – in Nazi-Deutschland, das sich bereits auf den Krieg vorbereitete, standen die Chancen, so ein Bauprojekt genehmigt zu bekommen, allerdings nicht sehr gut. Deshalb ließ sich der damalige Korber Gemeinderat eine geschickte Finte einfallen, um das Bädle doch bauen zu dürfen. Von dieser List profitieren die Korber Badegäste heute noch: So viel hat sich in 80 Jahren nämlich gar nicht verändert im Korber Freibad.

Sonderausgabe zum Korber Bädle

Pünktlich zum 80. Jubiläum des Freibads und zum 10. Jubiläum des Korber Bädlesvereins hat der Korber Verein Remstaler, der immer wieder Publikationen zu Münzkunde und Landesgeschichte herausgibt, eine Festschrift erstellt. Für die knapp 40-seitige Sonderausgabe, die ab dem 24. Juli für fünf Euro im Korber Bädle erhältlich ist, hat sich Chefredakteur und SPD-Gemeinderat Jürgen Klotz eingehend mit der Geschichte des kleinen Freibads beschäftigt, mit Zeitzeugen gesprochen und aus dem Archiv des Bädlesvereins passende Bilder herausgesucht.

Auf diese Weise schafft er es, der Allgemeinheit nicht nur eine ganze Menge an Informationen über das Bädle zugänglich zu machen, sondern auch die ein oder andere kuriose Anekdote für die Nachwelt festzuschreiben: So zum Beispiel die List, auf die der Korber Gemeinderat 1937 verfiel: Er deklarierte das geplante Schwimmbad im August 1937 offiziell als „Feuerlöschbehälter“, um mit dem Bau beginnen zu dürfen. In der Folge kassierten die Korber sogar einen Zuschuss von 3000 Reichsmark aus der Landes-Feuerlöschkasse.

Immer wieder renoviert

Über die Jahrzehnte ist das Korber Bädle immer wieder renoviert und geringfügig erweitert worden: So kamen erst Anfang der 50er Jahre die Umkleiden hinzu, in den 60ern die „Kantine“ (heute der Kiosk), dann ein Sandkasten. In den 70er Jahren baute die Gemeinde ein neues Technikgebäude mit zusätzlichen Toiletten und ein Kinderbecken für die ganz kleinen Badegäste.

Als „die Ära Schanbacher“ ist bei den Bädles-Freunden die Zeit zwischen den späten 70ern bis 1984 bekannt, in der das Freibad von Bademeister Reinhold Schanbacher und seiner Frau Anne betreut wurde. Gisela Schanbacher erinnert sich heute noch gerne daran, wie ihr Vater nachts auf der Lauer lag, um den Jugendlichen, die gerne mal über den Zaun einstiegen, die Kleider wegzunehmen. Um nicht nackt durchs Dorf laufen zu müssen, mussten die Jugendlichen beim Bademeister klingeln und um ihre Kleider betteln.

Anfang der 2000er Jahre überlegte die Gemeinde Korb, ein neues Bädle zu bauen oder das alte von Grund auf zu sanieren. Diese Pläne wurden schließlich aber wieder verworfen: Wegen der Weltwirtschaftskrise war kein Geld da, die Gemeinde beschloss 2010, das stark renovierungsbedürftige Freibad mit dem undichten Becken und seinem sehr hohen Wasserverbrauch endgültig aufzugeben.

Schon 1952 hier: Albert Heinrich

Damals rief Albert Heinrich, von dem es Fotos aus dem Jahr 1952 gibt, auf denen er als kleiner Junge das Schwimmbad besucht, den Bädlesverein Korb ins Leben. Seine Mission: Das Korber Freibad muss fortbestehen. Zusammen mit rund 80 weiteren Korber Bürgern, die auf ihr Bädle nicht verzichten wollten, übernahm er die Pflege und die Modernisierung des Freibads.

Der Verein schaffte einen Kassenautomaten an, sanierte das undichte Becken, brachte die sanitären Anlagen auf Vordermann, verringerte den Wasserverbrauch und baute eine Wärmepumpe ein. Zehn Jahre später steht fest: Der Verein mit seinen vielen tüchtigen Helfern hat damals ganze Arbeit geleistet. Dem neuen Träger der Bürgermedaille, Albert Heinrich, und seinen Mitstreitern verdankt es die Gemeinde Korb heute, dass die Bürger auch während Corona bei sich im Ort baden gehen können.

Fast hätte das Hitler-Regime den Bau des Korber Freibads verhindert: Nachdem in Schwaikheim 1929 das erste Bädle im Kreis eröffnet hatte, wollten die Korber 1937 auch gerne eines haben – in Nazi-Deutschland, das sich bereits auf den Krieg vorbereitete, standen die Chancen, so ein Bauprojekt genehmigt zu bekommen, allerdings nicht sehr gut. Deshalb ließ sich der damalige Korber Gemeinderat eine geschickte Finte einfallen, um das Bädle doch bauen zu dürfen. Von dieser List profitieren die

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