Korb

Wohin mit den Flüchtlingen? Korb stellt weitere Container auf

Flüchtlingsheim Korb
Die Containeranlage in der Brucknerstraße (Archivfoto). © Gabriel Habermann

Immer mehr Flüchtlinge kommen in den Kommunen an, auch Korb ist jetzt zum Handeln gezwungen: Weil Unterbringungsmöglichkeiten dringend benötigt werden, wird bei der Anschlussunterbringung in der Brucknerstraße eine zusätzliche Containeranlage errichtet werden. Das hat der Gemeinderat jetzt beschlossen. So richtig gut findet diese Idee eigentlich niemand - aber eine Alternative konnte bisher nicht gefunden werden.

Weitere 145 Geflüchteten sollen dieses Jahr noch in Korb ankommen

118 Menschen aus der Ukraine sind seit dem Frühjahr in Korb angekommen, auch der Strom an Asylsuchenden aus anderen Ländern nimmt zurzeit wieder zu. Korb habe voraussichtlich kommende Woche schon sein eigentliches jährliches Soll für die Aufnahme von Geflüchteten für 2022 erfüllt, informiert Adalina Schäfer, Haupt- und Ordnungsamtsleiterin, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

Trotzdem wurde die Aufnahmequote für die Gemeinde kürzlich erst erhöht: Bis Jahresende sei Korb verpflichtet, noch weitere 145 Personen aufzunehmen, 19 Plätze davon seien für Nicht-Ukrainer reserviert, so Schäfer.

Zur Verfügung gestellter Wohnraum reicht nicht mehr aus

Das stellt die Gemeinde vor ein Problem: Denn die Kapazitäten, die Menschen auch unterzubringen, gehen langsam, aber sicher zur Neige. Seit dem Sommer sucht Korb schon dringend nach zusätzlichen Wohnungen, hat einen Appell an die Bürgerschaft gestartet, frei werdenden Wohnraum zu melden. So konnte bisher eine Hallenbelegung, wie sie in Waiblingen und Kernen schon Realität ist, verhindert werden.

Eigentlich wünscht sich die Gemeinde eine dezentrale Unterbringung der Geflüchteten innerhalb der Gemeinde. Die aktuellen Entwicklungen machen aber klar: Der dafür angemietete Wohnraum wird nicht ausreichen, auch in der bestehenden Container-Wohnanlage in der Brucknerstraße wirkt sich die Situation jetzt schon aus.

Ehrenamtliche Helfer schlagen Alarm

Im September hat der Freundeskreis Asyl deshalb Alarm geschlagen und sich an den Gemeinderat gewandt: In der Unterkunft herrsche jetzt schon eine Notsituation, aufgrund des hohen Unterbringungsdrucks sollen bis zu vier Menschen in einem Raum unterkommen können - damit könnten bis zu 80 Menschen in der Brucknerstraße untergebracht werden, rund doppelt so viele wie eigentlich gedacht.

Die Containeranlage sei dafür nicht ausgelegt, so die Ehrenamtlichen. Allein schon die sanitären Anlagen seien für so viele Menschen nicht ausreichend. Die Gemeinde stimmt zu: So eine Intensivbelegung sollte vermieden werden. Das geht aber nur, wenn zusätzliche Container aufgestellt werden.

Nur drei Standorte kamen überhaupt infrage

Viele mögliche Standorte gibt es dafür aber gar nicht: Zwar ist in der Brucknerstraße grundsätzlich noch Platz für bis zu drei weitere Container-Wohnanlagen. Gleichzeitig fürchten viele Korber Gemeinderäte bei einer Vergrößerung der Anlage, dass diese künftig zum sozialen Brennpunkt werden könnte.

Zwei weitere denkbare Standorte wären in der Römerstraße, wo die Gemeinde in der Zukunft ein Baugebiet ausweisen will - hier sind aber noch viele Fragen offen, bevor Container aufgestellt werden könnten: Nur ein Grundstücksanteil gehört bereits der Gemeinde, außerdem wäre die Anlage bei der Planung des künftigen Wohngebiets im Weg. Auch ein Grundstück am Neuen Friedhof stand zur Debatte: Hier wäre die Erschließung allerdings sehr schwierig, die Betriebskosten deshalb dauerhaft hoch und die Anlage wäre so ab vom Schuss, dass erneut eine Ausgrenzung drohen würde.

Suche nach langfristiger Lösung geht weiter

Mit großer Mehrheit stimmten die Gemeinderäte schließlich für die Errichtung einer zusätzlichen Container-Wohnanlage für insgesamt 72 Personen neben der bestehenden Unterkunft in der Brucknerstraße - mit der Bedingung, dass die Gemeinde weiterhin nach alternativen Standorten sucht und, auf Antrag von CDU und Freien Wählern, dass die Bauabschnitte zwei und drei vorerst nicht umgesetzt werden. In diesen könnten jeweils weitere 60 und 48 Plätze in zwei weiteren Container-Komplexen entstehen.

Er werde dem Vorschlag zustimmen und er denke dabei auch an den Freundeskreis Asyl, der es einfach hat, wenn die neue Anlage nah bei der bestehenden gebaut wird, sagt Nicola DeVitis (Korber Freie Bürger). „Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir da oben kein Ghetto machen sollten.“

Korb hofft auf Fördergelder vom Land

So sehen das auch die anderen Fraktionen: Die Brucknerstraße sei jetzt zwar die dringend benötigte „schnelle Lösung“, so Jürgen Klotz (SPD), aber es müsse eben auch eine langfristige her. „Die Römerstraße wäre für mich eine ernsthafte Alternative“, regt Martin Schwegler (CDU/Freie Wähler) an.

„Ich kann Ihnen sagen, dass die Gemeinde nicht ruhen wird“, versichert Bürgermeister Jochen Müller auf die Standortsuche bezogen. Beim Erwerb ist eine Finanzierung durch eine Kreditaufnahme erforderlich. Die Kreditaufnahme muss im Wirtschaftsplan 2023 eingeplant werden, die genaue Kostenhöhe steht noch nicht fest, Korb hofft auf Förderung vom Land. Die Anschaffung der zusätzlichen Container soll nun so schnell wie möglich in die Wege geleitet werden – allerdings müssen davor erst die Förderanträge eingereicht werden.

Immer mehr Flüchtlinge kommen in den Kommunen an, auch Korb ist jetzt zum Handeln gezwungen: Weil Unterbringungsmöglichkeiten dringend benötigt werden, wird bei der Anschlussunterbringung in der Brucknerstraße eine zusätzliche Containeranlage errichtet werden. Das hat der Gemeinderat jetzt beschlossen. So richtig gut findet diese Idee eigentlich niemand - aber eine Alternative konnte bisher nicht gefunden werden.

Weitere 145 Geflüchteten sollen dieses Jahr noch in Korb

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