Leutenbach

Corona-Ausbruch:  Derzeit ist die Krippe in Nellmersbach geschlossen

Kinderhaus Mühlefeld
Eva Pyrka und Jana Geiger-Ott vor dem Kinderhaus Mühlefeld. © Alexandra Palmizi

So schnell kann es derzeit gehen. Mitte vergangener Woche berichteten Eva Pyrka, die Gesamtleiterin der Kindertagesstätten der Gemeinde, und Jana Geiger-Ott, Sachgebietsleiterin Jugend, Familie und Kultur in der Verwaltung, in einem Pressegespräch im Rathaus auf Nachfrage zur Situation in ihren Betreuungseinrichtungen noch, dass derzeit keine Kita geschlossen ist und auch keine Gruppe zu Hause bleiben muss.

Wenige Tage später, am Montagvormittag, räumt Eva Pyrka auf erneute Nachfrage ein, dass in Nellmersbach die Krippe zu ist, und zwar seit Freitag. Sie geht davon aus, dass die vorerst geplante Schließung auch am Montag und Dienst nicht ausreichen wird. Es habe dort ein „relevantes Ausbruchsgeschehen“ gegeben, sprich über 20 Prozent der Kinder sind positiv getestet, bei ihnen sind also Infektionen bestätigt. Betroffen seien auch Erzieherinnen. Wobei es im Nachhinein schwer zu sagen sei, von wem die Ansteckung ausgegangen sei, so Eva Pyrka. Dass die Kita wohl über Dienstag hinaus geschlossen bleibe, habe einen einfachen Grund: „Wir haben ja dann kein Personal für die Kinder, die zurückkommen könnten, wir haben auch keine Aushilfen.“

Die maximale Gruppenstärke beträgt zehn Kinder, zurzeit werden dort acht betreut. Allgemein sei es, bislang, so, dass ab und an eine Meldung reinkomme, dass ein Kind infiziert sei. Entweder liege dann der letzte Kontakt von dem lange zurück oder es beginne dann eben die Reihentestung der anderen. „Aber insgesamt und im Vergleich gesehen sind wir bisher sehr glimpflich davongekommen.“

Im Herbst waren drei Gruppen geschlossen

Im Herbst waren drei Gruppen zeitweise geschlossen, im Kindergarten Theodor-Heuss-Straße sowie in den Kindergärten Schwalbenweg und „Lange Äcker“ in Nellmersbach. Die betreffenden Kinder und Erzieherinnen, soweit nicht geimpft, gingen in Quarantäne. Geimpfte nur dann, wenn sie Krankheitssymptome aufwiesen. Kinder dürfen in solchen Fällen ab dem fünften Tag wiederkommen, wenn sie negativ getestet sind und bleiben, Erzieherinnen ab dem siebten Tag. Diese Zeitversetzung habe zur Folge, dass Kinder wieder da seien, aber noch nicht ihre Erzieherinnen, diese Vorgabe sei nicht ganz durchdacht, zumal die Gemeinde dort nicht einfach Vertretungen hinschicken könne, so Jana Geiger-Ott. Es gebe Erzieherinnen, die trotz Impfung und Boostern krank geworden seien, Symptome gezeigt hätten, die damit natürlich auch ausgefallen seien, ergänzt Eva Pyrka.

Wie ist derzeit die Personallage? „Wir kämpfen.“ Es gebe freie Stellen, bei denen es bislang nicht gelinge, sie zu besetzen, aber auch neu geschaffene, bei denen es auch so sei, berichtet Jana Geiger-Ott. Sie verweist darauf, dass eine Infektion bei einem Kind auch die Folge habe, dass dessen Mutter, wenn sie berufstätig ist, daheim bleiben muss. Es gebe schließlich auch Erzieherinnen, die selbst Mütter sind, und wenn die ein krankes Kind hätten, dann fielen sie eben auch aus.

Auf die Frage nach dem Ausmaß der Ausfälle sagt Eva Pyrka nicht gerade optimistisch: „Das ist sehr dynamisch.“ Man habe zurzeit gleich morgens erst eine Besprechung, wo und wie man mit dem verbliebenen Personal durchkomme, so Jana Geiger-Ott: „Wir schauen ständig, wie wir es irgendwie hinbekommen, um die Schließung von Gruppen oder ganzen Einrichtungen möglichst zu vermeiden, aber das ist andernorts genauso.“ Es fällt das Wort „Überstunden“. Sprich, was an denen anfällt, kann sich jeder selbst ausrechnen. „Wir sagen deshalb auch den Eltern, die die Betreuung nicht unbedingt brauchen, sie sollen bitte ihre Kinder zu Hause lassen, für die anderen, deren Eltern wirklich darauf angewiesen sind.“ Wie reagieren die darauf? Die seien sehr solidarisch, kooperativ, betont Eva Pyrka. Das gelte auch für die, denen man sage, dass sie wegen der angespannten Personallage vorerst ihr Kind früher von der Betreuung abholen müssten – und für die Erzieherinnen, auf deren Rücken ja das zum Teil ausgetragen werde. „Wir tun alles, um Schließungen zu vermeiden.“

