Leutenbach

Dem Steinbruch-Teich bei Weiler zum Stein droht kein Umkippen

Steinbruchsee weiler zum stein
© Uwe Speiser

Blaualgenplage im Plüderhäuser Badesee, andere Seen am „Kippen“, Rekordniedrigpegelstände in Flüssen: Muss man sich auch Sorgen machen um den Weiher im renaturierten Steinbruchgelände bei Weiler zum Stein? William Patrick vom Nabu war beunruhigt, wollte der Sache auf den Grund gegangen wissen. Schließlich veranstaltet der Nabu dort regelmäßig Exkursionen mit Vogelbeobachtungen und ist auch immer mit Kindern und Jugendlichen dort. Die hatten gemeint, der Weiher sei „sehr dreckig“, vor allem wegen des Blütenstaubs auf der Oberfläche.

Anruf beim Eigentümer, der Tiefbaufirma Klöpfer in Birkmannsweiler, die den Steinbruch einst betrieben hatte, nach dem Ende des Betriebs das etwa 8,5 Hektar große Areal aufwendig renaturierte, aus ihm ein Biotop gemacht hat – das seit kurzem von Schafen beweidet wird – und nach wie vor für es zuständig ist. Dipl.-Geologe Benjamin Hoffmann, bei Klöpfer Technischer Leiter der Schotterwerke und Asphaltmischanlagen, ist zunächst nicht gerade begeistert von der Presseanfrage, lässt sich aber doch überzeugen, beim Termin vor Ort dabei zu sein. Außerdem stößt Gewässerwart Marco Lang aus Alfdorf als Vertreter des Landesfischereiverbands dazu. Lang und Hoffmann kennen sich, sind Angelkameraden, also per Du – wie auch Patrick und Hoffmann, der sich keineswegs als stahlharter Vertreter der Asphalt- und Betonfraktion entpuppt, sondern sehr wohl aufgeschlossen für Natur- und Umweltschutz ist, in seinen Kenntnissen dazu Patrick nicht nachsteht.

Er soll ein Refugium für Fauna und Flora sein und bleiben

Am liebsten wäre es ihm aber, der idyllisch gelegene Weiher wäre überhaupt nicht in der Zeitung, bekäme die Ruhe, die er verdient. Er ist kein Badesee, soll keiner sein, und nicht mal Angeln ist dort erlaubt. Er soll ein Refugium für die Natur, sowohl für Fauna und Flora, sein und bleiben. Hoffmann bringt zum Termin einen Tabellenausdruck der aktuellen Pegelstände der Murr (gemessen bei Murr, am Zusammenfluss mit dem Neckar), die Werte sind historisch niedrig. Auch der Wert der Niederschlagsmenge in den vergangenen Wochen, wenn man davon überhaupt sprechen kann, ist rekordverdächtig niedrig.

Auf dem Weg zum Weiher, der – von der Schranke unterhalb der Gemeindehalle, die Autos die Weiter-, Durchfahrt zu ihm unterbindet – parallel und direkt neben dem Buchenbach verläuft, fällt Patrick auf, dass es an dem schon mal besser gerochen hat. Aber wie sollte es auch anders sein? Nicht weit entfernt liegt die Kläranlage, allerdings erst „dahinter“ und auch der Buchenbach, der zwischen Burgstall und Kirchberg in die Murr mündet, führt selbst für seine Verhältnisse sehr wenig Wasser. Der Weiher wiederum war zu Steinbruchbetriebzeiten noch eher eine „Pfütze“, die in Trockenzeiten regelmäßig verlandete, und er war ein Paradies – nur für Wechselkröten. Zu einem richtigen Gewässer und mit dem Ufer Heimat für viele Tierarten wurde er erst mit der Renaturierung.

Sauerstoffgehalt und pH-Wert im grünen Bereich

Also, was ist nun tatsächlich mit dem Weiher, stimmen die Eindrücke, die Befürchtungen oder täuschen sie? Am Tag des Ortstermins macht der Teich auf jeden Fall schon vom Anblick her keineswegs einen verunreinigten Eindruck. Endgültig Klarheit schafft der Gewässerwart, der dafür einen Laborkoffer dabei hat. Der wichtigste Wert ist für die Fische laut Lang der Sauerstoffgehalt im Wasser. 5,3 Prozent je Liter Wasser seien das nötige Minimum. Seine Messung ergibt 6,3 Prozent. Das sei „sehr gut“. Der zweite wichtige Indikator ist der pH-Wert, der das Maß der Menge an Säuren und Basen im Wasser angibt. Der Wert in einem solchen Teich soll laut Laut zwischen 7,0 und 7,8 liegen. Er kommt bei seiner Messung auf 7,3. Das sei absolut in Ordnung. Dritter Wert, in Gegenden, wo es rundherum Landwirtschaft gibt: der Nitratgehalt. Hier liegt der Wert deutlich unter dem kritischen Grenzwert, sei ebenfalls „sehr gut“, so Lang. Noch ein Wert, der zählt bei der Frage, ob „Umkippen“ droht: die Wassertemperatur. Lang misst 22,8 Grad, wobei das am Rande ist, also wohl wärmer als an der Oberfläche mitten im See und ganz sicher, wenn es in dem runter geht. Schon kurz unter dem Wasserspiegel ist das Wasser einige Grade kälter. Hinzu kommt, dass der Teich für ein ehemaliges Steinbruchgelände relativ tief ist, in der Tiefe dürfte das Wasser noch deutlich kälter sein. Außerdem gibt es einen Windzug, der für Umwälzung sorgt.

