Leutenbach

Corona hat auch dem Leutenbacher Jugendbeirat den Start schwer gemacht

Jugendbeirat
Sophia Hausen, Julian Kiesl und Joel Knab (v.l.). © Gaby Schneider

Seit 2019 gibt es den Jugendbeirat. Eigentlich dauert eine Amtszeit für dessen Mitglieder zwei Jahre. Aber auch dort hat Corona „zugeschlagen“: Die ehrenamtlichen Vertreter des Leutenbacher Nachwuchses – wenn auch nicht gewählt, sondern berufen beziehungsweise entsendet vor allem von Vereinen – hatten wegen der Pandemie wenig Möglichkeiten, sich einzubringen, ja überhaupt zusammenzukommen, „arbeitsfähig“ zu werden. Deswegen wurde um ein Jahr verlängert. Aus Altersgründen (Höchstalter 21 Jahre) oder persönlichen Gründen ist nun Ende des Jahres für einige Mitglieder Schluss, sie scheiden aus.

Einer von ihnen ist Julian Kiesl, 22, der Sohn des Bürgermeisters. Joel Knab und Sophia Hausen, beide 20, sind weiter im Gremium. Die drei haben noch, mindestens, zwei weitere Gemeinsamkeiten. Sie sind alle Studenten, wobei Knab Wert darauf legt, dass der Schwerpunkt bei ihm bislang noch die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist. Und alle drei kommen aus Nellmersbach. Beim Gespräch mit ihnen könnte man sagen, dass Leutenbach und Weiler zum Stein dort unterrepräsentiert sind – wenn dieses Teilortdenken heutzutage, bei dieser Generation, noch eine Rolle spielen würde.

Vorschläge zur Pumptrack- und zur Calisthenics-Anlage

Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Also sie hätten ja am Anfang überhaupt nicht gewusst, was sie da erwarte, meint Julian. Das Ganze sei wegen Corona mühsam angelaufen und es habe bis heute nicht viele Sitzungen gegeben. Bei einigen Projekten hätten sie sich einbringen können: bei der neuen Pumptrack-Anlage am Sportgelände des TSV Leutenbach, der ebenfalls neuen Calisthenics-Anlage hinter der Gemeinschaftsschule und bei der Entwicklung der Gemeinde-App. Außerdem sei von ihnen ein Vorschlag zur Straßenbeleuchtung umgesetzt worden, um Energie zu sparen. Eine „Aufgabe“, die ein Jugendgremium wohl auch hat, nämlich Partys für den Nachwuchs zu organisieren, sei ebenfalls wegen Corona schwierig gewesen, so Sophia. Die Freizeitanlage Dalmenhölzle oder eine der Hallen seien infrage gekommen, „aber es kam immer wieder ein Grund, das zu verschieben“, ergänzt Joel. Sie hätten anfangs nicht einschätzen können, „wie weit wir überhaupt gehen können“. Er verweist auch aufs begrenzte Budget (5000 Euro im Jahr). Eigentlich könne der Jugendbeirat nur anregen, aber nicht planen. Er ist in der Tat nur beratend, hat, bis eben auf seine eigenen Mittel, nichts zu entscheiden. Ein Problem seien auch die ständigen personellen Wechsel, immer wieder seien welche ausgeschieden, andere nachgerückt. „Da wird es schwierig, viele Meinungen unter einen Hut zu bringen.“

Julian Kiesl ist skeptisch, ob ein gewählter Jugendgemeinderat besser wäre

Ist es ein Problem, dass der Beirat nicht aus gewählten Mitgliedern besteht? Die Hürde, ins Gremium zu kommen, sei eben extrem niedrig, gibt Julian zu bedenken. Er ist skeptisch, ob es mit einem gewählten Jugendgemeinderat besser liefe, und ziemlich sicher, dass angesichts der Gemeindegröße von Leutenbach es wohl zu wenig Interessierte für eine richtige Wahl (die ja eine Auswahl sein sollte) geben würde, da hapere es ja bereits im deutlich größeren Winnenden.

Dem stimme er nur bedingt zu, hält Joel dagegen: „Man muss halt klein anfangen.“ Das Problem sei auch, dass viele Jugendliche in Leutenbach gar nicht wüssten, dass es den Beirat überhaupt gibt, und deswegen fehle es auch ein bisschen an Feedback. Bislang sei der Beirat nicht auf der Homepage der Gemeinde und auch nicht auf deren App. Ja, in Sachen Öffentlichkeitsarbeit müssten eigentlich sie selber aktiver werden, stimmt Julian zu.

