Leutenbach

Dauerstaus an B14-Anschlusstelle: Sind Ampeln statt Kreisverkehre die Lösung?

AVUS & Stau
Sperrung auf der B-14-Zufahrt Schwaikheim führt zu Stau hier: Kreisverkehr B 14, Abfahrt Winnenden Ost. © Gabriel Habermann

Der neueste Vorschlag zur Auflösung der Dauerstaus an der B-14-Anschlussstelle Winnenden-West/Leutenbach lautet: Umbau der zwei Kreisverkehre im Anschluss an die Zu- und Abfahrten zu zwei Kreuzungen mit Ampeln und eine weitere Brücke direkt neben und parallel zur bestehenden über die B 14, so dass künftig vier Spuren (bisher zwei) dort zur Verfügung stehen.

Damit soll die „Leistungsfähigkeit“ dieser „Knotenpunkte“ zu den kritischen Hauptverkehrszeiten am Morgen und Nachmittag erhöht werden, so zumindest die Hoffnung des Regierungspräsidiums, das hier federführend ist. Wobei es Rückstaus nicht nur nachmittags auf der Abfahrt von der B 14 von Waiblingen her gibt, sondern auch auf der Marbacher Straße, aus Winnender heraus Richtung Kreisverkehre, auf diesen selbst, auf der L 1127 morgens aus Richtung Affalterbach und auf der K-1898-Querspange von Leutenbach herauf. Der vorgeschlagene Umbau soll aber auch vorsorglich erfolgen, denn das RP geht von einer Zunahme der Verkehrsbelastung bis 2030 um fünf Prozent aus.

Die Zahl stammt ebenso wie die vorgeschlagene „Problemlösung“ aus einer neuerlichen Verkehrsuntersuchung des Stuttgarter Ingenieurbüros Karajan. Dieses hat vier Alternativen untersucht und empfiehlt nun eine davon, die eingangs beschriebene als „Vorzugsvariante“. Bei beiden Knotenpunkten soll demnach die Lage unverändert bleiben, beim südlichen (der nach Winnenden hin gelegene, der den Verkehr von Waiblingen her aufnimmt, also vor allem der kritische ist) bekommt die Rampe, die von der B 14 kommt, demnach drei Fahrstreifen, zwei für Linkseinbieger und einen für geradeaus-rechts. Die Marbacher Straße erhält in Richtung Leutenbach (also auf die zwei Knotenpunkte zu) zwei Geradesausfahrstreifen, in der Gegenrichtung (von diesen weg) südöstlich der L 1127 wird ein Geh- und Radweg angelegt.

Kostenschätzung, Stand heute: knapp 8,4 Millionen Euro

Diese Variante wird auch deshalb bevorzugt, weil sie flächenmäßig den geringsten Eingriff in das geplante angrenzende Gebiet „Untere Schray“ an der Marbacher Straße auf Winnender Seite und auch die geringste Lärm- und Umweltbeeinträchtigung bedeutet. Bei den Kosten (geschätzt knapp 8,4 Millionen Euro, wobei die der Bund und das Land zu tragen haben) ist sie mit die aufwendigste Variante. 

Die beiden Kreisel dicht beieinander bilden ein Nadelöhr

Die neuerliche Untersuchung ist die mittlerweile vierte seit 2015. Seit dem Weiterbau der B 14 wenige Jahre zuvor, als die Anschlussstelle und damit die beiden Kreisverkehre in Betrieb genommen wurden, gibt es das Rückstauproblem und damit Überlegungen, wie dem abgeholfen werden könne, verbunden mit der wachsenden Erkenntnis, dass die beiden Kreisel dicht hintereinander das Verkehrsaufkommen von und zur B 14 gar nicht aufnehmen können und in Kombination mit den wenigen Fahrstreifen sich gegenseitig blockieren. Bislang war als Ausweg vor allem ein „Turbokreisverkehr“ mit mehreren Fahrspuren auf der Südseite im Gespräch, in Verbindung oder alternativ mit signalisierten Einfahren (statt Ampel-Kreuzungen). Nachteil des Turbokreisverkehrs ist, dass bei ihm eine verkehrsabhängige Steuerung nicht möglich ist. Auch dass mit der Brücke als „wesentlicher Zwangspunkt“ etwas geschehen müsse, stellte sich immer deutlicher heraus.

In Winnenden kritisierten insbesondere die Grünen im Gemeinderat, als es um die Stellungnahme der Stadt zu dem Vorschlag ging, den damit einhergehenden Ausbau als nicht mehr zeitgemäß, zumal größere Straßen bekanntlich mehr Verkehr anzögen, also nicht das Problem lösten, sondern sogar neue schaffen würden. Es gab schließlich 14 Ja-, vier Neinstimmen und zwei Enthaltungen.

Im Leutenbacher Gemeinderat war der Tenor zwar ebenfalls zustimmend, aber die Gemeinde besteht auf weiteren Untersuchungen: dazu, welche Auswirkungen die beiden geplanten Winnender Gebiete Untere und Obere Schray und der derzeit stattfindende Rückbau der alten B 14 dort (Ortsdurchfahrt) auf die Verkehrsmenge (Rückverlagerung?) haben werden sowie zu den Lärmauswirkungen für das benachbarte Wohngebiet Mühlefeld. Außerdem wird zusätzlich eine „Lückenampel“ (nach Bedarf gesteuert) angeregt, die künftig die Zufahrt von der Straße Im Grund auf die L 1127 erleichtert. Leutenbach regt außerdem eine Verbesserung der Wege für Fußgänger und Radfahrer im Bereich der Anschlussstelle (insbesondere eine Beleuchtung der Wege dort) an und eine Ertüchtigung des Leutenbachtunnels (um im Fall einer längeren Sperrung einer Röhre, etwa im Zuge einer Sanierung, die andere Röhre mit Gegenverkehr als Ausweichroute nutzen zu können, anstelle wie bisher die dafür nicht ausgelegten Ortsdurchfahrten in Leutenbach und Nellmersbach). Außerdem wird eine Art „Überführung“ für Fußgänger und Radfahrer gefordert, damit diese gefahrlos angesichts des künftig besser fließenden Verkehrs (so ja die Hoffnung, der Grund für das Ganze) von der Leutenbacher Mühlefeldseite über die L 1127 auf das gegenüberliegende Streuobstwiesen- und Gartenhausgebiet Galgenberg kommen.

Bei allem „Aber“ räumt auch Leutenbach ein, dass die vorgeschlagene Variante eine deutliche Verbesserung wäre. Das RP hat auf Nachfrage von dort angegeben, dass sich die Wartezeit für die Zufahrt von der K 1898 zum Knotenpunkt von derzeit 100 auf 64 Sekunden verkürzen werde. Außerdem werde sich der morgendliche Ausweichverkehr auf der L 1127 vor dem Rückstau an der Anschlussstelle (um den zu umgehen) durch Weiler zum Stein und Leutenbach verringern.

Allerdings kritisierte Bürgermeister Jürgen Kiesl erneut – wie sein Winnender Kollegen Hartmut Holzwarth – dass seinerzeit im Zuge des Weiterbaus der B 14 der Verkehr aus Richtung Affalterbach/Ludwigsburg unterschätzt, ja die Auswirkungen dieser Achse auf die Anschlussstelle überhaupt nicht untersucht worden seien. Im Grunde habe es damit eine „eklatante Fehlplanung“ gegeben. Er machte auch ein Fragezeichen hinter dem „berechneten“ Zeitgewinn beim Einfahren von der K 1898. Trotzdem sehe er es „grundsätzlich positiv“, dass etwas geschehen solle. Kiesl wies zudem auf die zu erwartende Kostensteigerung hin, bis der Plan umgesetzt werde, werde es wohl noch viele Jahre dauern. Ein weiterer „Unsicherheitsfaktor“ sei auch die Verkehrsentwicklung bis dahin. Claus Lämmle, FWG, bemängelte den Flächenverbrauch beim geplanten Umbau mit vier Spuren, die massiv erweiterte Anschlussstelle werde somit „schon ein Monster“. Er habe den Eindruck, dass bei dieser Planung Fußgänger, Radfahrer und der landwirtschaftliche Verkehr „etwas vergessen“ würden.

Auf Nachfrage verweist Kiesl darauf, dass man zum letzten Mal zu dem Thema vor drei Jahren was aus Stuttgart gehört habe. Angesichts dessen und der bisherigen Erfahrungen mit den Zeitspannen beim Weiterbau der B 14 könne er der Einschätzung des Winnender Stadtentwicklers Markus Schlecht, dass der Umbau wohl „nicht vor 2030“ erfolge, nicht widersprechen, leider. Außerdem glaube er nicht, dass dieser die Situation „entscheidend“ verbessern werde, wenn auch immerhin „spürbar“: „Insofern werden wir damit leben müssen.“ Den „wirklichen“ Durchbruch könne wohl nur der Nordostring um Stuttgart bringen, der aber „in den Sternen stehe“.

Man habe damals nicht genügend bedacht, wie viel Verkehr diese Anschlussstelle aus dem nordöstlichen Raum im Kreis Ludwigsburg anziehen werde, betont Kiesl. Außerdem habe sich eine Hoffnung bislang nicht erfüllt, anders als in Winnenden sei seiner Einschätzung nach der Verkehr in Leutenbach durch den Weiterbau der B 14 auf Dauer gesehen nicht wesentlich zurückgegangen. Das sei wohl erst zu erwarten, wenn die neue B 14 komplett bis Backnang fertiggestellt sei.

Auch Rückstau von Leutenbach herauf und von Weiler zum Stein her morgens

Der morgendliche Rückstau auf der K 1898 reiche nach wie vor mitunter bis fast hinunter zum Aldi-Markt, so Kiesl. Obwohl wegen Corona nach wie vor viele im Home-Office arbeiteten. Sollten diese an die Arbeitsplätze in den Betrieben zurückkehren und sich der Stau damit bis zum Kreisverkehr beim Aldi erstrecken oder darüber hinaus, werde es kritisch. Der Kreisel ist eine Drehscheibe für den innerörtlichen Verkehr, wird dieser Knotenpunkt „verstopft“, droht der Kollaps.

Der neueste Vorschlag zur Auflösung der Dauerstaus an der B-14-Anschlussstelle Winnenden-West/Leutenbach lautet: Umbau der zwei Kreisverkehre im Anschluss an die Zu- und Abfahrten zu zwei Kreuzungen mit Ampeln und eine weitere Brücke direkt neben und parallel zur bestehenden über die B 14, so dass künftig vier Spuren (bisher zwei) dort zur Verfügung stehen.

Damit soll die „Leistungsfähigkeit“ dieser „Knotenpunkte“ zu den kritischen Hauptverkehrszeiten am Morgen und Nachmittag erhöht

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