Kann dieser Teich überhaupt umkippen, schließt dessen Tiefe das nicht eigentlich aus? Ja, davon gehe er auch aus, so Lang. Er verweist auch darauf, dass an der Oberfläche keine Algen zu sehen sind. Er entnimmt eine weitere Wasserprobe, stellt damit den Posphatgehalt fest.  Die Flüssigkeit im Reagenzröhrchen bleibt glasklar:  ,,Wenn es für Fisch bedrohlich wäre, wäre es jetzt gelblich bis violett gefärbt".  Also Entwarnung? „Ja, der Teich ist aus meiner Sicht, was die Wasserqualität angeht, völlig in Ordnung, da muss man gar nichts machen, das kann man so laufen lassen. In einer Schulnote ausgedrückt würde ich 2,5 geben. Das Wasser ist so gut, dass man es sogar trinken könnte."

Der Teich ist kein Angelgewässer, gleichwohl sind Fische drin. Die weder der Buchenbach „mitgebracht“ hat, noch sind welche dort ausgesetzt worden. Patrick geht davon aus, dass die Fische durch Wasservögel reingekommen sind, die den an ihnen haftenden Laich von woanders hergetragen haben. Der Bestand sei nicht bekannt, der Besatz müsse aber niedrig sein. Wenn man es genau wissen wolle, müsse man den Teich ablassen und wirklich zählen, aber das wird natürlich nicht geschehen, die exakte Zahl zu kennen hätte ja keinen Sinn. Aber: Auch die Fische sagen etwas über die Gewässerqualität aus. Sie brauchen Sauerstoff im Wasser, um zu atmen. Wäre dessen Gehalt für sie zu niedrig, kämen sie nämlich an die Oberfläche, um dort Luft zu schnappen („Notatmung“). Auch dafür gibt es aber keine Anzeichen.

Dass der Teich so grün ist, zumindest der Eindruck entsteht und auch das den einen oder andern sorgt, der ihn lieber postkartenblau hätte, hat mehrere Gründe. Er liegt zum einen in einem Kalksteinbruch, klärt Hoffmann auf. Das Licht wird dort auf der Wasseroberfläche so reflektiert, das Spektrum so rausgefiltert, dass als „Rest“ Grün bleibt. Das ist aber auch abhängig von der Witterung und der Tageszeit, nämlich nur bei absolut blauem Himmel, vollem Sonnenschein schimmert der Teich grün. Sprich sind die äußeren Bedingungen anders, mäandert es durchaus ins Bläuliche. Grün heißt übrigens genug Nährstoffe für Fische, Blau dagegen oft das Gegenteil. Lang spricht von „eutroph“, was hier aber nicht durch Algen komme, sondern durch Mikroplankton, auch das trage zur Grünfärbung des Teichs bei.

Kurzum: alles okay mit dem „See.“

Viele Jahre Muschelkalkabbau

Der Steinbruch ist, beziehungsweise war, mindestens rund 100 Jahre alt. 1956 pachtete die Firma Klöpfer das Gelände von der Gemeinde, 1961 kaufte sie es und baute dort bis 1994 Muschelkalk ab, von 1995 bis 2004 wurde dort Muschelkalk aus dem Steinbruch bei Rielingshausen verarbeitet, Bauschuttrecycling betrieben, parallel dazu aber bereits das Gelände aufgefüllt, von 2005 bis 2007 wurde es rekultiviert.

Blaualgenplage im Plüderhäuser Badesee, andere Seen am „Kippen“, Rekordniedrigpegelstände in Flüssen: Muss man sich auch Sorgen machen um den Weiher im renaturierten Steinbruchgelände bei Weiler zum Stein? William Patrick vom Nabu war beunruhigt, wollte der Sache auf den Grund gegangen wissen. Schließlich veranstaltet der Nabu dort regelmäßig Exkursionen mit Vogelbeobachtungen und ist auch immer mit Kindern und Jugendlichen dort. Die hatten gemeint, der Weiher sei „sehr dreckig“, vor allem

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