Sophia erinnert an die Idee eines „Stammtischs“ zur zurückliegenden Bundestagswahl. Corona habe es aber schwer gemacht, Termine zu finden, so sei das Ganze im Sande verlaufen. Hat ihre Generation ein Problem mit Gremienarbeit? Er glaube schon, so Julian. Das bedeute aber nicht unbedingt Desinteresse an Politik, Jugendliche wollten sich aber eher „themenorientiert“ einbringen. „Und wenn es einen selbst betrifft“, ergänzt Sophia. Genau das sei aber das Problem, findet Joel, „nämlich einen politischen Konsens hinzubekommen bei all den Einzelinteressen, die es gibt“. Oha, da spricht offensichtlich ein angehender Kommunalpolitiker. Immerhin sei bei ihnen abgefragt worden, wie sie die Interessen der Jugendlichen beurteilen, lobt Sophia.

Bei der App regten sie das Schadenmeldungstool an

Ja, sie seien zum Beispiel bei der Frage geeigneter Standorte der beiden genannten Sportanlagen einbezogen und bei der App gefragt worden, was sie für sinnvoll halten, hätten auch einige Vorschläge gemacht, die berücksichtigt wurden, stimmt Julian zu, konkret das Schadenmeldungstool, die Angabe der Kontakte zu Behörden und Tipps zu Veranstaltungen von Vereinen. Na ja, bei den Standorten hätten sie nicht so viel geändert, die, die es wurden, wären es auch so geworden, relativiert Joel. Bei der Gestaltung der Pumptrack-Anlage seien Anregungen von Jugendlichen doch angenommen worden, hält Sophia dagegen.

Die drei räumen ein, dass es mit dem Kontakt, geschweige denn Kooperation, mit der anderen Einrichtung für den Nachwuchs in Leutenbach, dem Jugendtreff, nicht weit her ist. Das liege aber auf der Hand, weil viele Jugendliche ihren Mittelpunkt nicht vor Ort hätten, sondern in Winnenden, Backnang oder Stuttgart, dort eben, wo sie zur Schule gehen, studieren, eine Ausbildung machen, und da auch überwiegend ihre Freizeit verbringen. Öffentlichkeitsarbeit des Jugendbeirats an den Winnender Schulen tue vor allem not, findet Joel.

Julian verweist noch mal auf die Schwierigkeiten ihres Starts durch die Pandemie. Eigentlich hätten sie zwei Jahre Zeit haben sollen, tatsächlich sei es dann nur ein Jahr gewesen, Treffen, Sitzungen, Planungen seien im anderen zuvor unmöglich gewesen. Ja, stimmen sie zu, der Beirat müsste dafür sich eine Struktur geben, einen Ausschuss, einen Vorstand bilden, der das alles organisiert. Aber auch die große Altersspanne, von 13 bis 20, sei ein Problem, so Joel. Da gebe es unterschiedliche Interessen. „Das fängt schon damit, zu welcher Uhrzeit die Sitzungen stattfinden sollen, nachmittags oder abends. Viele sind tagsüber eben auswärts.“ Es sei auch eine Frage der Motivation.

Ja, eben, was fehle denn aus Sicht der Jugendlichen „unbedingt“, nachdem die Pumptrack-Anlage ja gebaut wurde und gut laufe, das sei die Frage, so Julian, der berichtet, dass bei Sitzungen des Beirats auch Gemeinderäte dabei waren, also Interesse gezeigt haben. Wobei er selbst, persönlich, ja einen ganz kurzen Draht zu einem wichtigen „Entscheidungsträger“ haben könnte. Er schmunzelt, ganz so einfach wird es wohl nicht sein. Also zur „neuen“ Ortsmitte von Leutenbach, die im Gespräch ist, da hätten sie schon auch Ideen, auch wenn sie, klar, ja wohl schlecht etwa Straßenbaumaßnahmen fordern könnten, findet Joel, der auch bei der örtlichen SPD aktiv ist.

Ihre vorläufige Bilanz? Sein Rat sei, nicht mit einem Jugendgemeinderat anzufangen, etwas mehr Motivation allgemein wäre besser gewesen und mehr in die Öffentlichkeit zu gehen, so Julian. Klar gebe es eine Whatsapp-Gruppe, „es gab aber nicht immer viele Antworten“, diplomatischer hätte das auch sein Vater kaum formulieren können.

Seit 2019 gibt es den Jugendbeirat. Eigentlich dauert eine Amtszeit für dessen Mitglieder zwei Jahre. Aber auch dort hat Corona „zugeschlagen“: Die ehrenamtlichen Vertreter des Leutenbacher Nachwuchses – wenn auch nicht gewählt, sondern berufen beziehungsweise entsendet vor allem von Vereinen – hatten wegen der Pandemie wenig Möglichkeiten, sich einzubringen, ja überhaupt zusammenzukommen, „arbeitsfähig“ zu werden. Deswegen wurde um ein Jahr verlängert. Aus Altersgründen (Höchstalter 21

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper