Leutenbach

Coronajahr 2020:  Aus Sicht des Bürgermeisters war es vor allem traurig, dass viele Begegnungen wegen der Pandemie nicht stattfinden konnten

St Jakobus
In diesem Jahr sind die Kinder und Erzieherinnen in den sanierten Kindergarten der katholischen Kirchengemeinde zurückgekehrt. © Gabriel Habermann

Wie war 2020 aus Leutenbacher Sicht? Das sei schwierig in einen Satz zu fassen, meint Jürgen Kiesl. Am Wort des Jahres kommt aber auch der Bürgermeister nicht vorbei: Corona. Er verweist darauf, dass die Bandbreite, wie die Menschen davon betroffen waren, sehr groß war, die Folgen sehr unterschiedlich ausgefallen seien: „Es gab welche, für die war es in der Hinsicht ein ganz schlimmes Jahr, und es gab welche, die nicht viel davon gemerkt haben.“ Bei der persönlichen Betroffenheit gehe es nicht nur um direkte gesundheitliche Folgen, sondern auch um Dinge wie Zukunftsangst, Sorge darum, wie es mit dem Arbeitsplatz weitergeht. Wie war das Jahr für ihn? Anstrengend, anstrengender als erwartet, eben wegen Corona, so Kiesl: „Als Bürgermeister war es ganz klar ein trauriges Jahr.“ Viele der üblichen Begegnungen seien weggefallen, immer wieder sei die Frage gewesen, was ist notwendig, was nicht. Ständig habe, mit Blick aufs Kinderhaus, Haus Elim, die Flüchtlingsgemeinschaftsunterkunft, Sorge vor (weiteren) Infektionsausbrüchen geherrscht, „dass noch mehr kommt“. Zeitweise sei die Inzidenz (Infektionsrate hochgerechnet auf 100 000 Einwohner bezogen auf die jeweils zurückliegenden sieben Tage) zwar sehr hoch gewesen. Kiesl verweist hier auf die beiden Flüchtlingsheime und die drei Pflegeheime in der Gemeinde, auf die Kranken dort seien die „üblichen“ Zahlen aus privaten Kontakten „obendrauf“ gekommen. Die Lage sei aber stets unter Kontrolle gewesen. „Es gab keine Ansteckungswelle, es gab keine Superspreader. Die Ansteckungen geschahen immer innerhalb der Familien, im privaten Bereich.“

An Vorhaben wurde gar nicht so viel geschoben oder gestrichen

Für die Verwaltung, für die Rathausmitarbeiter habe Corona durch die lokale Kontaktverfolgung enorme zusätzliche Arbeit bedeutet, so Kiesl weiter. Für die von der Gemeinde geplanten Vorhaben habe Corona keineswegs nur zu Verschiebungen oder Verzicht geführt, betont der Bürgermeister, auf die Neugestaltung des Schulhofes in Nellmersbach, die Sanierung der Rems-Murr-Halle, die Erweiterung des Kinderhauses Mühlefeld, das Kleinspielfeld an der Gemeinschaftsschule und die Fortsetzung des Umbaus, der Modernisierung und Erweiterung der Schule verweisend. Finanziell gesehen sei die Gemeinde außergewöhnlich gut durch das Krisenjahr gekommen, habe Einnahmeeinbrüche gut auffangen können, aber auch erhebliche Hilfen bekommen, etwa für ausfallende Gewerbesteuer und Kitagebühren.

„Viel inspirierende Kreativität“

Für die Gemeinschaft sei 2020 zwar in weiten Teilen durch den Ausfall von Veranstaltungen seit dem Frühjahr ein verlorenes Jahr gewesen, so Kiesl. Aber an Fürsorge, Nachbarschaftshilfe sei unheimlich viel getan worden. Vereine hätten sich sehr um Hygienekonzepte bemüht. „Also da gab es viel inspirierende Kreativität.“ Beim Bürgerempfang habe die Gemeinde das Glück gehabt, dass der zum ersten Mal im Frühjahr stattfand, und damit noch vor der Pandemie. Ob der Bürgerempfang 2021 stattfinden wird, in Verbindung mit dem Einweihungsfest für die generalsanierte Rems-Murr-Halle im September, bleibt abzuwarten. Auch der Rathaussturm, sicher nicht der unbeliebteste fixe Termin in Kiesls Kalender, konnte gerade noch „ungestreift“ über die Bühne gehen. Die Faschingssaison im kommenden Jahr dagegen wird mit Sicherheit ausfallen.

