Leutenbach

Beleidigungen und Drohungen

Amtsgericht Waiblingen Symbol symbolbild gericht verhandlung
Symbolbild. © Joachim Mogck

Leutenbach/Waiblingen. Ihrer Trauer und auch Wut haben die jungen Männer an dem Abend im November 2017 bei der Sporthalle Ob den Gärten so Ausdruck verliehen, dass sie sich nun vor dem Waiblinger Amtsgericht zu verantworten hatten. Dort wurde auch ein Vorfall mitverhandelt, der sich während einer Demonstration von Kurden vor einem Jahr in Stuttgart ereignet hatte. Dazu kam noch, dass einer von ihnen im April vergangenen Jahres zweimal in Waiblingen mit Marihuana in größerer Menge und abgepackten Beuteln erwischt wurde.

An dem Tag im November hatte die Beerdigung eines Kumpels von ihnen stattgefunden. Der war zu einer Haftstrafe verurteilt worden, hatte jedoch die Haft nicht angetreten, weshalb ihn die Polizei mit Vollstreckungsbefehl daheim abholen kam. Der 20-Jährige wollte über den Balkon flüchten, stürzte dabei aber ab. Seine Freunde tranken sich einige Tage später nach der Beerdigung ziemlich einen an und kamen gegen 22 Uhr auf die schlechte Idee, sich an der Halle zu schaffen zu machen.

Hausmeister befürchtete, sie schlagen eine Scheibe ein

Der Hausmeister bekam das mit, befürchtete, dass sie drauf und dran waren, eine Scheibe einzuschlagen, und alarmierte die Polizei. Eine Streife kam vom Winnender Revier, eine war ohnehin in der Nähe. Die Polizisten stellten die Gruppe und bekamen einiges an Beschimpfungen und auch Drohungen zu hören. Die jungen Männer widersetzten sich zudem nicht nur der Personenkontrolle, der Feststellung ihrer Personalien, sondern hauten auch ab, ehe sie schließlich kurz darauf von weiteren Streifen beim Rathausplatz gestellt wurden. Die Verstärkung wurde allerdings auch herbeigerufen, weil an dem Abend noch weitere Gruppen junger Leute in der Gegend unterwegs waren und für die Polizei nicht abzuschätzen war, wie bedrohlich, gefährlich die Situation war oder noch werden könnte. Am Ende waren bis zu rund 20 Polizisten vor Ort, auch Diensthunde, und zwar nicht nur aus Winnenden, sondern auch aus anderen Revieren. Drei aus der ursprünglich fünfköpfigen Gruppe standen nun in Waiblingen vor Gericht.

Im Februar 2018 wiederum waren zwei von ihnen auf dem Stuttgarter Schlossplatz bei einer Demonstration von Kurden gegen den türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien. Sie fühlten sich von einem Gegendemonstranten, der eine türkische Fahne um die Schultern trug, provoziert. Es kam zu einem Gerangel, der Kontrahent bekam einen Faustschlag ins Gesicht und auch eine Getränkedose, so dass er ein blaues Auge davontrug. Der Vorwurf lautet hier: Körperverletzung, und zwar eine gefährliche, weil der Dosenwurf juristisch als Einsatz einer Waffe gewertet werden kann, was der Waiblinger Amtsrichter allerdings nicht tat. Er beließ es auch dabei, dass nur einer der beiden Angeklagten unbestreitbar direkt an dem Vorfall beteiligt war.

„Dieses Unglück hat ja auch uns nicht kaltgelassen“

In der Verhandlung räumten die vier Angeklagten, mittlerweile 20 und 21 Jahre alt, die Vorwürfe durchaus weitestgehend ein. Zum Leutenbacher Vorfall gaben sie allerdings der Polizei eine gehörige Mitschuld an der Eskalation, ganz zu schweigen von deren vermeintlicher Mitverantwortung für den Tod des Kumpels. Einige der Polizisten, die damals im Einsatz gewesen waren und die nun als Zeugen aussagten, wiesen dies allerdings übereinstimmend und kategorisch zurück.

Eine Polizistin, die zudem sexistisch übel beleidigt worden war, berichtete, man habe ja sehr wohl von der Beerdigung an dem Tag gewusst und auch, dass Freunde des Verstorbenen aufgebracht sein würden, sie und ihre Kollegen seien also keineswegs provozierend aufgetreten, im Gegenteil: „Dieses Unglück hat ja uns auch nicht kaltgelassen.“


Jugendarrest und Geldauflagen

Der Angeklagte in der Marihuana-Geschichte wurde zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt. Für die beiden anderen Vorfälle gab es vom Richter Geldauflagen zwischen jeweils 400 und 750 Euro, der dabei zwar durchaus die „Vorgeschichte“ berücksichtigte. Aber man müsse, bei aller verständlichen Emotion, sich im Zaum halten, beherrschen und auch einfach mal in solchen Situationen die Klappe halten, so sein Appell.

Einen grundsätzlichen Rat hatte er an die Angeklagten auch noch. Deren Lebensgeschichten sind bislang nicht gerade Glanzleistungen, wimmeln nur so von Schul- und Ausbildungsabbrüchen. Angesichts der ebenfalls von ihnen berichteten Absichten und Pläne mahnte der Richter die jungen Männer, diese endlich auch mal umzusetzen, durchzuziehen. Auch um nicht länger den Eltern auf der Tasche zu liegen, sondern auf eigenen Füßen stehen zu können. Immerhin, zumindest an verbaler Einsicht dazu fehlt es den Heranwachsenden aus Winnenden, Leutenbach und Waiblingen nicht.

Einen Anlass zum Schmunzeln gab es immerhin auch: Der Richter duzte die Angeklagten ohne Umstände und die akzeptierten das genauso umstandslos.