Leutenbach

Ärger mit Nachbarn: Wird der Kunstrasenplatz in Nellmersbach verlegt?

Kunstrasenplatz
Papier, in dem Fall ein Schild mit den zulässigen Zeiten, ist geduldig. Die Realität sieht anders aus. © Gabriel Habermann

Klingt ziemlich visionär, was der Bürgermeister in seiner Haushaltsrede an „Überlegungen“ für Nellmersbach anstellte: Verlegung des Kunstrasenplatzes, Neubau eines solchen hinter dem Rasenspielfeld, Verlegung des Kindergartens Schwalbenweg auf das bisherige Areal des Kunstrasenplatzes, damit also Neubau einer Kita dort, an der bisherigen Stelle neuer Wohnraum, Vergrößerung des Pausenhofs der Schule auf dem frei werdenden Areal, an der gegenüber liegenden Ecke ein Biergarten, als Außenbewirtschaftung der TSV-Gaststätte. Inwieweit ist all das realistisch?

Es gebe noch keine entsprechenden Beschlüsse des Gemeinderats, betont Jürgen Kiesl, darauf verweisend, dass im vergangenen Jahr die Gemeinde beschlossen hat, einen Förderantrag für eine städtebauliche Untersuchung in Auftrag zu geben. Die Förderzusage liege mittlerweile vor, die Untersuchung selbst stehe noch aus. Was er in seiner Rede erstmals öffentlich machte, habe er zuvor nichtöffentlich als „Gedanken in die Runde geworfen“, er wolle „ein gemeinsames Nachdenken“ im Gremium, aber auch in der Bürgerschaft.

Kiesls Schlussfolgerung aus vielen Jahren: „Wir bekommen das so nicht in den Griff“

Zu einem neuen Standort für den Kunstrasenplatz sei nichtöffentlich vorberaten worden, aber noch nichts entschieden. Der Ärger um den Kunstrasenplatz, die anhaltenden Beschwerden von Nachbarn über Lärmbelästigungen von dort seien überhaupt der Ausgangspunkt. Seine Schlussfolgerung aus vielen Jahren: „Wir bekommen das so nicht in den Griff.“ So heißt, wenn der Kunstrasenplatz dort bliebe. Es gebe Gruppen Jugendlicher und junger Erwachsener, die mit lauter Musik bis in die Nacht hinein dort bolzen. Oder sonntags Väter, die mit ihren Jungen dort spielen. „Es ist einfach unangenehm, die des Platzes verweisen zu müssen.“

Er habe ein gewisses Verständnis für beide Seiten, so Kiesl. Die Erweiterung der Nutzungszeiten, die aufgrund der Änderung rechtlicher Rahmenbedingungen möglich geworden ist, sei zwar längst beschlossen, aber noch nicht umgesetzt, weil nach wie vor der GVV und das Landratsamt sie noch nicht genehmigt hätten. „Aber auch die wird uns nicht helfen, wenn da bis spät in die Nacht gespielt wird.“ Der Gedanke sei also seit ein, zwei Jahren, ob nicht der „Befreiungsschlag“ sein könnte, den Platz zu verlegen. Das sei vom Verein angeregt worden, in Verbindung mit einer Wohnbebauung des Areals. Die gehe aber nicht wegen der angrenzenden Sporthalle, sprich den Lärmbelästigungen, denen dann die neuen Anwohner bei Veranstaltungen ausgesetzt wären. Daraus wiederum sei die Überlegung entstanden, statt dessen den nahen Kindergarten dorthin zu verlegen und auf dessen Areal dann neue Wohnungen zu bauen. Als i-Tüpfelchen: die Idee mit dem Biergarten. Womit immer noch Platz wäre auch für öffentliches Grün.

Bei Verstößen Jugendlicher werden die Eltern angeschrieben

Der Standort für den neuen Kunstrasenplatz im Gewann Schlüsseläcker wiederum erfordert Grunderwerb, bisher ist dort Ackerfläche. Im Flächennutzungsplan ist das Areal bereits als Sportgelände ausgewiesen. Kiesl geht davon aus, dass die Gemeinde für den Neubau wohl nicht mit einem Zuschuss rechnen kann, ihn also selbst voll finanzieren müsste. Er registriere in Teilen des Gemeinderats eine Aufgeschlossenheit „darüber nachzudenken“. Sein Gefühl sei, dass daraus was werden könnte. Aber so, wie es sei, sei es belastend: „Wir, die Verwaltung, müssen uns ständig rechtfertigen, verteidigen, nach beiden Seiten.“ Bei den einen Nutzern gebe es immerhin ein gewisses Verständnis für die Beschränkungen, bei den anderen arbeite man mittlerweile auch mit Bußgeldern für die begangenen Ordnungswidrigkeiten, nachdem die Situation immer wieder eskaliere. „Und wir schreiben bei Jugendlichen jetzt auch die Eltern an.“

Was ist mit den Anwohnern? Die hätten teilweise resigniert, teilweise seien sie verbittert. Es seien zwar wenige, die sich beschweren, „aber die leiden wirklich, deren Beschwerden sind leider berechtigt, das zeigen Videos und Fotos, die sie ans Rathaus schicken.“ Es sei aber auch ein psychologisches Problem, „weil die Leute ja wissen, es dürfte nicht sein, es geht weniger um den Lärm an sich.“ Dieser Zankapfel sei wie eine Entzündung, die nach und nach den ganzen Ort ergreife. Der Vollzugsdienst sei zwar auch an Wochenenden unterwegs, könne aber nicht 24 Stunden dort sein. Und die Polizei habe eh noch genug anderes zu tun.

Kurzum: Der Kunstrasenplatz in Nellmersbach sei ein „Brennpunkt“ in der Gemeinde, das wisse die Polizei auch. „Ich sehe die Chance, da dauerhaft Ruhe reinzubringen, inzwischen nur in der Verlegung, einem Standort weg von der Wohnbebauung.“ War denn dann der bisherige Standort nicht von vornherein falsch gewählt? Da sei ja schon mindestens seit den 50er Jahren gebolzt worden, hält Kiesl dagegen. Der Fehler sei 1986 im Bebauungsplan für den Bau der Halle nebenan passiert, damals sei eben der Begriff Bolzplatz vergessen worden. Damit habe der nicht wie angenommen Bestandsschutz gehabt und das sei sozusagen das Einfallstor für die Nutzungsbeschränkungen gewesen.

Eine Erweiterung der Nutzungszeiten werde es auch beim Kunstrasenplatz in Weiler zum Stein geben, so dass auch dort auch sonntags legal ein paar Stunden gespielt werden könne, auch dort gebe es in der Nachbarschaft ja Wohnbebauung, wenn auch nicht so unmittelbar wie in Nellmersbach. Das Problem dort sei auch, dass wenn der Verein ein Heimspiel auf dem Rasenplatz hat, parallel dazu auf dem Kunstrasenplatz gebolzt wird, unzulässigerweise.

Klingt ziemlich visionär, was der Bürgermeister in seiner Haushaltsrede an „Überlegungen“ für Nellmersbach anstellte: Verlegung des Kunstrasenplatzes, Neubau eines solchen hinter dem Rasenspielfeld, Verlegung des Kindergartens Schwalbenweg auf das bisherige Areal des Kunstrasenplatzes, damit also Neubau einer Kita dort, an der bisherigen Stelle neuer Wohnraum, Vergrößerung des Pausenhofs der Schule auf dem frei werdenden Areal, an der gegenüber liegenden Ecke ein Biergarten, als

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper