Leutenbach

Akkordeonorchester Leutenbach: Ein Jubeljahr ohne Auftritt und Fest

Akkordeon Orchester
Symbolbild. © Benjamin Büttner

Das Akkordeonorchester Leutenbach feiert 50-jähriges Jubiläum unter Coronabedingungen – das hieß bislang: Verteilen einer Festschrift an die Mitglieder und Verfassen eines Berichts. In dem schildert Schriftführerin Angela Braun, wie's dem Verein und seinen Musikern gerade geht.

Konzert? Verschoben auf 2022

Die aktuellen Beschränkungen lassen Veranstaltungen und Feierlichkeiten, wie es eigentlich einem 50-Jahr-Jubiläum angemessen wäre, nicht zu. Sowohl in der Vorbereitung von Veranstaltungen als auch in der Probenarbeit für einen möglichen Konzertauftritt mussten mehrfach Abstriche gemacht werden. Geplante Veranstaltungen mussten abgesagt, verschoben oder neu ausgerichtet werden. Nach einer coronabedingten Probenpause im vergangenen Frühjahr ruht die Probenarbeit erneut seit November letzten Jahres.

Ursprünglich war für April 2021 ein Jubiläumskonzert vorgesehen. Nachdem erkennbar war, dass der Termin auch wegen fehlender Proben nicht zu halten ist, wurde der Konzerttermin zuerst auf Herbst verlegt und inzwischen auf das nächste Jahr verschoben. Ob und, wenn ja, welche Veranstaltungen überhaupt in diesem Jahr möglich sein werden, ist derzeit noch völlig fraglich.

Zehn Mark: Der Jahresbeitrag anno 1971

So hat man also viel Zeit, in der Vereinsgeschichte zu schmökern. Vor 50 Jahren, im März 1971, trafen sich 21 Personen im damaligen „Café Lämmle“ in der Bachstraße in Leutenbach, um den Verein Akkordeonorchester Leutenbach zu gründen. Ziel der Gründungsmitglieder war, Jung und Alt in Leutenbach eine Plattform zu bieten, um gemeinsam Akkordeonmusik zu betreiben und insbesondere der Jugend das Erlernen des Instruments zu ermöglichen. „Innerhalb der vergangenen 50 Jahre ist der Verein zu einem festen Bestandteil im kulturellen Leben von Leutenbach geworden“, sagt die Schriftführerin.

Als erster Vorsitzender wurde damals Karl Fleischmann gewählt. Richard Blessing übernahm das Amt des Kassiers. Mit einem Jahresbeitrag von 10 DM konnte der Verein natürlich keine großen Sprünge machen und musste die Finanzen sehr genau im Auge behalten. Schulden zu machen kam nicht infrage.

Der Jahresbeitrag wurde damals noch von jedem Mitglied in bar kassiert. Die Zahlungen wurden in einem heute noch erhaltenen Beitragsheft ganz genau eingetragen und die Mitglieder bekamen als Quittung eine Gebührenmarke in ihr Mitgliedsbüchle geklebt.

Probe im Keller: Kassier Richard Blessing stellt anfangs den Raum

Geprobt wurde in den Anfängen im Keller des Wohnhauses der Familie Blessing, da kein anderer Übungsraum zur Verfügung stand. Der Lehrer und musikalische Leiter Karl Spießberger wurde im Hause Blessing sogar mit einer Mahlzeit versorgt. Für Veranstaltungen zuerst in der alten Turnhalle und später in der Rems-Murr-Halle wurden mit fleißigen Helfern Schnitzel paniert und Kartoffelsalat zubereitet, so konnte der Verein Einnahmen erzielen.

Seit Jahrzehnten dient die jährlich stattfindende Leutenbacher Hocketse als Haupteinnahmequelle für den Verein. Neben den musikalischen Auftritten auf der Musikbühne im Spatzenhof betreibt der Verein den schon legendären Imbissstand mit dem traditionellen Angebot von Schaschlik, Currywurst und Pommes sowie einen Getränkestand mit Weinen, Sekt und trendigen Mixgetränken. Dass die Hocketse in diesem Jahr erneut ausfallen muss, reißt ein großes Loch in die Vereinsfinanzen.

Zur Akkordeonmusik gehörte auch immer die Geselligkeit und Kameradschaft und man erinnert sich noch gerne an veranstaltete Ausflüge und Feste.

