Leutenbach

Breitbandausbau im Gewerbegebiet Nellmersbach: Enorme Verzögerung bei den Tiefbauarbeiten

Breitbandausbau Nellmersbach Leutenbach
Michael Belstler an einer Schnittkante, wo gepfuscht worden war: Mittlerweile können er und Bauamtsleiter Johannes Kocher wieder lachen, endlich ist ein Ende in Sicht. © Gabriel Habermann

Eine schier unendliche Bausache biegt jetzt doch wohl auf die Zielgerade ein: der Breitbandausbau im Gewerbegebiet Nellmersbach. Begonnen hatte dieser im April, geplant waren sechs bis acht Wochen Bauzeit. Nun sind die Verantwortlichen im Bauamt optimistisch, dass am 18. Dezember endlich Schicht im Schacht ist. Wenn nicht, droht erneut eine empfindliche und für die Betriebe dort erneut ärgerliche Verzögerung. Dann könne es nämlich erst im Februar weitergehen, weil man vorher wegen der Winterpause keinen Asphalt herbekommen werde, erklärt Michael Belstler, Sachgebietsleiter für Hoch- und Tiefbau.

Pfusch beim Verlegen der Mikroverbundrohre

Hauptgrund für die enorme Verzögerung ist die Schlamperei des finnischen Subunternehmens, dessen Pfusch beim Verlegen der Mikroverbundrohre in den Gehwegen. Beim Einbau der Tragschicht wurden die Grabenränder nicht wie vorgeschrieben und Stand der Technik zurückgeschnitten. Erst damit kann nämlich alles verfüllt, verdichtet werden, so dass die Gefahr des Entstehens von Hohlräumen unter dem Belag und damit des Einbrechens irgendwann sicher ausgeschlossen ist.

Es gab aber noch mehr Gründe zu Beanstandungen, unter anderem wurden Bordsteine durch die Baumaschinen gelockert oder beschädigt, fast 50 Exemplare, bei denen das der Fall war, wurden bei Kontrollen ausgemacht. Auch bei der in dem Zuge gleich mitbeauftragten Sanierung von ohnehin maladen Gehwegen wurde schlecht gearbeitet. Den an vielen Stellen festgestellten Höhenunterschied, Versatz zwischen Tragschicht und Belag habe man so nicht lassen können, so Belstler.

Der „dickste Hund“ aber: Die Leitungen wurden nicht tief genug verbaut, anstelle der vorgeschriebenen 60 Zentimeter nur 30 Zentimeter tief. Die wohl nicht abwegige Annahme von Belstler und Bauamtsleiter Johannes Kocher dazu: um eben Kosten durch den geringeren Aufwand zu sparen. Die Gemeinde hat, als die beiden den Schlamassel entdeckten, das Wiederaufbringen der Deckschicht verhindert, also das Ganze gestoppt. „Das Problem ist, dass so, wie es war, wir das Einbaumaterial nicht verdichtet bekommen hätten, das hätte keine Tragfähigkeit gehabt“, erklärt Belstler, der selbst mal Bauleiter in der Privatwirtschaft war, also sehr gut weiß, wovon er da redet.

Nachbessern war nötig auf insgesamt zwei Kilometer Länge

Also musste erst mal wieder „aufgemacht“, die Leitungen in der vorgeschriebenen Tiefe verlegt und der Rückschnitt nachgeholt werden. Und das auf einer Länge von insgesamt etwa zwei Kilometern, dem Großteil der gesamten Breitbandausbaustrecke. Statt wie bisher einer Firma machten sich nun aber drei Firmen ans Werk, wobei die Finnen aber endlich aus dem Spiel waren. Eine gräbt aus, die nächste verdichtet, die dritte baut den Asphalt ein. Man sagt ja, beim Bau alles in oder aus einer Hand sei besser, weil es so weniger aufwendig ist, weniger Absprachen braucht. Belstler kann der Arbeitsaufteilung in diesem Fall aber durchaus Positives abgewinnen, nämlich die gegenseitige Kontrolle.

Nachträglich die Kabel tiefer legen sei sehr aufwendig: „Das ist vor allem Handarbeit. Man muss viel drum herum schaffen. Dabei können kaum Maschinen eingesetzt werden, weil sonst die Gefahr wäre, dass sie die Kabel beschädigen.“ Wenn Kabel zu hoch liegen, beschwört das außerdem ständig die Gefahr herauf, dass bei Arbeiten für andere Leitungen diese beschädigt werden. Auf den Karten sind zwar die Standorte und Verläufe von Leitungen eingezeichnet, aber eben nicht ihre genaue Lage, die Tiefe im Boden. Hier gehen nachfolgende Firmen, deren Baggerfahrer, immer davon aus, dass ihre Vorgänger entsprechend den Vorgaben gearbeitet haben, müssen sich geradezu darauf verlassen können.

Dieses Nachholen, Nacharbeiten auf großen Abschnitten verursacht natürlich weitere erhebliche Kosten. Er wisse zwar, Stand heute, nicht, wie das zwischen dem Auftraggeber, Vodafone, der von ihm mit dem Projekt beauftragten Deutschen Glasfaser Holding, der von dieser wiederum beauftragten GP Projekte GmbH, dem von diesem wiederum beauftragten finnischen Subunternehmen und den neu beauftragten Unternehmen geregelt sei, so Kocher, aber die Gemeinde und damit deren Steuerzahler seien auf jeden Fall außen vor, versichert er.

Beeinträchtigungen für die Angrenzer

Bei all dem ist aber noch gar nicht die Rede von den Beeinträchtigungen für die Angrenzer, die zeitweise und nun viel länger als erwartet mit ihren Fahrzeugen nicht auf ihre Grundstücke konnten, weil eben auch Zufahrten gesperrt waren. Natürlich hat es Beschwerden im Rathaus gehagelt. Er sei auch deshalb froh, dass das Projekt bald endlich abgewickelt sein werde, und hoffe bloß, dass es in den kommenden Jahren gehe, ohne dass die Gemeinde die Gewährleistung in Anspruch nehmen müsse, so Kocher.

Der „Betreuungsaufwand“ dieser Baustelle durch die Mitarbeiter des Bauamts sei so hoch gewesen,  „wie wenn das eine Maßnahme der Gemeinde gewesen wäre“, ergänzt Belstler. Nicht sofort auf Nachbessern zu bestehen, sondern bei später eintretenden Schäden auf die Gewährleistung sich zu verlassen,  wäre aus seiner Sicht keine Alternative gewesen: „Das hätte ja nichts genützt, die Kabel lagen nun mal zu hoch und damit hätte doch immer die Gefahr bestanden, dass ein Bagger die später beschädigt. Dieses Risiko ist zu hoch, das können wir nicht eingehen.“

Eine schier unendliche Bausache biegt jetzt doch wohl auf die Zielgerade ein: der Breitbandausbau im Gewerbegebiet Nellmersbach. Begonnen hatte dieser im April, geplant waren sechs bis acht Wochen Bauzeit. Nun sind die Verantwortlichen im Bauamt optimistisch, dass am 18. Dezember endlich Schicht im Schacht ist. Wenn nicht, droht erneut eine empfindliche und für die Betriebe dort erneut ärgerliche Verzögerung. Dann könne es nämlich erst im Februar weitergehen, weil man vorher wegen der

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