Richtig bitter hat es aus Kiesls Sicht den TSV Nellmersbach angesichts dessen Aufwands im Vorfeld für die geplanten Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen erwischt, die abgesagt werden mussten. Mit Sorge sieht Kiesl auf das gleiche Jubiläum, das im kommenden Jahr für die beiden Musikvereine ansteht, zumal er davon ausgeht, dass die für 2021 ebenfalls geplante erste Leutenbacher Kulturnacht mit Straßen- und Orgelmusik wohl auf 2022 verschoben werden muss. Wer Kiesl kennt, weiß, dass ihn auch der Ausfall der Hocketse schmerzt. Er verweist dabei auch auf die finanziellen Verluste für die teilnehmenden Vereine. Beeindruckend sei gewesen, dass zwei von ihnen sagten, sie möchten den Zuschuss der Gemeinde nicht.

Für 2021 sei er hoffnungsvoll, aber nicht euphorisch. Hoffnungsvoll wegen der entwickelten Impfstoffe, wobei aber abzuwarten bleibe, wie schnell wie viele überhaupt geimpft werden können. „Ich befürchte, dass das sich weit bis ins Jahr 2021 hinein hinziehen wird.“ Er hoffe, dass es ab etwa Mai wieder Veranstaltungen, möglicherweise etwa Vereinsfeiern, geben kann. Zum jetzigen Zeitpunkt eine Aussage über die Hocketse wäre aber Spekulation, so Kiesl.

Gemeinschaftsschule ist das vorerst letzte Riesenprojekt

Die Schulerweiterung, die größte Investition der Gemeinde überhaupt, werde im Frühjahr abgeschlossen sein. Zusammen mit dem Umbau, der Modernisierung werde das im Ganzen gesehen „eine komplett neue Schule“. Auch dazu sollte es eigentlich ein Fest geben, so Kiesl. Ein, wenn nicht das Thema werde der weitere Ausbau der Kinderbetreuung, mit den zusätzlichen Gruppen in einer neuen Kita auf dem geplanten Neubau des Aldi-Markts. Für die Übergangszeit bis dahin hat Kiesl vor allem das Gebäude der früheren neuapostolischen Kirche in Weiler zum Stein im Blick. Das hatte er vorher im Visier als eine Begegnungsstätte für die Weilermer Vereine, als „Wunschtraum“ bleibe das im Hinterkopf. Kiesl hält es für möglich, dass Corona und der sich bereits vorher ankündigende Wirtschaftsum- und -einbruch mit dem Abbau von Arbeitsplätzen sich auf den Bedarf an Betreuungsplätzen auswirken werden. Das Thema bezahlbarer Wohnraum bleibe, er verweist darauf, dass die Gemeinde da selbst aktiv sei, Bauherr eines Mehrfamilienhauses an der Bahnhofstraße wird. Nach Abschluss des Schulumbaus werde es vorläufig kein weiteres Riesenprojekt geben, die Gemeinde werde einen Gang zurückschalten. „Gut, dass Corona nicht früher war, die wesentlichen Projekte waren, als die Pandemie kam, bereits finanziert.“

Für bedauerlich hält Kiesl nach wie vor, dass, nach einer entsprechenden Entscheidung des Gemeinderats, Leutenbach sich nicht an der Bewerbung für die interkommunale Landesgartenschau zusammen mit Winnenden und Schwaikheim beteiligte. Skeptisch sei er allerdings gewesen, was die Chance auf den Zuschlag angehe. Aus seiner Sicht habe sich das ausgewählte Gelände nicht aufgedrängt, im Gegensatz etwa zu der Brache am Neckar in Heilbronn, wo 2019 die Bundesgartenschau stattfand.

Wie war 2020 aus Leutenbacher Sicht? Das sei schwierig in einen Satz zu fassen, meint Jürgen Kiesl. Am Wort des Jahres kommt aber auch der Bürgermeister nicht vorbei: Corona. Er verweist darauf, dass die Bandbreite, wie die Menschen davon betroffen waren, sehr groß war, die Folgen sehr unterschiedlich ausgefallen seien: „Es gab welche, für die war es in der Hinsicht ein ganz schlimmes Jahr, und es gab welche, die nicht viel davon gemerkt haben.“ Bei der persönlichen Betroffenheit gehe es

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