Leutenbach

Autohandel weicht Oldtimergaragen

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Aufs Gelände mit dem Gebrauchtwagenhandel stellt Jörg Nusser (links) 58 Garagen für Oldtimer. Rouven Eidelloth sorgt in seiner neu hierhergezogenen Oldtimer-Werkstatt für Wartung und Pflege. Auch Nussers Mercedes 280 SE Limousine Baujahr 1968 wird hier einziehen. © ZVW/Gabriel Habermann

Leutenbach-Nellmersbach. Ein Gebrauchtwagenhandel mit Schrottplatzimage soll an der Daimlerstraße 10 einer videoüberwachten Garagenanlage für 58 Oldtimer weichen. Direkt daneben hat im März ein Spezialist für die Restaurierung und Wartung alter Mercedes, Rouven Eidelloth, eine nagelneue Werkstatt bezogen. Grundstückseigentümer Jörg W. Nusser besitzt selbst Oldtimer und ist überzeugt von seinem Konzept.

„Ich bin selbst mal in Stuttgart mit einem meiner Oldtimer losgefahren, Gott sei Dank nicht schnell – die Bremsen funktionierten nur noch mit größtem Krafteinsatz aufs Pedal“, berichtet Jörg Nusser. Rouven Eidelloth schleppte den Wagen damals ab – und machte ihn wieder sicher für den Straßenverkehr. Die beiden freundeten sich an und hatten noch mindestens eine schwierige Bergung aus einer Tiefgarage, als Nussers Mercedes 280 SE nicht ansprang. Zylinderkopfdichtung. Der Gedanke reifte: warum nicht die Spezialwerkstatt direkt neben viele Garagen für Oldtimer setzen?

Die alten Wagen sind bei Dieben wegen der teuren Ersatzteile begehrt

In Nellmersbach kommen auf das Gelände an der B 14 58 Einzelgaragen. Sie haben Stromanschluss für die Autobatterie und eine Entfeuchtungsanlage, damit das gute Stück, falls es feucht geworden ist, nicht rostet. Die Sicherheit wird ebenfalls groß geschrieben mit Alarmanlage und Videoüberwachung, so dass sofort die Polizei gerufen wird, sollte sich hier ein Dieb zu schaffen machen. „Die teuren Ersatzteile sind begehrt. Wird ein Oldtimer gestohlen, wird er sofort zerlegt“, weiß Rouven Eidelloth, der sich schon im zweiten Lehrjahr als KfZ-Mechaniker auf Restaurierung spezialisiert und vor fast sieben Jahren selbstständig gemacht hat. Vom Partner in der „Mythosschmiede“ hat er sich getrennt, war beengt bis vor kurzem aber noch in Waiblingen-Neustadt ansässig.

Platz hat der 41-Jährige mit seiner Firma „Eidelloth Classics“ in der neuen Nellmersbacher Werkstatt nun reichlich, „aber außer meinem Gesellen hätte ich gern noch mindestens einen Mitarbeiter“. Allein, es gibt kaum mehr Leute, die an alten Autos schrauben wollen - oder können. „Bis zum Jahr 2000 war alles Handarbeit, da war nichts mit Laptop-Einstöpseln“, sagt Eidelloth lachend über die heutigen Diagnose-Geräte und Software-Updates.

Das Baugesuch für Garagen, Stellplätze und eine Halle hat Jörg Nusser im Dezember eingereicht, er hofft, spätestens im Juni die Baugenehmigung zu haben und im ersten Quartal 2020 eröffnen zu können. Mit der neuen Werkstatt investiert Nusser schätzungsweise 2,4 Millionen Euro in das Gelände. In der Halle wird er seine sieben Oldtimer – fünf Mercedes, ein Käfer-Cabrio und einen Audi 100 – sowie einen angehenden Oldtimer, einen Mercedes Baujahr 1990, unterbringen. Für sie hat er zurzeit noch Garagen gemietet. „Auch Kundenfahrzeuge, die auf Reparatur warten, und hohe Boote können im Winter in der Halle untergestellt werden“, sagt der 50-Jährige. Da er der Geschäftsführer der Nusser-Firmen Systembau und Bauen und Mieten (für mobile Raumzellen) ist, hat er auch das Büro für den „Oldtimerpark“ am Verkaufssitz in Winnenden an der Max-Eyth-Straße.

Autohändler kann den Platz bisher nicht vollständig räumen

„In der Mitte werden wir einen Werbeturm mit Windrad und Fotovoltaikanlage bauen, der erzeugte Strom wird das Gelände nachts beleuchten“, sagt Nusser, der sich als „Liebhaber regenerativer Energien“ bezeichnet. Sorge bereitet ihm nun nur noch der Rest des Gebrauchtwagenhandels seines 80-jährigen Mieters. Seit 1983 ist jener auf diesem Gelände tätig und hat seinen Kunden, für die er die Autos verkaufen sollte, fast blind vertraut – er hat nur Telefonnummern von ihnen.

28 ruft er zunehmend verzweifelt an – diese Fahrzeuge, unter ihnen ein weißer Jaguar, sind bisher nicht abgeholt worden. „Ohne Fahrzeugbrief kann er sie nicht verschrotten, die Polizei kann ihm aus Datenschutzgründen nicht helfen“, erzählt Nusser von dem Dilemma. 


40 Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen

Gemeinderäte und Bürgermeister Jürgen Kiesl haben im Technischen Ausschuss über das Baugesuch beraten und die dafür notwendigen, aber geringfügigen Befreiungen einstimmig erteilt. So schafft der Bauherr mit der Pflanzung von 25 Obstbäumen am Grundstücksrand einen umfangreichen Ausgleich dafür, dass sechs Stellplätze entlang der B 14 in die Bauverbotsfläche ragen.

„Auf dem Gelände entstehen zwar kaum Arbeitsplätze, dafür haben wir als Gemeinde Vorteile, weil Wohnmobile nicht irgendwo an der Straße abgestellt werden, sondern dort“, sagte Kiesl. 40 Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen unterschiedlicher Größe entstehen ebenfalls auf dem dreieckigen Gelände und direkt entlang der Daimlerstraße.

Gemeinderat Herbert Krehl (SPD) wäre froh darüber, bezweifelt aber, dass viele die monatliche Miete bezahlen wollen. „Es ist doch billiger, alle zwei Wochen Wohnwagen oder Wohnmobil zu rangieren, ein paar Meter umzustellen. Dann ist dem Gesetz Genüge getan.“

Der schon bestehende Stellplatz für Wohnmobile an der Daimlerstraße bleibt erhalten. Zaun und Tor sollen erneuert werden. Die Firma ist Mieter von Jörg Nusser. „Sollte sie einmal aufhören, könnten wir unser Konzept mit den Oldtimergaragen auch auf diesem Geländeteil fortsetzen“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung.