Leutenbach

Die Frau mit dem Zocker-Gen

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Skatvorsitzende
Antje Welteroth hat im Skatspiel schon einige Erfolge und Pokale eingeheimst. © Thomas Schlegel
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Skatvorsitzende
Skatrunde zu Hause: Antje Welteroth mit Sohn Adrian und Steffen Trefz. © Thomas Schlegel

Leutenbach-Weiler-zum-Stein. Sie ist mit dem Zocker-Gen auf die Welt gekommen, sagt Antje Welteroth über sich. Seit einem Jahr ist sie Vorsitzende des Vereins „Billige Null Weiler zum Stein“. Skat ist ihrer Meinung nach nicht aus der Mode gekommen. Und nicht nur deshalb wünscht sie sich mehr junge Leute im Verein.

Video: Skat spielen begeistert die Vorsitzende Antje Welteroth vom Skatclub "Billige Null e.V." aus Weiler zum Stein.

Die Lieblingskarte von Antje Welteroth ist der Kreuzbube. „Er macht jedes Blatt schöner“, sagt sie, die Frau vom Fach. „Aber alleine nützt der Kreuzbube ja auch nichts.“ Es ist noch gar nicht lange her, da ist ihr Sohn Adrian auf Antje Welteroth zugegangen. Der 22-Jährige und ein paar Kumpels von ihm wollen das Kartenspiel gerne lernen. „Das ist ein schöner Schritt in die richtige Richtung“, sagt die 47-Jährige und lacht. Denn als Vorsitzende des Vereins „Billige Null“ sieht sie es als ihre Aufgabe an, Skat publik zu machen. Wenn sich jetzt noch der eine oder andere junge Spieler dazu überwinden würde, freitagabends um 20 Uhr ins Lamm nach Weiler zum Stein zum Vereinsabend zu kommen, sei das eine gute Sache. 17 aktive Spieler gibt es. Der Verein ist im vergangenen Jahr in die Oberliga aufgestiegen. Im April geht es weiter. „Wir haben nicht damit gerechnet“, sagt Welteroth. Dennoch sind sie allesamt stolz, dass sich ihre Anstrengung ausbezahlt hat.

Welteroth: „Auch mit schlechtem Blatt kann man gewinnen“

Was Antje Welteroth am Skat-Spiel fasziniert, ist, dass man selbst mit scheinbar schlechten Karten gewinnen kann, wenn man mit Köpfchen spielt. Die Jahre 2015 und 2016 waren recht erfolgreich für die Weilermerin, sagt sie rückblickend. 2015 ist sie mit der Damenmannschaft Nordwürttemberg unter die besten zehn bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften gekommen. Außerdem hat sich Welteroth 2015 für die deutschen Einzelmeisterschaften qualifiziert. Es sei ein langer Weg dorthin mit mehreren Turnieren. Zunächst sei es ganz gut gelaufen und bei der drittletzten Serie schaffte sie es auf Platz zwei. Dann kam die schlechteste Serie, die sie jemals gespielt habe, weshalb sie auf Platz 19 rutschte. Doch Schwamm drüber: Die 47-Jährige ist bei der württembergischen Jahreswertung zur besten Frau gekürt worden und im Februar 2016 wurde sie nordwürttembergische Damenmeisterin und startete in Bremen beim Deutschen Damen-Pokal.

"Das ist mein Spiel"

Skat spielt die Weilermerin nahezu schon ihr ganzes Leben. Als ihr Vater das Kartenspiel den beiden Brüdern beigebracht hatte, hat auch sie es gelernt. Dann war 20 Jahre lang Pause, bis ihr Mann Alfred einmal eine Skatrunde ausgerufen hatte. „Ich habe gleich gemerkt: Das ist mein Spiel“, sagt Antje Welteroth, die von sich behauptet, dass sie sich von so ziemlich jeder Art von Glücksspiel magisch angezogen fühlt.

Nach zahlreichen Runden im Freundeskreis und in der Familie hatte sie sich zum Drei-Königs-Turnier in Weiler angemeldet und ist hingegangen „mit klopfendem Herzen – es war furchtbar“. „Was will denn das Mädle da?!“, raunte es durch die Reihen. Ihre Reaktion: „Ich muss es unbedingt richtig lernen.“ Das ist nun 17 Jahre her.

Gäste zum Skat einladen

Gepackt vom Ehrgeiz pilgerte sie damals zur Skatrunde nach Stuttgart-Feuerbach, wo es auch einmal im Monat einen Master-Skat gab. „Die haben sich gefreut, dass jemand kam, der Freude am Spiel hatte“, wie auch Lust, etwas zu lernen. 2002 war in der Zeitung zu lesen, dass „erstmals eine Frau Erste beim Skat“ gewesen ist. Der Artikel hängt bis heute noch an ihrer Pinnwand – durchlöchert vom Zeigen und Wiederanpinnen. Nach dem Spiel wurde die Spielweise rekonstruiert. „Das war wichtig – ich habe ganz viel gelernt“, sagt sie. Rund zehn Jahre ist sie in Stuttgart geblieben. Später wurde sie Damenbeauftragte der Verbandsgruppe Nordwürttemberg, seit 2008 ist sie als Schiedsrichterin aktiv und seit 2013 Mitglied im Verein „Billige Null“. Antje Welteroth hat andere Spieler überredet, zu Turnieren des Skatverbands zu fahren. Zwei ehemalige Mitglieder sind unter anderem so zum Verein zurückgekehrt. Den frischen Schwung, den sie damals als immer noch einzige Frau im Verein mitgebracht hat, will sie nun als Vorsitzende ausbauen. Das Amt hat sie vor einem Jahr von Eberhard von Rekowski übernommen. Ihre jüngste Idee ist, dass der Verein auch mal für Gäste die Türen öffnet und zur Skatrunde einlädt. Denkbar wäre auch ein Angebot im Sommerferienprogramm für Kinder ab zehn Jahren. Und wenn sie dann noch Zeit hat? Dann male sie Bilder auf Leinwand, so Antje Welteroth.

Preisskat in Weiler

Der Verein „Billige Null Weiler zum Stein“ veranstaltet einen Preisskat am Freitag, 6. Januar, in der Rems-Murr-Halle. Spielbeginn der ersten Serie ist um 14 Uhr, die zweite Serie startet um 16.20 Uhr. Als Einzelpreise wird das Einzelstartgeld entsprechend der Teilnehmerzahl ausgeschüttet; als Tandem- und Mannschaftspreise ebenso das jeweilige Startgeld. Die Voranmeldung erfolgt bis Donnerstagabend, 5. Januar, 18 Uhr per E-Mail an awelteroth@aol.com oder 0 71 95/94 17 18. Kurzentschlossene können sich am Tag des Preisskats zwischen 13 und 13.45 Uhr direkt vor Ort anmelden.