Leutenbach

40 Akteure spielen Luther

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Bernd Pfau als Johann Tetzel verteilt im Luther-Theaterstück Ablass-Briefe und schüttelt dabei kräftig die Geldkassette. © Benjamin Büttner
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Theaterstück zu Luther
Rainer Bauer als Luther. © Benjamin Büttner
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Theaterstück zu Luther
Rainer Bauer und Susanne Pfau in den Rollen Martin Luthers und einer Sterbenden. © Benjamin Büttner

Leutenbach-Nellmersbach. Es ist nicht einfach nur ein Theaterstück über Martin Luther, das am Sonntag in der evangelischen Kirche Nellmersbach Premiere feiert. Es verspricht in seiner Art besonders zu werden. 40 Mitwirkende tragen in 14 Bildern dazu bei. Angereichert mit Liedern, die der Chor oder eine Renaissance-Band zum Besten geben, verspricht es ein bewegender, ergreifender, aber dennoch unterhaltsamer Abend zu werden.

„Wenn ihr mich fragt, ob alle Sünden vergeben werden können, so antworte ich: Oh ja. Ist das nicht gnadenvoll?“, fragt Bernd Pfau in einem Ton, der so manches Sünderherz höher schlagen lässt, und erntet daraufhin prompt ein begeistertes und anbetendes „Ja“ von als Bürgern verkleideten Schauspielern. In einem dunkelroten Samtgewand steht er als Johann Tetzel auf der Bühne. An jedem Finger seiner Hände trägt er einen oder mehrere Ringe als Zeichen des Prunks und Protzes dieses apostolischen Kommissars für das Ablasswesen, den er im Theaterstück der evangelischen Kirchengemeinde „Predigen will ich’s, sagen will ich’s, schreiben will ich’s“ verkörpert.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“, sagt er, hält dabei eine Kiste voll Münzen hoch und tänzelt mit seinen feuerroten Schuhen über die Bühne in der evangelischen Kirche Nellmersbach, bis Rainer Bauer als Martin Luther in der Szene erscheint und dem Spektakel ein Ende bereitet. „Die Schuhe sind frisch lackiert“, verrät Pfau in einer Probenpause. Zusammen mit dem Familienauto, das nach einem Schaden repariert werden musste, hat er sie in die Lackiererei gegeben. Vom Ergebnis sind alle begeistert. „Das passt perfekt“, sagt Jürgen Kranz, der Regie führt.

Der Rest der Kostüme ist teils ausgeliehen, einen Großteil haben Christa Kranz und Christa Küpperbusch selbst geschneidert. In den Kostümen werden die 30 Mitwirkenden (zehn weitere agieren im Hintergrund) zu dem, was sie verkörpern, werden eins mit der Figur. „Die meisten haben keine Bühnenerfahrung“, sagt Bernd Pfau.

Jürgen Kranz zeigt als Regisseur ein besonderes Gespür für die Rollen

Für die Hauptrollen Martin Luther (Rainer Bauer) und Katharina von Bora (Heidi Halagah) haben sich die Nellmersbacher Unterstützung aus Winnenden geholt. Damit die Laien die Rollen besser begreifen konnten, war auch einmal der Autor Johannes Soppa zu Besuch. Das letzte Stück Lebendigkeit erhalten die Figuren durch Regie-Anweisungen, die Jürgen Kranz ihnen erteilt. Er achtet penibel auf Kleinigkeiten, hat ein Gespür für die Charaktere und greift ein, wenn hier und da einer bei der Probe im Text nicht weiterweiß.

Lebendig verspricht das Stück zusätzlich durch die Musikstücke zu werden, welche der Chor und die Renaissance-Band ergänzend bieten. Gabriele Haf, die die musikalische Leitung übernimmt, springt dabei zwischen Klavier und Orgel hin und her. Es entsteht kein Stillstand im Stück – nicht einmal in Umbaupausen. Das fesselt den Zuschauer, so viel sei verraten.

Das Besondere ist aber auch, dass alle kostümiert sind, so Kranz, „selbst derjenige an der Abendkasse“. Zuschauer sollen gleich beim Betreten des Kirchenraums, der mit Hilfe einer Bühne und entsprechender Beleuchtung zum Theatersaal umfunktioniert wird, ein besonderes Flair erleben – eintauchen in die Zeit, in welcher der Reformator lebte. Sie erleben ihn als Polterer, als Seelsorger, etwa wenn er der Todkranken (Susanne Pfau) beisteht, und lernen ihn als Persönlichkeit kennen. Die Idee dazu ist entstanden, als man sich Gedanken über Programmpunkte zum Luther-Jahr gemacht hat, erklärt Bernd Pfau. Die Theateraufführung bildet den Höhepunkt. Anhand der Proben kann so mancher erahnen, dass das der Gemeinde auch gelingen wird.