Zu einem Highlight in der jüngsten Vergangenheit zählt eine Reise in die ungarische Partnergemeinde Dunabogdány 2017 mit einem Auftritt beim Dorffest sowie der Mitgestaltung des Sonntagsgottesdienstes in der katholischen Kirche von Dunabogdány. Mit viel Gastfreundschaft und Herzlichkeit hatten die Gastgeber ein abwechslungsreiches Programm gestaltet.

Boom zu Beginn: Nach vier Jahren waren's schon 70 Spieler

Damals wie heute stellt die Ausbildung und Nachwuchsgewinnung einen zentralen Bestandteil der Vereinsarbeit dar. In den Anfangsjahren gab es keinerlei Nachwuchssorgen und bereits nach vier Jahren hatte der Verein 70 Akkordeonspieler.

Ja zu Secondhand: Gebrauchte Instrumente für den Nachwuchs erwünscht

Heutzutage muss der Verein deutlich größere Anstrengungen unternehmen, um Nachwuchs zu gewinnen und Kinder für das Akkordeonspiel zu begeistern. Auch die heutigen musikalischen Anforderungen und die Musikausbildung sind mit den damaligen Bedingungen nicht mehr vergleichbar. Daher hat sich die Vereinsleitung die Nachwuchsarbeit auf die Fahnen geschrieben, denn ohne Nachwuchs kann der Verein die nächsten 50 Jahre nicht überleben. Bei veranstalteten Jugendtagen bekommen interessierte Kinder die Möglichkeit, das Akkordeon kennenzulernen und auszuprobieren. „Sie erleben, aufgelockert mit Spiel- oder Basteleinheiten, einen ganzen Tag mit viel Spaß“, findet die Vereinsschriftführerin.

Das Kooperationsprojekt mit der Gemeinschaftsschule Leutenbach - das „Leutenbacher Musikmodell“ -, bei dem jedem Grundschulkind der 3. Klasse ein Jahr lang kostenloser Musikunterricht gewährt wird, ist ein Aushängeschild weit über die Gemeindegrenzen hinweg. In diesem Jahr feiert es sein zehnjähriges Bestehen. Ziel dieser Kooperation ist es, jedem Grundschulkind im Rahmen einer musikalischen Grundausbildung kostenlos Unterricht an einem Instrument zu ermöglichen.

Die Instrumente hierfür werden vom Verein kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Instrumentenpool muss laufend erweitert und instandgesetzt werden. Immer wieder sind auch Neuanschaffungen erforderlich. Daher ist der Verein dankbar, wenn ihm gebrauchte Akkordeons überlassen werden.

Claudia Rehberg dirigiert: Sie ist Ausbilderin und Leiterin des ersten Orchesters

Seit 2019 liegt sowohl die Ausbildung als auch die Leitung des 1. Orchesters in der Hand der Akkordeonlehrerin Claudia Rehberg. „Viel Energie und Engagement wird in eine zeitgemäße und altersgerechte Gestaltung der Unterrichtseinheiten gesteckt“, schreibt Angela Braun. Durch die aktuellen Beschränkungen wurde die Weiterentwicklung allerdings ausgebremst. Mit Onlineangeboten, die in kürzester Zeit auf die Beine gestellt und realisiert wurden, kann dies nur zu einem geringen Teil aufgefangen werden.

„Das Akkordeonorchester Leutenbach kann heute auf 50 Jahre erfolgreiches Wirken zurückblicken“, schreibt Angela Braun. Das sei dem „Idealismus und Engagement der Gründer von einst und denjenigen“ zu verdanken, „die seither in verantwortlicher Position im Verein tätig waren.“

Proben, Auftritte und geselliges Beieinandersein hätten den Verein in den letzten 50 Jahren zu dem gemacht, was er heute darstellt: eine bunte Mischung aus Jung und Alt, Groß und Klein mit der Freude am Musizieren.

Das Akkordeonorchester Leutenbach feiert 50-jähriges Jubiläum unter Coronabedingungen – das hieß bislang: Verteilen einer Festschrift an die Mitglieder und Verfassen eines Berichts. In dem schildert Schriftführerin Angela Braun, wie's dem Verein und seinen Musikern gerade geht.

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Die aktuellen Beschränkungen lassen Veranstaltungen und Feierlichkeiten, wie es eigentlich einem 50-Jahr-Jubiläum angemessen wäre, nicht zu. Sowohl in der Vorbereitung von

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