(Noch) ungeimpfte Erzieherinnen müssen sich täglich testen (lassen), Kinder dreimal in der Woche. Die Eltern testen sie daheim. „Das können wir nicht auch noch in den Einrichtungen leisten“, betont Eva Pyrka. Die Kinder müssen mit negativem Testergebnis und Unterschrift ihrer Eltern dazu kommen, erst dann dürfen sie rein. Zwischendurch kann auch Eva Pyrka mal schmunzeln. Viele Kinder brächten ihr Teströhrchen selbst mit und zeigten es stolz vor.

Die Schnelltests seien ziemlich zuverlässig

Auch Jana Geiger-Ott sieht Positives: Bisher habe man zum Glück noch kein großes Ausbruchsgeschehen gehabt. Die Gemeinde habe Testkits ganz früh beschafft, noch bevor klar war, dass das Land die bezahlen werde. So seien einige Kinder mit Infektionen noch rechtzeitig „rausgefischt“ worden. Auch „schwach“ positiv sei ja positiv, ergänzt Eva Pyrka. Nicht immer sei es nämlich „Fehlalarm“, sondern der nachfolgende PCR-Test bestätige Infektionen. Sie bricht eine Lanze für die Schnelltests, die seien in aller Regel zuverlässig, „haben uns einiges erspart“.

Gibt es den befürchteten Papierkrieg, die „Zettelwirtschaft“? Ja, in gewissem Sinne durchaus. Aber man verwende nicht die vom Land ausgegebenen Vordrucke, Tageszettel, so Jana Geiger-Ott. Sondern nutze stattdessen pro Kind eine Liste, für jeweils einen Monat, auf der die Eltern dann immer wieder für das negative Testergebnis unterschreiben und die die Kinder, die schon selbst alleine zu ihrer Kita laufen, in ihre Einrichtung mitbringen, bei den anderen eben die Eltern, die ihre Kinder bringen. Die Unterschrift reiche, betont Eva Pyrka, auch noch die betreffenden Röhrchen dazu müssten also nicht sein. Allerdings seien die hilfreich bei Eltern und deshalb gerne als Nachweis von ihnen genutzt, die Probleme mit der deutschen Sprache haben. „Es gibt auch Eltern, denen es sehr wichtig ist, das zu zeigen.“ An sich aber bringe das Röhrchen alleine nichts, schaffe nicht Sicherheit, weil man nicht wissen könne, von wem der Test darin wirklich sei. „Da gibt es eine Grauzone.“ Es sei also auch eine Vertrauenssache, so Jana Geiger-Ott. Für eine falsche Unterschrift sei die Hemmschwelle höher.

Testen wurde mit den Kindern geübt

Ja, es habe durchaus auch Eltern gegeben, die gegen das freiwillige Testen gewesen seien. Oder Kinder, die ganz stolz in der Kita erzählt hätten, dass sie noch nie getestet worden seien. Da dürfe man auf keinen Fall gleich vorwurfsvoll reagieren, sondern müsse die betreffenden Eltern diplomatisch darauf ansprechen. Es sei schon an sich eine „Belohnung“, wenn die Kinder in die Kita dürfen, das liege auch im Interesse der Eltern, so Eva Pyrka.

Mittlerweile wüssten die Kinder selbst genau, dass sie sich testen lassen müssen. Das sei in den Kitas, zum Beispiel in den Morgenkreisen dort, thematisiert und auch spielerisch geübt worden, um den Kindern Angst zu nehmen. „Das ist ein bisschen wie mit dem Zähneputzen, wird irgendwann Routine, Gewohnheitssache.“ Noch etwas locke die Kinder: dass sie dort ihre Freunde sehen können. Am Anfang habe es allerdings auch Eltern gegeben, „die mit dem Anwalt gedroht haben, wenn wir das nicht sein lassen“.

So schnell kann es derzeit gehen. Mitte vergangener Woche berichteten Eva Pyrka, die Gesamtleiterin der Kindertagesstätten der Gemeinde, und Jana Geiger-Ott, Sachgebietsleiterin Jugend, Familie und Kultur in der Verwaltung, in einem Pressegespräch im Rathaus auf Nachfrage zur Situation in ihren Betreuungseinrichtungen noch, dass derzeit keine Kita geschlossen ist und auch keine Gruppe zu Hause bleiben muss.

Wenige Tage später, am Montagvormittag, räumt Eva Pyrka auf erneute Nachfrage

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