Leutenbach

Überreste aus der Jungsteinzeit in Neubaugebiet

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Dr. Andreas Thiel vom Landesamt für Denkmalpflege im Gespräch mit Reinhold Feigel, der ehrenamtlicher Beauftragter für den Rems-Murr-Kreis ist. © Habermann / ZVW
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Mit einem Abzieher und einer Spachtel sucht Reinhold Feigel (links) im Boden nach Überbleibsel aus der Jungsteinzeit. Baggerfahrer Tobias Faas trägt dazu im Gebiet Weiler zum Stein Erdschicht für Erdschicht ab. © Habermann / ZVW

Leutenbach-Weiler zum Stein. Erneut sind im künftigen Neubaugebiet Schafäcker Überbleibsel aus der Neusteinzeit gefunden worden. Nachdem im Jahr 2016 Keramikreste sowie Spuren einer Siedlung zum Vorschein kamen, fand man diesmal Tonscherben und einen Mahlstein. Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Funde wenig spektakulär. Bodenerosionen haben dem Gelände zugesetzt, weshalb sich nur wenig über die vielen Jahre hinweg erhalten hat.

Video: Erneut wurden in Leutenbach Spuren aus der Jungsteinzeit entdeckt. Sie stammen von einer Siedlung im sechsten vorchristlichen Jahrtausend.

Reinhold Feigel greift nach seiner Spachtel in der rechten Hosentasche und stochert mit ihr im lehmigen Erdboden. Rings um ihn herum ist die Erde durch Asche dunkel verfärbt. Hier könnte einmal eine Feuerstelle gewesen sein. Hellere Flecken sind wohl Überreste von Hüttenwänden, die aus Flechtwerk bestanden, das mit Lehm versiegelt wurde. An ein paar dunklen Stücken hält Reinhold Feigel inne, stochert tiefer in der Erde. Er greift mit den Fingern nach etwas, das im ersten Moment wie ein Erdklumpen aussieht. Er streift mit der Hand Erdstaub ab, um sicher zu gehen, bevor er das Geheimnis seiner Entdeckung lüftet. „Tonscherben“, sagt er. „Sie stammen von einer Keramik aus der Jungsteinzeit!“ Suchend tastet er erneut den Untergrund mit der Spachtel ab. An einem Stein hält er inne. Er löst ihn aus dem Boden, um auch ihn von Erdresten zu befreien. Zuletzt wischt er ihn an der Hose ab. „Es ist ein Mühlstein“, klärt er auf. Er sei einmal Teil eines Mahlwerks gewesen.

Funde sind interessant, wenn sie Aufschluss über die Steinzeit geben

Reinhold Feigel ist in Sachen Denkmalschutz ehrenamtlicher Beauftragter für den Rems-Murr-Kreis und im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege im Einsatz. Seit er im Vorruhestand ist, das sind immerhin 14 Jahre, geht der Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik dem Hobby nach. „Das hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. Entsprechende Fertigkeiten hat er in Schulungen erhalten. Rein theoretisch könnte er sogar eine Baustelle für eine gewisse Zeit stoppen, wenn er einen Fund feststellt, der von Bedeutung ist. Funde, die den Menschen heutzutage helfen würden, die Geschichte von damals besser zu verstehen. „Kleine Sensationen“, erklärt Dr. Andreas Thiel vom Landesamt für Denkmalpflege. Das könnte beispielsweise ein besonderes Gefäß sein, das Aufschlüsse über das Leben in der Jungsteinzeit gibt. Interessant wäre auch, wenn sich im Boden die Grundrisse der Häuser abzeichnen und anhand von Pfostenlöchern die Siedlung rekonstruiert werden könnte. In Weiler zum Stein ist von alldem wenig zu finden. Durch die leichte Hanglage gibt es starke Bodenerosion. „Hier fehlt uns etwa ein Meter seit der Jungsteinzeit“, erklärt Thiel. Das hat zur Folge, dass nur erhalten geblieben ist, was sich im Boden befindet. Alles andere wurde über die Jahrtausende weggespült.

Im Boden die Geschichte lesen

Thiel kann im Boden die Geschichte lesen. Holzkohle und Asche erhält sich über Jahrtausende, weiß er. Die Unregelmäßigkeit der dunklen Flecken zeigt, dass beides teilweise in eine Grube geworfen wurde – einen steinzeitlichen Mülleimer - zusammen mit den Scherben. An den Stellen, wo dunkle Holzkohleflecken mit Hüttenlehm kombiniert ist, war wohl eine Feuerstelle.

Nachdem im vergangenen Jahr Keramikscherben sowie zwei sogenannte Steindechsel (Beile) gefunden wurden, hat das Landesamt für Denkmalpflege entschieden, dort keine systematischen Grabungen durchzuführen, weil sie wenig erfolgsversprechend wären. Die Untersuchungen beschränken sich auf sogenannte Sondierungen, wobei ein Bagger Erdschicht für Erdschicht abträgt.

Fundstücke kommen ins Archäologische Landesmuseum nach Konstanz

Mit Daumen und Zeigefinger zeigt Feigel die Tiefe von zehn Zentimetern an. „Noch mal so ein Stück tiefer“, ruft er Baggerfahrer Tobias Faas zu. Dieser bedient ein paar Hebel und die Schaufel bewegt sich. Dann soll Tobias Faas tiefer gehen. Feigel wolle wissen, wie weit die steinzeitlichen Spuren in den Boden reichen. Am Ende bleibt es dabei. Im Gebiet tut sich nichts Unerwartetes auf. Die Fundstücke kommen ins Archäologische Landesmuseum nach Konstanz, nicht um sie auszustellen, sie werden dort katalogisiert und aufbewahrt. „Wir gehen davon aus, dass sich die Archäologie als Wissenschaft weiterentwickelt“, sagt Thiel. Vielleicht können Wissenschaftler eines Tages andere Dinge in den Scherben lesen.