Leutenbach

Corona-Warnstufe: Maskenpflicht bei Kulturveranstaltungen in Leutenbach

Verpflichtung Loff
So wird es weiter aussehen: Alle müssen auch auf ihren Plätzen einen medizinischen Mund-Nase-Schutz tragen. © Büttner

Die Gemeinde wollte eigentlich die sogenannte 2G-Option nutzen, die die Corona-Verordnung von Mitte Oktober erlaubt hatte. Nämlich zu Veranstaltungen nur Geimpfte und Genesene zulassen, so dass diese weitestgehend ohne Schutzmaßnahmen, also Maskenpflicht und Abstandhalten, durchgeführt werden können. Hätten werden können, muss man inzwischen allerdings sagen.

Die Verwaltung, die dem Gemeinderat das vorschlug, hatte dabei als Nächstes die Kulturveranstaltung am 19. November im Auge. 2G bedeutet, dass Nichtgeimpfte vom Besuch ausgeschlossen sind. Die Verwaltung begründete dies damit, dass die andauernde Maskenpflicht bei 3G viele Abonnenten abschrecke und das „Kulturerlebnis erheblich schmälert“, für die, die trotzdem kommen. Sie verwies darauf, dass bei der zurückliegenden Veranstaltung in der Kulturreihe lediglich vier Personen, die gekommen waren, keinen 2G-Nachweis, sondern einen (negativen) Testnachweis vorlegten. Sie schlussfolgerte darauf, dass die Anzahl der Personen, die aufgrund von 2G der Veranstaltung fernbleiben müssten, vermutlich deutlich geringer sei als die derjenigen, die aufgrund der Maskenpflicht wegblieben.

Weihnachtsfeier für Ältere fällt aus, das Infektionsrisiko ist zu groß

Zur traditionellen Weihnachtsfeier für Ältere lautete der Vorschlag der Verwaltung: absagen. Ihre Begründung: Mit der 2G-Regel wäre die Veranstaltung zwar vermutlich möglich, es könnte allerdings zu Infektionen kommen und sie werde eben von der Hauptrisikogruppe besucht. Deshalb seien Impfdurchbrüche (also Ansteckungen trotz Impfungen) mit schweren Verläufen wahrscheinlicher als bei einer Veranstaltung mit jüngerem Publikum, wobei die Verwaltung von „gemischter Zielgruppe“ spricht. Zudem müssen sonst die Helfer und auch die beim Unterhaltungsprogramm Auftretenden (darunter Kinder) ebenfalls der 2G-Regel unterworfen werden.

Beim ebenfalls bevorstehenden Weihnachtsmarkt sollte es dagegen bei der vorgesehenen 3G-Regel bleiben, so dass auch negativ Getestete ihn besuchen dürften.

Noch in der Ferne liegen die Kulturveranstaltungen und der Bürgerempfang im kommenden Jahr. Keiner weiß heute, wie bis dahin sich Corona-Infektionszahlen entwickeln. Die Verwaltung schlug beim Kulturabo allerdings ebenfalls 2G vor, mit der gleichen Begründung wie für die bevorstehende Veranstaltung. Es sei allerdings zu erwarten, dass durch die Einschränkungen des Besucherkreises Abonnenten verloren gingen, teils möglicherweise langjährige. Die Verwaltung hatte offenbar die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich bis dahin die Pandemiesituation wieder entschärfen könnte und damit neue Regelungen im nächsten Frühjahr wieder einen uneingeschränkten Besuch der Veranstaltungen ermöglichen könnten. Wobei das aber für den Verkauf der Abos zu spät käme, also mit einer Verringerung der Stammbesucherzahl gerechnet werden müsse.

Zum Bürgerempfang in 2022, geplant für Februar, lautete die Empfehlung ebenfalls, die 2G-Regel anzuwenden. Der eigentliche Charakter und der Sinn der Veranstaltung, nämlich dass sich die Bürger dort begegnen, verlange, auf Masken- und Abstandspflicht zu verzichten, so die Begründung der Verwaltung.

Kiesl verweist auf geringe Zahl derer, die mit einem Test kamen

Bürgermeister Jürgen Kiesl verteidigte in der Sitzung die Anwendung der 2G-Regelung. Andernfalls müssten bei der Kulturveranstaltung alle Besucher die ganze Zeit über, also rund zwei Stunden lang, eine Maske tragen. Er stellte diese Erschwernis dem gegenüber, dass zur vorherigen Veranstaltung nur vier Leute mit Testergebnis gekommen waren. Sprich, wenn eine ähnliche geringe Zahl wegen 2G nun abgewiesen werde und wenn man das gegeneinander abwäge, sei die daraus zu ziehende Schlussfolgerung aus seiner Sicht eindeutig. Es gehe nicht ums „Ausschließen“ (der Nichtgeimpften), sondern darum, den Geimpften und Genesenen einen Besuch ohne Einschränkungen zu ermöglichen, beteuerte Kiesl.

Auch für Pierre Orthen, den Sprecher der SPD-Fraktion, war die Sache klar: Sich impfen zu lassen, sei eine Frage der Solidarität. Weil man damit nicht nur sich selbst schütze, sondern auch andere, also sei er für das vorgeschlagene Vorgehen. Sie sei selbst bei der jüngsten Kulturveranstaltung als Besucherin gewesen, so Kathrin Kopriva, ALi. „Über 200 Besucher saßen da mit Masken und mussten die die ganze Zeit tragen. Das war nicht lustig.“ Widerspruch oder Neinstimmen zum Antrag der Verwaltung gab es keine.

Das war noch der Stand zur jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Seither ist aber die Zahl der Infizierten und in Krankenhäuser mit Covid Eingelieferten so nach oben geschnellt, dass die Warn-Stufe in Kraft getreten und die Ausrufung der noch weitergehenden Alarm-Stufe bereits absehbar ist. Was bedeutet das für die gerade eben erst beschlossene Regelung? Anruf bei Hauptamtsleiter Jakob Schröder, mittlerweile notgedrungen Coronaverordnungsexperte in der Verwaltung, der seiner Erklärung, genervt von den ständigen Änderungen, einen Stoßseufzer vorausschickt: „Das macht allmählich wirklich keinen Spaß mehr.“

Also, bei der Kulturveranstaltung am 19. November bleibe es zwar bei 2G. Aber: Es gilt zusätzlich Maskenpflicht. Die Besucher müssen während der gesamten Dauer eine Maske tragen – auch wenn sie auf ihren Plätzen sitzen. Für die Seniorenadventsfeier gilt natürlich weiterhin die Absage, auch wenn der Ausfall der von vielen Älteren liebgewonnenen Veranstaltung traurig ist.

Das gilt beim Weihnachtsmarkt im Dezember

Der Weihnachtsmarkt soll wie vorgesehen weiterhin stattfinden, am 4. und 5. Dezember, wie geplant allerdings erstmals nicht auf dem Spatzenhof, eben wegen Corona, sondern bei der Rems-Murr-Halle, auf den beiden Parkplätzen, was zwei deutlich getrennte Bereiche ermöglicht. Im Essensbereich soll 3G gelten (auch Nichtgeimpfte mit negativem PCR-Test dürfen rein), in Verkaufsbereich dagegen kein G.

Auf dem kompletten Gelände aber, während des gesamten Besuchs, gilt Maskenpflicht (außer natürlich direkt beim Essen) für alle. Im Nichtessensbereich gelte die Maskenpflicht uneingeschränkt, dort dürfe also nicht gegessen oder getrunken werden, betont Schröder. Wer in den Essensbereich möchte, wird auf 3G kontrolliert und bekommt bei „Bestanden“ ein entsprechendes Farbbändele ans Handgelenk, wie man es von Veranstaltungen aus der Vergangenheit her bereits kennt. Es wird also für den Essensbereich eine Zugangs- oder Einlasskontrolle geben, kündigt Schröder an.

Und was ist, wenn bis dahin, wie zu befürchten, die Alarmstufe kommt? Selbst Schröder muss da erst mal kurz in den Unterlagen nachschauen. Dann gelte 2G im Essensbereich. Und weiterhin natürlich Maskenpflicht auf dem gesamten Weihnachtsmarkt.

Denn diese Regel wird auch dann nach wie vor gelten: Wo kein ausreichender Abstand möglich ist – und das ist bei einem Weihnachtsmarkt naturgemäß der Fall, sonst wäre es nämlich keiner – , muss eine Maske getragen werden. Wenigstens das ist einfach zu kapieren – und nachzuvollziehen.

Die Gemeinde wollte eigentlich die sogenannte 2G-Option nutzen, die die Corona-Verordnung von Mitte Oktober erlaubt hatte. Nämlich zu Veranstaltungen nur Geimpfte und Genesene zulassen, so dass diese weitestgehend ohne Schutzmaßnahmen, also Maskenpflicht und Abstandhalten, durchgeführt werden können. Hätten werden können, muss man inzwischen allerdings sagen.

Die Verwaltung, die dem Gemeinderat das vorschlug, hatte dabei als Nächstes die Kulturveranstaltung am 19. November im Auge. 2G

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper